23 May 2017 | Sued Atlantik
21 May 2017 | Sued Atlantik
20 May 2017 | Sued Atlantik
19 May 2017 | Sued Atlantik
17 May 2017 | Nord Atlantik
16 May 2017 | Sued Atlantik
12 May 2017 | Sued Atlantik
09 May 2017 | Sued Atlantik
06 May 2017 | Sued Atlantik
04 May 2017 | Sued Atlantik
03 May 2017 | Sued Atlantik
01 May 2017 | Sued Atlantik
29 April 2017 | Sued Atlantik
27 April 2017 | Sued Atlantik
27 April 2017 | Sued Atlantik
26 April 2017 | Sued Atlantik
21 April 2017 | Sued Atlantik
19 April 2017 | Sued Atlantik
14 April 2017 | Sued Atlantik
14 April 2017 | Sued Atlantik

Pos 36G 11N / 33G06W

23 May 2017 | Sued Atlantik
Kerstin
Und dann bekommen wir, was der Wetterbericht uns verspricht. 30 Knoten Wind.Und noch ein bisschen mehr in den Regenboen. Endlich sind wir schnell. Schnell aber auch zu schnell. Am Ende laufen wir im 3. Reff und mit stark gereffter Genua noch immer 7 Knoten. Auf Kurs, in Richtung Horta. 7 Seemeilen in einer Stunde -vor zwei Tagen haben wir fuer die gleiche Strecke ueber fuenf Stunden gebraucht. Heute geht alle Stunde ein Schauer runter. Der Himmel grau, das Meer grau. Um uns herum rauschen die Wellen. Der Wind pfeift von achtern ins Cockpit. Helmut kaempft im Regen, auf dem Vorschiff mit dem Spibaum. Ich wuensche mir bei Anbruch meiner Wache, das es schnell dunkel wird. Dann seh' ich die See nicht.... Am naechsten Morgen ist die Front durchgezogen. Der Wind auch. Dafuer zeigt der neueste Gripfile fuer das kommende Wochenende eine Tiefdruckentwicklung ueber den Azoren. Das koennte uns im Endspurt das Einlaufen in Horta verhageln. Wir muessten von heute an konstant ueber 4,5 Knoten Fahrt machen, um vor dem Starkwind dort zu sein. Mit Wind kein Problem. Ohne Wind.... Der Wunsch, das Konzert, das Wetter.....seuftz. Noch 260 Seemeilen bis Horta. Heidewitzka, was fuer ein Finale.

Pos 33G 50N / 36G 13W

21 May 2017 | Sued Atlantik
Kerstin
Tag 43 auf See und heute macht der Blick aufs GPS dann erstmals seit langem wieder Spass. Sagenhafte 4, manchmal 5 Knoten Speed. Und das in die richtige Richtung. Lange sitze ich mit einem Becher Tee auf dem Achterschiff und luefte die Seele und Gemuet aus. Ja, die letzte Zeit mit tagelangen Flauten haben muerbe gemacht. Besonders, wenn man das Ziel fast schon zu sehen glaubt.

Nun tauchen langsam die ersten Zeichen von Zivilisation um uns herum auf. Seit ein paar Tagen schon, reissen uns ab und an Frachter und Flugzeuge aus unserem Robinson Leben. Der Aermelkanal und das europaeische Festland ruecken merklich naeher. Dafuer laesst meine innere Anspannung langsam nach. Ich mache mir gerne Sorgen ueber Dinge, die noch nicht eingetreten sind und dies meist auch nie tun. Haelt die Windfahne die vielen tausend Meilen durch? Halten die Segel durch, der Wassermacher? Wir? Meist haelt am Ende alles. Alle Gedanken und Sorgen waren ueberfluessig. Aber so bin ich nun mal. Helmut hat es da leichter. Er faengt an, sich Gedanken zu machen, wenn tatsaechlich etwas passiert ist. Kraeftemaessig der deutlich einfachere Weg. Blauwassersegeln braucht ein gewisses Mass an Sorglosigkeit. Die fehlt mir manchmal. Hier und heute aber merke auch ich, das ich entspannter werde. Es ist nicht mehr weit. Ab hier laesst sich vieles improvisieren. Wir schaffen das.

In der Freiwache sind Buecher noch immer eins der wichtigsten Dinge an Bord. Gestern beende ich mit grossem Vergnuegen 'Die Entdeckung der Langsamkeit' von Sten Nadolny. Ein Buch, das ich alle 10 Jahre wieder aus dem Regal krame. Tolle Geschichte, grandios erzaehlt. Sprachgewaltig wie nur wenige andere.

