Petra and Alfred at Sea

13 July 2020 | St. Davids Bay, Grenada
03 July 2020 | ST. Davids Bay, Grenada
17 June 2020 | Grenada, Port Louis Marina
15 June 2020 | Grenada, Anchorage St. George's
09 June 2020 | Grenada, Anchorage St. George's
05 June 2020 | Grenada, Grande Anse Bay
01 June 2020 | Le Marin, Martinique
22 May 2020 | St. Anne Anchorage, Martinique
07 May 2020
03 May 2020 | Le Marin, Martinique
14 April 2020 | Le Marin, Martinique
10 April 2020 | Le Marin, Martinique
04 April 2020 | Le Marin, Martinique
30 March 2020 | Martinique, Le Marin
27 March 2020 | Martinique, Le Marin
27 March 2020 | Martinique, Le Marin
20 March 2020 | Martinique, Le Marin
18 March 2020 | Le Marin, Martinique
10 March 2020 | Mustique

Aufgeschoben ist nicht ...

13 July 2020 | St. Davids Bay, Grenada
Alfred+Petra | Hotter than July
Leider müssen wir unsere Reise bis zum Ende der Hurricane Saison unterbrechen, unser Boot steht gut vertäut auf Grenada.
Es wird also bis dahin erst einmal keine Posts mehr geben. Wir melden uns, wenn es weitergeht.
Bleibt uns gewogen, bis dahin und alles Gute für Euch!
Alfred und Petra

