03/10/2009, Vanuatu - Malekula - Maskelynes
Bild: Chief Sunday, 2. v.r. führt uns den langen normalen Weg zur Kirche Am Sonntagmorgen herrscht ab 8.00 Uhr lebhafter Kanu- und Bootsverkehr zum Anlandeplatz auf Malekula, wir wundern uns ueber die festlich gekleideten Menschen und vermuten, dass sie auf dem Weg in die Kirche sind. Um 9.00 Uhr soll der "Service" (Gottesdienst) beginnen, das ist ja noch zu schaffen, dass wir mal mitgehen. Weit kann die Kirche ja nicht entfernt sein, denn es ist ja bereits 10 Minuten vor 9.00 Uhr. Wir machen uns sonntagsfein und fahren mit dem Dingi zum Anladeplatz der Kanus. In Erwartung, dass wir bis zum Dorf und der Kirche nur ein paar Schritte zu laufen haben, folgen wir einem der Chiefs mit Namen Sunday. Brav trotten wir auf dem schmalen Pfad hinter ihm her durch den Tropenwald. Nach einer Viertelstunde Fussweg fragt Helmut ihn etwas verunsichert, wie weit es denn noch ist. "Na, so eine gute Stunde bis anderthalb haben wir noch zu laufen", ist die Antwort. Das darf doch nicht wahr sein, da haben wir uns bestimmt verhoert. Es ist mittlerweile 9.30 Uhr und die Kirche sollte um 9.00 Uhr losgehen. Unglaublich aber wahr, wir laufen und laufen, durch Tropenwald, Palmenwald, am Sandstrand entlang, ueber scharfkantige, bruechige Felsvorspruenge und glitschige, spitze Riffplatten am Strand, hinter jeder Biegung oeffnet sich eine neue Bucht, die zugegebenermassen wunderschoen aussehen. "Also gut, dann machen wir heute eben eine Wanderung und gehen nicht in die Kirche", beschliessen wir. Doch nach einer eineinhalb stuendigen Wanderung erreichen wir endlich das Dorf Hokai, es ist mittlerweile 10.30 Uhr und Kirchenbesucher aus fuenf Doerfern im Umkreis von bis zu 15 km sind eingetroffen. Sie haben ihre guten Sonntagskleider im Rucksack dabei und ziehen sich um, denn so verschwitzt, wie wir sind, geht man nicht in die Kirche. Wir haben natuerlich nichts zum Umziehen dabei, aber unser Deo wird uns schon nicht im Stich lassen. Die Maenner tragen weisse Hemden mit mehr oder weniger schoenen Krawatten. In der presbyterianischen Kirche sitzen die Maenner links und die Frauen rechts. Die Kirchgaenger sitzen bis auf den Vorplatz hinaus, so ist das jeden Sonntag, sagt man uns. Unser Horber Pfarrer Weiss haette seine helle Freude daran. Mit viel Gesang geht der Gottesdienst los, es wird Bislama gesprochen und gesungen. Wir verstehen zwar nichts, aber da Bislama leicht zu lesen ist und die Melodien im Gospelsound sind, singen wir kraeftig mit. Bislama ist ein Pidgin Englisch, das mit ca. 2500 Worten auskommt. Mit etwas Phantasie kann man geschriebenes Bislama sogar verstehen, wenn man es so ausspricht, wie es geschrieben ist. Ein paar Beispiele: Kip Luganville klin - halte Luganville sauber; gudafternun - Guten Tag; Mi no toktok Bislama - Ich kein sprechen Bislama; Wanem nem blog yu? - What name belong you? - Wie heisst du? Mit einem "tank yu tumas - Danke sehr, zaubert man immer ein strahlendes Laecheln in die Gesichter. Waehrend des zweistuendigen Gottesdienstes wird das Abendmahl an alle Kirchenbesucher gereicht, die Hostien sind kleine Keksstueckchen und statt Wein gibt es roten Himbeersaft in einem kleinen Plastikfingerhut. Zum Schluss des Gottesdienstes verlaesst der Pfarrer als erstes die Kirche und wir werden aufgefordert ihm zu folgen. Mit Handschlag verabschieden wir uns von ihm und muessen uns dann neben ihn in eine Reihe stellen und schuetteln nun a l l e n, wirklich allen Gottesdienstbesuchern zum Abschied die Hand. Sehr unterwuerfig, ohne Blickkontakt aufzunehmen gehen sie mit einem gemurmelten "God bless you" und einem Haendedruck an uns vorbei, wie bei einem grossen Staatsempfang. Wir werden noch zum Lunch (Mittagessen) eingeladen, das wir aber angesichts der fortgeschrittenen Zeit ablehnen muessen. Alle anderen auswaertigen Gaeste essen selbstverstaendlich bei Freunden oder Verwandten, denn fuer den Nachhauseweg muessen sie ja eineinhalb Stunden Fussweg und mindestens eine Stunde mit dem Kanu oder Motorboot einkalkulieren. Da ist es gut, wenn man etwas gegessen hat. Marja und wir wollen Axel, der an Bord geblieben ist, nicht so lange im Ungewissen lassen, denn eigentlich wollten wir ja nur mal fuer eine Stunde in die Kirche gehen und sind jetzt fast 5 Stunden unterwegs gewesen. Unglaublich, zuhause in Horb sind wir nicht mal die Viertelstunde bis in die evangelische Kirche gelaufen, da ist man mit dem Auto gefahren.