Pos 32G 52S / 37G 32W

20 May 2017 | Sued Atlantik
Kerstin
Genug ueber die Zukunft orakelt. Aber die Weite der "Landschaft" und die Zeit, die man hier draussen hat, laesst einen intensiver nachdenken. Ueber das was war. Ueber das was kommt. Ueber das was ist. Was ist also heute? Eine weitere Tierbegegnung. Diesmal in klein. Seit 30°Nord sehen wir viele 'Man o War' Quallen um's Schiff herum schwimmen. Man nennt sie auch Portugiesische Galeeren. Kleine Quallen, die mit Hilfe eines halbmondfoermigen Hautlappens uebers Meer segeln. Fazinierend zu sehen, was die Natur so alles erfindet. Da halten wir Menschen uns gerne fuer die Krone der Schoepfung, brauchen aber ein mehrere tausend Euro teures Gefaehrt, um hier draussen zu ueberleben. Und dann kommt da so eine kleine Qualle vorbei und segelt gemuetlich auf Vorwindkurs. Manche segeln auch hard am Wind. Schneller als wir sind sie momentan auf jeden Fall. Wir sind dankbar, das bisher alle 'Man o War's' auf dem Weg nach Sueden waren. So konnte uns wenigstens keine direkt ueberholen.... 30 Stunden motoren wir nach Norden. Investieren unseren knappen Diesel. Wir hoffen so moeglichst bald zwischen die Nordseite des abziehenden Hochdruckgebietes und eines flachen Tiefs ueber den Azoren zu gelangen. Der Gribfile verspricht uns ab dort guten Wind fuer den Rest der Reise. Mein Vertrauen in die Wettervorhersage ist indess nicht mehr sehr hoch. "Ja, ja, " sage ich zu Helmut, der gerade die aktuelle Wetterkarte studiert, "wie frueher in Samoa. Vereinzelt Schauer, cool at night. Das passt immer". Am Abend aber kommt tatsaechlich ein wenig Brise aus Westen auf. Die, als meine Nachtwache beginnt, rasant in sich zusammen faellt. In 5,5 Stunden schaffe ich es 7 Seemeilen in Richtung Azoren. Dann gebe ich auf. Kaum sitzt Helmut draussen, erholt sich der Wind etwas. Im Morgengrauen passiert uns dann noch eine dicke graue Regenwolke, dann aber haben wir Passatwolken Himmel. Und endlich, endlich sowas wie segelbaren Wind. 3, manchmal dreieinhalb Knoten machen wir in Richtung Azoren. Wir sind bescheiden geworden. Wenn es wenigstens so bleibt. Unter Deck wird es derweil lauter. Unsere Schapps werden leerer, bei Seegang poltern die Dosen. Helmut wird bereits im Morgengrauen zum Tagesheld. Er kocht trotz Seegang eine Kanne Filterkaffee. Mit Melittakaffeepulver. Dem letzten Paket. Kann das Leben schoener sein?.... Brasilianischer Kaffee aus dem Kaffeedruecker schmeckt im Vergleich dazu gerne mal wie aufgeloester Strassenteer. Nach drei Monaten Strassenteer, ist gefilterter Melitta ein Fest. Mit dem Kaffeebecher in der Hand starren wir auf die GPS Anzeige. 3 Knoten, Kurs Nord. Na bitte. Geht doch......

Pos 31G 50N / 38G 06W

19 May 2017 | Sued Atlantik
Kerstin
Es scheint sich auf dem Ozean herum gesprochen zu haben, dass wir ein bisschen Aufmunterung noetig haben. 630 Seemeilen noch bis auf die Azoren Insel Faial. Mit Wind 5 Tage, ohne Wind....seufz...