Rambo

03 July 2020 | ST. Davids Bay, Grenada
Alfred | Heavy Rain Showers, hot and humid, sunny also
Rambo ist uns im Belmont Estate begegnet, einer Schokoladenfabrik auf Grenada, zu der wir mit dem Mietwagen gefahren sind. Rambo auf Grenada ist sehr intelligent und wunderschön, beides Eigenschaften, die der geichnamige Filmheld weitestgehend vermissen lässt. Deshalb hat mich die Namensgebung auch gewundert. Zu Recht, doch dazu später mehr.
Nach erfolgreichem Richten unseres Ankerschafts in der Port Louis Marina wollten wir endlich weiter. Wassertanks und Batterien waren voll, also los in die erste Bucht im Süden der Insel, denn der Plan für die nächsten Tage war "Bay Hopping". Sobald man um den südwestlichen Zipfel der Insel Point Salines herum ist, geht's gegenan. Und zwar nicht nur gegen den Ost-Passat, sondern auch gegen einen Strom, der es in sich hat. Das wussten wir aber mal wieder nicht, denn wir hatten uns zuerst einfach nur diebisch gefreut, zu segeln, und dann noch mit einem tollen Wind, Am-Wind-Kurs, barfuß, T-Shirt, Bimini gegen die Sonne, nur eine leichte Dünung. Soll ich weiterschwärmen? Wen interessiert es da noch, ob wir Kurs auf das Ziel hatten? Oder dass wir exakt in die andere Richtung segelten, in die wir eigentlich wollten? Ich werde die Problematik auf einem Hopping in eine andere Bucht ein paar Tage später noch einmal aufgreifen.
Bis zur ersten Bucht, der True Blue Bay, unserem Ziel, waren es hinter dem Point Salines noch 2 Seemeilen. Irgendwann motorten wir die dann, und suchten uns einen Ankerplatz ziemlich weit vorne in der Bucht, wo nur zwei Boote lagen, weiter drinnen war es voller. Wir tauchten den Anker nach dem Einfahren ab, und, ohje, er war dabei, eine Seegrasstaude aus dem Grund zu ziehen. Ich tauchte die 5 Meter bis zum Grund und rüttelte am Schaft. Es kam mir einigermaßen fest vor. Wie das dann immer so ist, es war später Nachmittag, und wir blieben liegen, einen anderen Platz gab es auch nicht wirklich. Und der Wind war nur moderat, sollte auch bis zum nächsten Tag nicht zunehmen; dann aber schon. Ankeralarm an und ein wenig beobachten, an Bord bleiben und sich gut zureden. Können wir beide gut. Der Anker hielt über Nacht.
Am nächsten Morgen verließ eines der beiden Boote die Bucht. Das war unsere Chance. Wir verholten, und setzten den Anker sauber in den Grund. Dann fing es an zu blasen und wir waren froh über die gute Entscheidung.
Trotzdem machten wir erstmal nur einen Dinghi-Ausflug zum True Blue Restaurant. Wir waren die einzigen Gäste, und wurden entsprechend umworben. Als wir nämlich fragten, ob man hier ein wenig spazieren gehen könne, empfahl man uns nur den Weg bis zur Bäckerei auf dem Grundstück, was nicht so schlecht war, da es dort richtiges Eis gab. Den natürlich möglichen Spaziergang in die weitere Umgebung verschoben wir dann auf den nächsten Tag, und genossen stattdessen ein richtig gutes Essen in einem tollen Restaurant. Am nächsten Tag erwanderten wir die nächsten Buchten zu Fuß, Prickley Bay und Mt. Hartmann Bay, einmal, um ein wenig zu wandern, aber auch, um eine Marina zu finden, in der wir festmachen konnten, um uns für ein paar Tage einen Mietwagen zu leihen und die gesamte Insel zu erkunden. In der übernächsten Bucht fanden wir dann die Secret Harbour Marina, die uns sofort äußerst gut gefiel. Auf dem Rückweg trafen wir unsere Nachbarn aus der Ankerbucht. Eine junge Familie, er aus USA, sie aus Brasilien, mit einem dreijährigen sehr lebendigem Jungen. Sie hatten den Lockdown in der True Blue Bucht vor Anker verbracht haben; drei Monate am selben Ankerplatz. Hier gibt es alles, was wir benötigen, meinten sie. Tatsächlich war ein Strand in der Nähe, wo sie mit ihrem Jungen häufig spielten. Sie berichteten über bzw. schwärmten von ihrer Segelreise die sie von Sao Paulo die brasilianische Küste hoch bis in die Karibik geführt hatte. Ein weiteres Pärchen, die wir vorher noch in Port Louis getroffen hatten, hatten diesen Küstenabschnitt ausgelassen. Sie kamen direkt aus St. Helena, einer Insel mitten im Südatlantik. Mit diesem vierwöchentlichen Trip beendeten sie ihre fünf Jahre dauernde Weltumsegelung. Wir waren die ersten, die sie beglückwünschen konnten. Petra fragte sie, welche drei Dinge sie am wichtigsten fanden, um solch eine Reise zu unternehmen. Sie konnten das nicht spontan sagen, und schrieben uns eine mehrseitige E-Mail. Beeindruckend. Wir sind eigentlich ganz gut unterwegs, aber eine Ersatz-Ankerwinsch haben wir noch nicht dabei.
Die Brasilienreisenden gaben uns auch noch einen anderen wichtigen Tipp, eine Mikro-Brauerei läge auf dem Weg, mit dem schönen Namen West Indies Brewery, die sollten wir nicht auslassen. Was wir auch nicht taten. Unzählige Biersorten und leckeres Essen. Ich trank ein "Kolsch", Petra probierte 4 verschiedene Sorten und musste dann dem Braumeister berichten, welche ihr am besten schmeckte. Schön, dass so etwas wieder möglich ist, natürlich mit Fieber messen vorher und Social Distancing und Desinfektionsmittel am Eingang und auf jedem Tisch. Ja sogar seinen Namen und seine Adresse auf Grenada wird notiert - statt App. Dies wird hier auf Grenada tatsächlich in jedem Restaurant so praktiziert.
Wir verholten also in die übernächste Bucht, Prickley Bay gefiel uns nicht so gut von Land aus, also die Mt. Hartmann Bay, in der wir in der Secret Harbour Marina am Steg festmachten. Wir wollten ja mit dem Mietwagen die Insel erkunden, da ist es gut, dass Boot sicher in der Marina zu wissen.
Die Sehenswürdigkeiten der Insel, die wir besuchten, werden viel besser in den diversen Reiseführen beschrieben, Wasserfälle, Seen, Urwald, Affen, Kakaofabriken, Muskatnussfabriken, Rum-Destillerien, das Fort in St. Georges und St. Georges selbst. Haben wir uns alles angeschaut und war spannend und interessant. Worauf wir uns aber richtig freuten war ein Restaurant/Hotel im hohen Norden der Insel, das Petite Anse Hotel, das uns Annemarie und Volker ans Herz gelegt hatten, und nur auf kleinsten Straßen zu erreichen war. Das hatte nun ausgerechnet geschlossen. Eine beeindruckende Anlage. Wer mal richtig einsam und romantisch Urlaub machen möche, dort geht das. Lustig war eine Begegnung mit Einheimischen, die am Sonntag ihr Familienfest direkt am Meer an der Straße feierten. Wir hielten dort, weil es eine gute Aussicht versprach und wurden prompt sofort angesprochen und eingeladen. Petra musste einen Rumpunsch trinken, ich konnte mich mit Autofahren rausreden (es war 12:00 Uhr mittags) und bekam ein Malzbier. Dann rief unser netter Gastgeben seine Tante in Bremen an, und ich sprach mit ihr. Sagte ihr, dass Werder es ja jetzt doch in die Relegation geschafft hatte, worüber wir beide sehr glücklich waren. 6: 1 gegen Köln. Wahnsinn.
Vielleicht sind wir deshalb so gut über den Frust mit dem Restaurant hinweggekommen, vor allem Petra. Jetzt brauchten wir allerdings etwas zu essen. In Sauteurs, der größten "Stadt" im Norden, waren alle Bars und Restaurants dicht. Wir wollten uns trotzdem noch den Levera-Strand anschauen, einer der drei schönsten Strände lt. Jörg Weltreisender im Internet. Nach einem mutigen Versuch, eine Abkürzung zu fahren, die natürlich fehlschlug, kamen wir nach vielen weiteren Kurven am Bathway-Strand kurz vor dem Levera-Strand an. Was war das? Hunderte Autos, Imbissbuden, Bars, alle Grenadiner schienen hier versammelt. Keiner mit Maske, Grenada ist zwar seit Ende Mai Covid-19 frei, aber das war dann doch ungewohnt. Wie in Scharbeutz Mitte Juli! Jedenfalls bekamen wir was Leckeres zu Essen, Roti Chicken. Zum Levera-Strand kamen wir nicht mehr, die Straße dorthin war verstopft und nach einer Viertelstunde Stillstand mitten im Gedränge und einigen netten Begegnungen mit der leicht alkoholisierten Jugend Grenadas beschlossen wir uns auf den Rückweg zu machen.
Dass wir diese Autofahrten überlebt und dabei ohne größere und sogar kleinere Karambolagen überstanden hatten, grenzte ein wenig an ein Wunder. Linksverkehr, keine Mittelstreifen, Wassergräben am Straßenrand, Breite der Straßen oft so, dass keine zwei Autos nebeneinander passen, 64 km/h erlaubte Geschwindigkeit in Dörfern, und dazu grenadinische Autofahrer, die diese Geschwindigkeit locker um 20 km/h überschreiten. Immer und überall.
Ach ja, Rambo sind wir ja noch begegnet. Allerdings nicht auf der Straße, sondern in der Kakaofabrik Belmont Estate. Obwohl wir nur zu zweit waren, bekamen wir eine ausführliche Führung. Auf einem der wunderschön angelegten Wege rief unsere Kakaoexpertin plötzlich "Rambo", und ein "Rambo" wurde zurückgerufen. Dann ein "All right" und ein "Hello". Ein besonders intelligenter kleiner Papagei machte die tollsten Sachen. Er lachte uns aus. Ich fragte dann, wie er zu dem Namen Rambo gekommen sei, die Frau lachte und sagte: "Nein, nicht Rambo, Rainbow." Das passte besser. Die Rambos hat man dann doch eher auf der Straße angetroffen.

