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SY Nuku'alofa auf grosser Fahrt
Tomatenschwemme
Renate
06/10/2009, Vanuatu - Efate

Bild: Tomatensaison, es gibt sie bergeweise, daneben das blankgescheuerte Geschirr in der offenen Kueche Nach sooo vielen Segenswuenschen musste der Nachttoern bei Vollmond, leichten 15 Knoten Ostwind und fast glatter See ja schnell und entspannt ablaufen. Bis nach Havanna Harbour im Norden von Efate sind es 72 Seemeilen und beim ersten Sonnenlicht stehen wir an der Einfahrt. Wie ein grosser Binnensee liegt die von Moso und Lelepa Island vollstaendig geschuetzte Bucht vor uns. Am angesteuerten Ankerplatz (Sema) bleiben wir zusammen mit der Tuulivei die einzigen Yachten. Die Ruhe am Ankerplatz wird lediglich morgens und abends durch die Motorboote, die die Bewohner von Moso Island auf die Hauptinsel Efate transportieren, unterbrochen. Wir liegen ganz genau in der Fahrroute. Man geht entweder zum Arbeiten in ihre Gaerten oder faehrt mit dem Sammel - Pickup ins 30 Minuten entfernte Port Vila zum Markt, um dort die Gartenertraege und handgewebten Bastmatten zu verkaufen. Morgens weckt uns das Vogelgezwitscher in den nahen Mangroven, mehrere Schildkroeten strecken hin und wieder neugierig ihre Koepfe aus dem Wasser. Helmut ist sich sicher, dass ein brauner Ruecken und der dazugehoerige Kopf mit der seitlich sichtbaren Flosse keine Schildkroete sondern eine Seekuh (Dugong) war. Bis wir allerdings den Fotoapparat schussbereit haben, sind alle schon laengst wieder abgetaucht. Die Leute von Moso Island machen auf dem Nachhauseweg bei uns halt und bieten uns grosse Mengen Tomaten an, allerdings gegen Bargeld, vorbei ist es mit dem Tauschen, wir sind zurueck in der Zivilisation, wo man mit Geld in der Stadt alles kaufen kann. Meine "uebriggebliebenen Tauschwaren" verschenke ich an John und Alice, die 5 Kinder haben, die koennen's sicher brauchen. John ist auf dem Weg in seinen Garten, Alice verkauft in Port Vila auf dem Markt die selbst angebauten Produkte und auch Bastmasten. Havanna Harbour war bis zum Preisverfall der Baumwolle und einer Duerreperiode der wichtigste Hafen in Efate, weil er viele sichere Ankerplaetze bot. In den 70iger Jahren des 19. Jahrhunderts zogen sich dann die Baumwollhaendler und Plantagenbesitzer aus dem stark malariaverseuchten Gebiet nach Port Vila zurueck, das zum bevorzugten Hafen wurde. Eine kurze Bluetezeit erlebte der Bereich waehrend des 2. Weltkriegs, als die amerikanische Pazifikflotte hier stationiert wurde um angreifende japanische Schiffe abfangen zu koennen. Seither geht es hier ruhig und beschaulich zu.

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Langer Kirchgang
Renate
03/10/2009, Vanuatu - Malekula - Maskelynes