Aber das alles ficht uns heute nicht an - wir bekommen Besuch und einen heimlichen Traum erfuellt. Helmut sichtet am Nachmittag einen Finwal, immerhin das zweit groesste Lebewesen der Erde, der uns aus Norden entgegen kommt. Der Wal nimmt Kurs auf unsere Steuerbord Seite. Kaum 10 Meter von der Bordwand entfernt scheint er sich zu fragen, was das fuer ein komischer Vogel ist, der hier seinen Weg kreuzt. Er haelt kurz inne, dreht sich ein bisschen auf die Seite und guckt. Alleine schwimmen hier eigentlich nur jugendlich maennliche Tiere rum, die auf der Suche nach einer Partnerin sind. Der wird doch wohl nicht..... Dann taucht er ab. Wir stehen staunend an Deck. Der Wal ueberragt Lop To an Laenge um mehrere Meter. Angst haben wir nicht. Wir haben in den letzten Jahren gelernt, das Wale um ihre Masse wissen. Sie sind vorsichtig. Die Begegnung dauert nur ein paar wenige Minuten. Dann zieht der Finwal seiner Wege. Ein paar Minuten. Die uns fuer den Rest unseres Leben begleiten werden.Dafuer machen wir das hier. Dafuer sind wir hier draussen. Dafuer lohnen sich sogar zweieinhalb Wochen Flaute. Ich moechte so oft Momente und Erlebnisse wie dieses, festhalten. Segeln auf vierzig Grad Sued zum Beispiel. Oder ein Lagerfeuer am Stand irgendwo in Tonga. Mit dem Kajak paddeln in der Langune von Chagos. Oder Ankern im Minerva Reef. Alles einzigartige Erlebnisse, die uns sehr viel bedeuten. Erlebnisse, die kommen, die gehen. Momente, die sich nicht festhalten lassen. Erinnerung aber, die bleiben. Und unser Leben zu dem machen was es ist. Eine erfuellte Zeit. Werfen wir die Chancen auf solche Erlebnisse jetzt allzu sorglos ueber Bord, wenn wir zurueck nach Deutschland segeln? Wir muessten ja nicht. Wir koennten weiter um die Welt segeln, wenn wir wollten. Aber das Leben bietet so viel. Auf die Loften moechten wir so gerne einmal. Ins Baltikum. Mal wieder nach Aero zum Poelser essen. Und Familie und alte Freunde nicht immer nur am anderen Ende der Welt haben, sondern ganz einfach um die Ecke. Nein, alles hat seine Zeit im Leben. Wir muessen nicht nach Hause. Wir wollen. Dann muessen wir nur noch weiterhin genau hingucken. Hinhoeren. Und den Dingen die Zeit lassen, die sie brauchen. Das haben wir unterwegs gelernt. Und dann bleibt das Leben fuer uns auch in Europa spannend. Und das soll es auch.

Pos 29G 22N / 38G 13W

17 May 2017 | Nord Atlantik
Kerstin
Die Schildkroete kann mehr ueber den Weg erzaehlen, als der Hase. Chinesisches Sprichwort...

Pos 27G 46N / 38G07W

16 May 2017 | Sued Atlantik
Kerstin
Tja....... Vieles kann man aendern im Leben. Das Wetter muss man nehmen wie es ist.

Seit 14 Tagen haben wir abwechselnd Flaute, leichte Winde oder Nasenwind. Seit zwei Tagen kreuzen wir mit 3 Knoten gegen eine kurze Hackwelle. Der Wind 15 Knoten. Ungefaehr segeln wir in die Richtung in die wir wollen. Noch 812 Seemeilen bis in den Hafen von Horta auf der Azoren Insel Faial.

Unser Proviant reicht noch bis weit in den englischen Kanal. Ob die Lust am Segeln auch noch so weit reicht? Schaun wir mal..... Unser Diesel reicht derweil nur noch fuer 3,5 Tage. Einschliesslich dem Diesel aus dem Heizungstank, den wir inzwischen umgefuellt haben. Laeuft so ein 80iger Jahre Schiffsdiesel nicht auch mit Salatoel? Ich waere fast gewillt den ein oder anderen Liter Olivenoel zu opfern. Schliesslich goennen uns drei Stunden motoren in die richtige Richtung. Ohne Hilfe von Olivenoel. Wir lassen den Wassermacher laufen , goennen uns eine warme Dusche. Dann knirschen wir weiter mit den Zaehnen. Schuetteln die Cockpitkissen noch mal auf. Fahren die naechste Wende..... Tag 38 auf See. Gut moeglich das wir die 50 schaffen.

Pos 23G 44 N / 40G 11W

12 May 2017 | Sued Atlantik
Kerstin
Kurs 350 Grad. Banker oder Politiker wuerden das, was wir hier gerade machen als "Negativ Meilen" bezeichnen. Wir bezeichnen das, was wir hier gerade machen, als das was es ist, wir segeln in die falsche Richtung.

Seit Tagen schon warten wir auf Zuschriften von navigatorisch bewanderten Lesern, die uns sagen "Kinders, ihr fahrt falsch. Die Azoren liegen oben rechts". Keine Sorge, das wissen wir. Es ist auch nicht meine sehr ausgepraegte Rechts-Links -Schwaeche, die uns auf den falschen Kurs zwingt. Es ist der Wind. Der Schuft.