02/10/2009, Vanuatu - Malekula - Maskelynes
Bild: Das Familienauslegerkanu unter Segel Von der Sandwichbay bis nach Awai in den Maskelynes Islands ist es nur ein "Katzensprung" von 3 Stunden. Schon nach 7 Meilen gegen Wind und Welle geht es zwischen den Riffen hindurch in ruhigem Wasser weiter nach Westen. Mehrere kleine Inseln mit vielen Ankermoeglichkeiten, einem Paradies fuer Segler, gruppieren sich um die Suedspitze von Malekula. Der Ankerplatz ist eingebettet zwischen Awai Island, dem Riff und Malekula, ein Ankerplatz wie wir ihn lieben, kein Schwell, tuerkisblaues Wasser, Riffe zum Schnorcheln und Einheimische, die uns freundlich zuwinken. Wie wir es schon gewohnt sind, kommen als erstes die Kinder mit den Auslegerkanus ans Schiff heran und fragen die Standardsaetze in Englisch, die sie in der Schule gelernt haben. Als "Belohnung" fuer ihren Mut, uns anzusprechen, verschenken wir Lutscher, Stifte, T-Shirt und allerlei Kleinigkeiten. Mit einem Strahlen im Gesicht ziehen sie weiter. Auf der Insel lebt eine Familie, die ihre "Gaerten" auf Malekula hat und die auch zum Fischen mit dem Kanu zum Riff hinausfahren.
01/10/2009, Vanuatu - Malekula
Bild: Glückliche Schweine
01. + 02.10.: Am Morgen nach der Tsunami Warnung wird ueber SSB Radio auf 10090 KHz, dem Winfried- Wetternetz ausfuehrlich berichtet, dass es grosse Schaeden in Samoa, das am staerksten betroffen war, gegeben und dass es nach vorsichtigen Schaetzungen 150 Todesopfer gegeben hat. Aus Tonga berichtet die TO-Stuetzpunktleiterin Elke ueber einen starken schnellwechselnden Flut- und Ebbestrom in der Blue Lagoon und in der Lagoone vor Neiafu. Wir waren gluecklicherweise bis auf die nervliche Anspannung und Ungewissheit, ob noch Nachbeben kommen, nicht betroffen. Die Einheimischen auf der Insel Uri, hinter der wir geschuetzt vor Anker lagen, waren auch informiert gewesen, es wurden aber keine Evakuierungsmassnahmen vorgenommen, sie berichteten lediglich, das das Niedrigwasser am Morgen ungewoehnlich niedrig war, also Wasser abgezogen worden war. Da der Wind aus SE in den naechsten Tagen eher staerker werden soll, bolzen wir unter Motor bei 10-15 Knoten Wind nach Sueden gegenan bis in die Sandwichbay, in der wir bereits vor 4 Wochen schon mal einen Stopp eingelegt hatten. Im Dorf Lamap werden sehr viele Schweine gezuechtet, sie streunen unter den palmen herum, fressen Kokosnussfleisch und laufen einem staendig ueber den Weg. Da bleibt es nicht aus, dass wir zusammen mit Axel und Marja ein kleines Schwein kaufen und teilen. Metzgereien wie bei uns in Deutschland gibt es in Vanuatu nur in den drei grossen Staedten und so muss man halt umdenken und die Fleischversorgung anderweitig sicherstellen. Puenktlich um 9.00 Uhr wird am naechsten Morgen das frisch geschlachtete, bratfertige Schwein geliefert, es muss nur noch in Portion geschnitten und vakuumiert werden. Jetzt sind wir fuer die naechsten Tage erstmal reichlich gut versorgt. Ein Besuch bei der Familie von Ezekiel, die uns vor vier Wochen so reichlich mit Gemuese und Obst beschenkt hatten, steht auf dem Programm. Wir bedanken uns mit einem grossen Stueck Mahi Mahi, den wir unterwegs an die Angel bekommen haben. Ein Fisch von 1 Meter Laenge ist einfach zuviel Fisch fuer 2 Personen. Ezekiel ist hocherfreut und strahlt uebers ganze Gesicht. Grosse Seefische sind etwas Besonderes, die koennen mit den kleinen Auslegerkanus naemlich nicht gefangen werden. Er bittet uns, am naechsten Tag noch mal vorbeizukommen und laesst es sich nicht nehmen, uns auch diesmal wieder reichlich mit Obst und Gemuese zu beschenken und bewirtet uns mit frisch gepresstem Pampelmusensaft. Ihm wirklich etwas schenken, geht eigentlich nicht, er gibt immer etwas zurueck. Mit einem Gebet in Bislama Sprache verabschiedet er uns mit allen guten Segenswuenschen auf unsere Reise.