Bild: Chief Sunday, 2. v.r. führt uns den langen normalen Weg zur Kirche Am Sonntagmorgen herrscht ab 8.00 Uhr lebhafter Kanu- und Bootsverkehr zum Anlandeplatz auf Malekula, wir wundern uns ueber die festlich gekleideten Menschen und vermuten, dass sie auf dem Weg in die Kirche sind. Um 9.00 Uhr soll der "Service" (Gottesdienst) beginnen, das ist ja noch zu schaffen, dass wir mal mitgehen. Weit kann die Kirche ja nicht entfernt sein, denn es ist ja bereits 10 Minuten vor 9.00 Uhr. Wir machen uns sonntagsfein und fahren mit dem Dingi zum Anladeplatz der Kanus. In Erwartung, dass wir bis zum Dorf und der Kirche nur ein paar Schritte zu laufen haben, folgen wir einem der Chiefs mit Namen Sunday. Brav trotten wir auf dem schmalen Pfad hinter ihm her durch den Tropenwald. Nach einer Viertelstunde Fussweg fragt Helmut ihn etwas verunsichert, wie weit es denn noch ist. "Na, so eine gute Stunde bis anderthalb haben wir noch zu laufen", ist die Antwort. Das darf doch nicht wahr sein, da haben wir uns bestimmt verhoert. Es ist mittlerweile 9.30 Uhr und die Kirche sollte um 9.00 Uhr losgehen. Unglaublich aber wahr, wir laufen und laufen, durch Tropenwald, Palmenwald, am Sandstrand entlang, ueber scharfkantige, bruechige Felsvorspruenge und glitschige, spitze Riffplatten am Strand, hinter jeder Biegung oeffnet sich eine neue Bucht, die zugegebenermassen wunderschoen aussehen. "Also gut, dann machen wir heute eben eine Wanderung und gehen nicht in die Kirche", beschliessen wir. Doch nach einer eineinhalb stuendigen Wanderung erreichen wir endlich das Dorf Hokai, es ist mittlerweile 10.30 Uhr und Kirchenbesucher aus fuenf Doerfern im Umkreis von bis zu 15 km sind eingetroffen. Sie haben ihre guten Sonntagskleider im Rucksack dabei und ziehen sich um, denn so verschwitzt, wie wir sind, geht man nicht in die Kirche. Wir haben natuerlich nichts zum Umziehen dabei, aber unser Deo wird uns schon nicht im Stich lassen. Die Maenner tragen weisse Hemden mit mehr oder weniger schoenen Krawatten. In der presbyterianischen Kirche sitzen die Maenner links und die Frauen rechts. Die Kirchgaenger sitzen bis auf den Vorplatz hinaus, so ist das jeden Sonntag, sagt man uns. Unser Horber Pfarrer Weiss haette seine helle Freude daran. Mit viel Gesang geht der Gottesdienst los, es wird Bislama gesprochen und gesungen. Wir verstehen zwar nichts, aber da Bislama leicht zu lesen ist und die Melodien im Gospelsound sind, singen wir kraeftig mit. Bislama ist ein Pidgin Englisch, das mit ca. 2500 Worten auskommt. Mit etwas Phantasie kann man geschriebenes Bislama sogar verstehen, wenn man es so ausspricht, wie es geschrieben ist. Ein paar Beispiele: Kip Luganville klin - halte Luganville sauber; gudafternun - Guten Tag; Mi no toktok Bislama - Ich kein sprechen Bislama; Wanem nem blog yu? - What name belong you? - Wie heisst du? Mit einem "tank yu tumas - Danke sehr, zaubert man immer ein strahlendes Laecheln in die Gesichter. Waehrend des zweistuendigen Gottesdienstes wird das Abendmahl an alle Kirchenbesucher gereicht, die Hostien sind kleine Keksstueckchen und statt Wein gibt es roten Himbeersaft in einem kleinen Plastikfingerhut. Zum Schluss des Gottesdienstes verlaesst der Pfarrer als erstes die Kirche und wir werden aufgefordert ihm zu folgen. Mit Handschlag verabschieden wir uns von ihm und muessen uns dann neben ihn in eine Reihe stellen und schuetteln nun a l l e n, wirklich allen Gottesdienstbesuchern zum Abschied die Hand. Sehr unterwuerfig, ohne Blickkontakt aufzunehmen gehen sie mit einem gemurmelten "God bless you" und einem Haendedruck an uns vorbei, wie bei einem grossen Staatsempfang. Wir werden noch zum Lunch (Mittagessen) eingeladen, das wir aber angesichts der fortgeschrittenen Zeit ablehnen muessen. Alle anderen auswaertigen Gaeste essen selbstverstaendlich bei Freunden oder Verwandten, denn fuer den Nachhauseweg muessen sie ja eineinhalb Stunden Fussweg und mindestens eine Stunde mit dem Kanu oder Motorboot einkalkulieren. Da ist es gut, wenn man etwas gegessen hat. Marja und wir wollen Axel, der an Bord geblieben ist, nicht so lange im Ungewissen lassen, denn eigentlich wollten wir ja nur mal fuer eine Stunde in die Kirche gehen und sind jetzt fast 5 Stunden unterwegs gewesen. Unglaublich, zuhause in Horb sind wir nicht mal die Viertelstunde bis in die evangelische Kirche gelaufen, da ist man mit dem Auto gefahren.

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Seglers Lieblingsbucht Awai
Renate
02/10/2009, Vanuatu - Malekula - Maskelynes

Bild: Das Familienauslegerkanu unter Segel Von der Sandwichbay bis nach Awai in den Maskelynes Islands ist es nur ein "Katzensprung" von 3 Stunden. Schon nach 7 Meilen gegen Wind und Welle geht es zwischen den Riffen hindurch in ruhigem Wasser weiter nach Westen. Mehrere kleine Inseln mit vielen Ankermoeglichkeiten, einem Paradies fuer Segler, gruppieren sich um die Suedspitze von Malekula. Der Ankerplatz ist eingebettet zwischen Awai Island, dem Riff und Malekula, ein Ankerplatz wie wir ihn lieben, kein Schwell, tuerkisblaues Wasser, Riffe zum Schnorcheln und Einheimische, die uns freundlich zuwinken. Wie wir es schon gewohnt sind, kommen als erstes die Kinder mit den Auslegerkanus ans Schiff heran und fragen die Standardsaetze in Englisch, die sie in der Schule gelernt haben. Als "Belohnung" fuer ihren Mut, uns anzusprechen, verschenken wir Lutscher, Stifte, T-Shirt und allerlei Kleinigkeiten. Mit einem Strahlen im Gesicht ziehen sie weiter. Auf der Insel lebt eine Familie, die ihre "Gaerten" auf Malekula hat und die auch zum Fischen mit dem Kanu zum Riff hinausfahren.

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