Wir kreuzen. Wir kreuzen sehr, sehr grossflaechig. Deshalb sieht das von aussen betrachtet vielleicht etwas komisch aus. Seit 7 Tagen kommen wir stetig nach Westen. Kurs NNW, statt NNO..... Mittlerweile sind wir auf halbem Weg zwischen Azoren und Bermudas. Ein paar Grad abfallen und in 10 Tagen haben wir einen frischen Salat vor uns stehen. Wir koennten uns alternativ auch ueberlegen, ob nicht Neufundland ein lohnendes Ziel waere. Etwas weiter weg, aber Neufundland koennen wir anliegen und es soll sehr schoen dort sein. Oder auf dem anderen Bug, die Kapverden.....Alles erreichbare Ziele. Nur die Azoren nicht. Toll.

Geduld ist also gefragt. Eine Ressource die mir in Woche sechs nach Abfahrt von St. HELENA nur noch in sehr begrenztem Umfang zur Verfuegung steht. Helmut sieht es gelassener. "Kannst du machen nix", sagt er und studiert unverdrossen die Wetterkarten. Irgendwann in den naechsten Stunden soll der Wind drehen. Sagt er. Der Begriff "naechste Stunden" ist dehnbar. Morgen, Uebermorgen, naechste Woche..... Helmut ist lange genug Skipper, um zu wissen, wie er das gemeine Volk an Bord (Crew) (mich) ruhig stellen kann. Zuerst erklaert er, das sei alles normal so. Alle wuerden hier den gleichen Bogen schlagen muessen wie wir. Dann aendert er stillschweigend den Wegpunkt zu dem wir segeln. Geradezu ein genial politischer Schachzug. Es hat sich nichts an der Tatsache an sich geandert. Wir segeln immer noch nach NNW. Es sieht nur auf dem GPS Bildschirm gleich sehr viel freundlicher aus. Wir sind auf Kurs Schatz! Die Meuterei ist vorerst abgewendet. Dem Skipper orakele ich eine grosse Zukunft als Vorstandsmitglied eines boersendotierten Unternehmens oder als parteiloser Spitzenpolitiker. Talent hat er.

Pos 21G 28N / 37G39W

09 May 2017 | Sued Atlantik
Kerstin
Zack, queeetsch-zung, zappel, kneeerg, quiiietsch......

Wir haben den Wind verloren. Es scheppert unter Deck. Es scheppert an Deck. Die Segel schlagen. Was uns bleibt ist ein bisschen Wolkenwind. Er schiebt LOP TO an. 200 Meter, 500 Meter......dann ist die Wolke oben zu Ende. Und unter stirbt der Wind ab. LOP TO schiebt mit Restfahrt ins naechste Flautenloch. Zack, queeetsch-zung, zappel, kneeerg, quiiietsch......

Unsere seglerischen Vorfahren, die Entdecker afrikanischer und suedamerikanischer Kuesten, haben in diesen Breiten gerne mal den Verstand verloren. Wer kann es ihnen verdenken. Solange sie bei Verstand waren, haben sie hier ihre Pferde geschlachtet. Der Frischeproviant in batterie- und dosenlosen Zeiten. Die Rossbreiten verdanken diesem Umstand ihren Namen.

Wir koennen weder mit Ross- noch mit Rostbratwurst dienen. Wir begegnen dieser Gegend mit frischer Kuerbissuppe. Ob das hilft bei Verstand zu bleiben? Schaun wir mal.....

Noch mickrige 1000 Seemeilen bis Horta und kein Wind. Gestern nicht, vorgestern nicht. Und wenn wir dem Gribfile glauben duerfen morgen und uebermorgen auch nicht. Wir spielen Karten gegen die Langeweile. Oder wir versuchen die lange Weile zu geniessen. Wir backen Brot und Schokoladenkuchen. Ich lese Wallander 1 bis 8. Dann stirbt der Akku des Ebook Readers. Vielleicht verliert den Verstand. Wer will das so genau beurteilen.

Wir haben seit Mar del Plata tatsaechlich ein Cockpitkissen durchgesessen. Das zweite ist auch schon ganz duenn. Zeit zum ankommen. Aber morgen noch nicht. Uebermorgen auch noch nicht. Nicht naechste Woche, wohl auch noch nicht in 10 Tagen. Aber dann irgendwann. Hurrah......

Pos 20G 12N / 35G 32W

06 May 2017 | Sued Atlantik
Kerstin
Vier Wochen auf See seit Abfahrt St. Helena. Wir haben Anfang Mai und in diesem Kalenderjahr bisher mehr Naechte auf dem Meer verbracht , als an Land. Auch mal eine Erfahrung. Zum ersten mal seit Jahren beschaeftigen wir uns auch wieder mit der Wetterlage vor der norwegischen Kueste. Die naemlich beschert uns auf 20 °Nord etwas, das es hier oft nicht gibt. Wind. Vor Norwegen liegt ein dickes Hochdruckgebiet und hindert ein Tief noerdlich der Azoren daran weiter zu ziehen. Gut so. Uns bringt es leichte Winde. Wir kommen voran. Wenn auch oft nur mit 3 Knoten. Und es bleibt boeig. Reff rein, Reff raus, Reff rein. Die ein oder andere Meile will hier erarbeitet werden. Insgesamt aber bleibt es herrliches Segeln unter blauem Himmel. Ja, wir koennen solche Tage noch geniessen. Auch noch nach ein paar tausend Seemeilen am Stueck. Manchmal wundern wir uns selber darueber.

So langsam wird die Sache aber ueberschaubar. Noch acht Grad, dann haben wir die Kanaren querab. Allerdings fuer uns unerreichbar im Osten. Na ja. Sind wir ehrlich, wir haetten sie wahrscheinlich ohnehin nicht angelaufen. Ein paar Tage allerdings liebaeugeln wir mit Madeira. Und von dort die portugisische Kueste hinauf? Ich traeume von Lissabon, Helmut von La Rochelle.

Aber dann locken doch die Azoren mehr. Also bleibt es Schluss endlich bei Plan A.

Am Nachmittag hoeren wir auf Kurzwelle jetzt regelmaessig bei Intermar rein. Wenn Uwe dort Dienst schiebt, gibt es den Seewetterbericht fuer die Ost- und Nordsee. Was sollen wir sagen? Die Winterklamotten haben wir wohl nicht umsonst an Bord. Temperaturen sind das fuer Mai. Halleluja. Aber das haben wir ja so gewollt. Und auch an Bord merken wir jetzt taeglich, das wir nach Norden segeln. Seit zwei Tagen sind wir zurueck im Sockenland. Zumindest waehrend der Nachtwache. Dann schadet auch eine leichte Fleecedecke nix.

Ja, die Tropen sind Geschichte. Und im naechsten Kapitel werden Muetzen wohl eine tragende Rolle spielen. Na dann...mal los.

Pos 17G 29 N / 34G 44W

04 May 2017 | Sued Atlantik
Kerstin
360° Heute Morgen guckt der Skipper vom Cockpit auf die See und sagt "Die Gegend hier kommt mir bekannt vor". Stimmt. Hier und heute kreuzt Lop To ihre Kurslinie. Hier war sie schon einmal. 1999, auf dem Weg von den Kanaren nach Antigua. Helmut und LOP TO sind seit heute Weltumsegler. Und 18 Jahre unterwegs. 6570 Tage. 55 Laender. Viele Umwege. Vor wievielen Inseln LOP TO geankert hat, muessen wir erst nachzaehlen. Die zurueckgelegten Seemeilen auch. Es sind viele. Sie reichen fuer mehrere Umrundungen. Aber das ist eigentlich nicht so wichtig. Und ein Geschwindigkeitrekord ist die Reise auch nicht. Dafuer sind die Jahre ein Rekord an optimal genutzter Lebenszeit. Das ist wichtig. Das war der Plan. Und jetzt feiern wir! Das Segeln, das Leben und die Freude daran.

Pos 16G 10 N / 33G 58W

03 May 2017 | Sued Atlantik
Kerstin
25. Tag auf See seit St Helena und eine Operation am offenen Herzen. Unser elektrischer Autopilot hat uns die Aequatormotorerei uebel genommen. Ein Scherstift im Inneren ist gebrochen. Aber das kennen wir schon. Die Konstruktion an sich kann man schon fast eine Sollbruchstelle nennen. Wir haben sie zuletzt in Mossel Bay, Suedafrika repariert und uns gewundert, dass es zuvor ueberhaupt so lange gehalten hat. Im wesentlichen besteht unser Raymarine Pilot im Inneren naemlich aus billigen Plastik Bauteilen. Nur der jetzt benoetigte Stift, der besteht aus Stahl. Diesmal ist die Suche nach dem richtigen Material das kniffligste. Am Ende saegen wir einen Polieraufsatz unseres Dremel Bohrers auf Laenge und feilen die Enden rund. Passt, wackelt, keine Luft. Den ebenfalls defekten Feststeller am Steuerrad ersetzen wir mit einer Grippzange. Kennen wir auch schon. So sind wir vor Jahren eine ganze Saison durch Fiji gesegelt. Ein gutes Provisorium ist halt auch Qualitaet :-)

Freund Gustav hat es da schwerer. Er wickelt ein paar hundert Seemeilen hinter uns den Elektromotor seines Autopiloten neu. Nicht schlecht der Mann, das muss man erst einmal hinbekommen. Nein, es ist kein gutes Jahr fuer Autopiloten...

Inzwischen hat der Wind ein wenig nachgelassen. Ost 1o Knoten, bei nur leicht bedecktem Himmel. Nachts brauchen wir schon wieder einen Pulli. Aber wer will darueber klagen? Wir nicht.

POs 13G 30N / 32G 11W

01 May 2017 | Sued Atlantik
Kerstin
Am Morgen bei Sonnenaufgang hat der Atlantik sein Gesicht geaendert. Vom tiefem Azurblau der letzten Tage zu Stahlblau mit weissen Kaeppis. Darueber noch immer blauer Himmel mit Schaefchenwolken.

Das Leben unter Deck ist mit dem Kurs Hoch am Wind anstrengender geworden. Leben in der Schraege. 24 Stunden festhalten oder fliegen. Laengst ueberwunden geglaubte Muedigkeit ist ploetzlich wieder da. Wir hangeln uns zum Klo. Hangeln uns zur Pantry. Kochen mit den Beinen verkeilt zwischen Niedergangstreppe und Herd. Polstern uns die Seekoje mit Kissen aus.

Frischer Ostwind mit 20 Knoten und noch immer ueberraschend niedrige Wellen. Wellenhoehe schaetzen konnten wir noch nie. 2 Meter? Vielleicht.

Wir kommen zuegig weiter nach Norden. Auf 12 Grad Nord brauchen wir nachts schon wieder einen Pulli. Tagsueber ist es warm. Schoen warm, statt bullig heiss. Gut so.

Am Abend bekommen wir eine Email von Uwe, Intermar e.V. mit den Wetteraussichten der naechsten Tage. Danke Uwe! Die Aussicht auf die naechsten Tage ist gut. Bei Annaeherung an die Azoren schaun wir dann mal. Ein paar satte Tiefs toben ueber den Nordatlantik. Wir werden sehen.

Heute mal nicht viel los an Bord ausser Wetter.

Und Gedanken. In der naechsten Nachtwache treibt mich die Frage um, ob frisch gewaschenes Haar sich jemals wieder so nach Luxus anfuehlen wird, wie jetzt hier draussen. Umgeben von Wasser, ist Suesswasser unser wertvollstes Gut. Macht man sich im Leben an Land ueber solche Dinge wie frisch gewaschenes Haar ueberhaupt Gedanken? Oder darueber wieviel Strom der Kuehlschrank verbraucht? Auch diese Dinge sind es, die die Zeit hier draussen so wertvoll machen.

Pos 10G 33N / 030G 23W

29 April 2017 | Sued Atlantik
Kerstin
Gestern Nacht konnten wir live dabei zusehen, wie unsere Meere leer gefischt werden. Irgendwann nach Mitternacht haben wir ein einzelnes AIS Signal auf dem Bildschirm. Nur eine MMSI Nummer ist angegeben. Kein Schiffstyp, kein Name, keine Nationalitaet etc. Das Ding, was immer es ist, trudelt in sechs Seemeilen Entfernung munter um sich selbst. Was ist das? Eine Wetterboje? Ein verlassenes Schiff? Eine Rettungsinsel? Auf dem Radar sehen wir nichts. Ein Schiff kann es also nicht sein. Dann taucht ein zweites Signal auf dem AIS Bildschirm auf. Dann werden es ploetzlich immer mehr. Immer schoen im zweier Paeckchen. Alle mit MMSI Nummer, sonst keine weiteren Angaben. Es braucht einen Moment um zu begreifen, das das die Makierungsbojen fuer Treibnetze sind. Dann taucht auch das dazugehoerige Schiff auf. Das ist kein Fischkutter. Das ist auch kein Hochseetrawler. Das ist eine chinesische Fischfabrik in Supertankergroesse, die hier draussen hell erleuchtet die Nacht zum Tag macht.

Wir fragen uns, wieviele solcher Schiffe es wohl weltweit geben mag? Und wieviele Tonnen Fisch sie taeglich aus dem Meer holen?

So sehen sie also aus, die Schlachtschiffe des 21.Jahrtausend. Wie eine Gefluegelfarm auf dem Meer. Traurig. Aber solange wir alle weiterhin Sushi, Fischstaebchen und Kantinenfischfilet essen wollen, wird sich das wohl auch nicht mehr aendern lassen.

Pos 07G 16N / 028G 36W

27 April 2017 | Sued Atlantik
Kerstin
Wir haben die Doldrums hinter uns gelassen. Es war nicht so einfach... Aber nach vier Tagen motoren, kippen wir kurzenhand eins unserer streng rationierten Biere ueber Bord und reden ein ernstes Wort mit Neptun. " Neptun! Es reicht, sieh zu das du Wind hierher bekommst. Aber zuegig. Kann doch nicht so schwer sein...." Ich kippe das Bier ueber Bord. Der Skipper guckt eher skeptisch. Das gute Bier.... Aber glaubt es oder nicht. 15 Minuten spaeter segeln wir. Zufall? Auf keinen Fall. Seeleute sind aberglaeubische Menschen.

Wir brechen keine Geschwindigkeitsrekorde, aber wir kommen wieder vorwaerts. In die richtige Richtung. Und sind mittlerweile auf 7 Grad Nord. Ueber uns erstmals wieder ein wolkenloser Himmel. Und fast noch schoener als der Wind, es wird langsam wieder ein wenig kuehler. Nachts brauchen wir schon wieder ein T-Shirt. Herrlich.

Wenn wir unseren heutigen Kurs halten koennen, sind es nur noch 1900 Seemeilen bis auf die Azoren. Fuer unsere Ohren klingt das mittlerweile schon fast wie um die Ecke. Aber schaun wir erst einmal, was das Wetter im Nordatlantik noch so fuer uns bereit haelt. Wenn es nicht passt, wissen wir ja jetzt wie es geht. Ein Bier ueber Bord kippen und meckern. Neptun macht das dann schon. Wahrscheinlich werden andere Methoden der Wettrvorhersage stark ueberbewertet....

Ab heute ist unsere Welt also schraeg. Und das wird sie vorerst auch bleiben. Wir segeln Hoch am Wind. Auf Backbordbug. Gut so, weil bequemer in Pantry und Seekoje. Und noch etwas macht diesen Tag besonders. Wir wechseln die Seekarte. Bis gestern haben wir unser taegliches Kreuzchen in einem Uebersegler gemacht, den wir bereits seit Puerto Deseado benutzen. Heute gibt es eine neue Karte. Und auf der ist bereits der Englische Kanal zu sehen. Und ganz am Rand Daenemark. Unglaublich, was so ein Kartenwechsel fuer die Bordmoral bedeuten kann....

Wie ist die eigentlich? Die Moral, die Stimmung, nach so langer Zeit zu zweit auf See?

Sie ist gut. Natuerlich nicht durchgehend. Wer niemals seine eigene Komfortzone verlaesst, der kennt sich nicht, sag ich nur! Manchmal haben wir die Nase voll. An manchen Tagen erscheint die Strecke vor uns endlos. Dann wollen wir nur noch ankommen. Irgendwo. Boot festmachen und nieeee wieder Segeln gehen. Also ich will das. Aber immer nur kurz. Dann kommt der naechste Sonnenauf- oder untergang, die naechste sternenklare Nacht, die naechste gute Segelbrise und es passt wieder.

Und Tage wie diese hier draussen, werden einmal unsere schoensten Erinnerungen sein. Auch das wissen wir.

Ich bin LOP TO unendlich dankbar fuer die Ruhe die sie ausstrahlt. Diese unaufgeregte Staerke mit der sie sich hier Tag fuer Tag durch die Wellen schiebt. Das kann so wohl nur ein Langkieler.

Helmut ist auch Langkieler. Und das ist gut so. Beide haben mit dem Rueckwartsgang Probleme. Aber vorwaerts, da sind sie unschlagbar :-)

Und ich? Ich bin wohl eher eine Kurzkiel Variante. Krache ab und an mal kraeftig in ein Wellental. Obwohl, vielleicht bin ich dochnauch ein gemaessigter Kurzkieler. So richtig aufstoppen kann mich das hier draussen auch nicht. Ab und an laufe ich halt mal aus dem Ruder. Aber Kurs halten kann ich auch ganz gut.

Passt also mit uns dreien hier draussen. Und an den meisten Tagen haben wir immer noch Spass an dem was wir hier gerade unternehmen.

Pos 06G 05N / 027G 34W

27 April 2017 | Sued Atlantik
Kerstin
Unser Multi Kulti Essen heute: Nudel mit Tomatensosse. Die Nudeln sind noch aus Kapstadt. Die Dose Pilze stammt aus Uruquay. Das Tomatenmark ist aus Brasilien. Das Bio Soja Ersatzfleisch von Aldi aus Klein Flottbeck, der Parmesan kommt aus Argentinien und die frischen Tomaten und die Paprika (unsere letzten....) stammen aus St. HELENA. Das alles eigenhaendig in die Mitte des Atlantiks importiert. Und geschmeckt hat es auch noch.
Vessel Name: Lop to
Vessel Make/Model: S.V. Lop To, Bloemsma-Danish Flower 38
Hailing Port: Kappeln, Germany
Crew: Helmut und Kerstin
About:
Es ist moeglich... ...man kann sich Zeit nehmen. Man kann ein etwas anderes Leben leben als das, was vorgestanzt ist. Um dies zu tun, segeln wir seit Mai 2008 gemeinsam. Wohin? Wie lange? Das entscheiden wir unterwegs ... [...]
Extra:
Die Crew: Helmut, Skipper Jahrgang 1951. Wollte schon mit 20 um die Welt segeln. Und tut dies nun seit gut 15 Jahren. Ruhig, norddeutsch und durch kaum etwas zu erschüttern. Ein guter Ausgleich zur Crew: Kerstin, Jahrgang 69. Stand erst mit knapp 30 zum erstenmal auf einer [...]
Lop to's Photos - Main
Eigentlich wollten wir die Insel auf der der Pfeffer waechst urspruenglich an Steuerbord liegen lassen. Mauritius -Reunion -Suedafrika hiess der Plan A. Plan B liess uns auf Reunion verzichten jnd statt dessen nach Madagaskar segeln. Zuviel Positives hatten wir von Freunden gehoert, die bereits vor Monaten hier angekommen sind. Und was sollen wir sagen? We love it! Madagaskar, eins der schoensten Laender unserer Reise. Seht selbst....
174 Photos
Created 12 September 2015
Unsere zweite "afrikanische" Insel. Zuckerrohr, Tourismus, wunderschoene Natur und ein Strassenbild irgendwo zwischen Indien und Mittelmeer. Juli 2015
74 Photos
Created 17 July 2015
Inmitten des Indischen Ozeans, eine Handvoll kleiner Atolle. Man benoetigt ein eigenes Boot und eine Besuchserlaubnis der British Indian Ocean Territory Administration um Chagos besuchen zu koennen. 2015 besuchen circa 45 Schiffe das Archipel. Das macht 120 -200 Besucher in 365 Tagen. Wir sind zwei von ihnen. Und gluecklich diesen Ort gesehen zu haben. April 2015
81 Photos
Created 17 June 2015
Afrikas oestlichste Insel. Ein Paradies und einer der schoensten Plaetze unserer Reise. Mai-Juni 2015.
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Created 17 June 2015
Maerz-April 2015
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Created 17 April 2015
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Created 27 January 2015
August 2014
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Created 13 August 2014
August 2014
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Created 7 August 2014
Juli 2014
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Created 20 July 2014
Juli 2014
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Created 5 July 2014
Juni 2014
97 Photos
Created 17 June 2014
Juni 2014
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Created 3 June 2014
Around the world...
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Created 17 May 2014
Bilder vom Hauptdarsteller unserer Reise. LOP TO macht unsere Reise moeglich. Sie ist Zuhause, Transportgeraet, Hobby, Rueckzugsort und unsere Lebensversicherung auf See. Kein anderes Schiff moechten wir unter den Fuesen haben...
12 Photos
Created 9 March 2014
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Created 24 February 2014
Februar 2014 bis .....
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Created 18 February 2014
November 2014 bis....
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Created 21 November 2013
Im Camp Leakey wird versucht einstmals gefangene Orang Utans wieder auszuwildern. Wir besuchen Nationalpark und Camp im Oktober 2013.
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Created 16 October 2013
Panasia Paradise Louisiaden, Papua New Guinea Juli 2013
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Created 8 September 2013
100 sm noerdlich von Neukaledonien liegt ein Paradies der besonderen Art - bewohnt lediglich von tausenden von Voegeln und Krabben, einsam, ruhig und unendlich schoen! Juli 2013
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Created 8 September 2013
Tierportraits
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Created 6 September 2013
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Created 6 September 2013
Juli - Oktober 2013
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Created 4 September 2013
Mai - Juli 2013
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Created 4 September 2013
North and South Island.
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Created 21 June 2013
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Created 11 March 2013
Californien, Arizona, Nevada. April 2012
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Created 12 May 2012
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Created 25 March 2012