Soll ich noch von Monica erzählen? Die seit 30 Jahren auf Booten lebt, und nun seit zwei Jahren in Secret Harbour auf dem Boot ihres "Bosses" lebt, einem 78-jährigen New Yorker, der es wahrscheinlich gar nicht mehr nach Grenada schafft? Ihre Geschichte wäre ein eigenes Buch, sie hat sie uns einen Abend lang nahe gebracht. Sie hat uns aber vor allem geholfen, den Landstrom zu bekommen, und uns abends das Tor geöffnet. Beides war super-nett.
Was aber noch erwähnt werden muss, ist unser nächstes Bay-Hopping eine Bucht weiter östlich nach Clarkes Court Bay. Eine ganze Seemeile weiter östlich. Wir wollten mal wieder segeln, und diese kurze Strecke konnte ja selbst kreuzend kein Problem sein. Trotz unserer Erfahrung, über die ich anfänglich berichtete. Also Segel hoch, der Passatwind blies sehr moderat, eher Bft 4 als 5. Wir schafften aus der Mt. Hartmann-Bucht heraus einen Kurs glatt Süd. Nun, der Eingang der nächsten Bucht lag aber im Osten, da fehlten dann mal glatt 90°. Nachdem wir etwas Seeraum weg von der Küste gewonnen hatten, so eine Meile, wendeten wir. Nordkurs, bzw. eigentlich NNW. Wir segelten zurück! Ich traute meinen Augen nicht, als ich auf die GPS-Kurslinie auf dem Plotter schaute, denn der Bug zeigte so halbwegs in die richtige Richtung. Welch eine gigantische Abdrift! Strömung ohne Ende! So schnell wollten wir dann aber doch nicht aufgeben, wir trimmten besser, vergrößerten die Segelfläche, segelten nicht mehr so weit von der Küste weg, und - schwupp-di-wupp, bereits nach der siebten Wende hatten wir Helden gleich die eine Seemeile geschafft.
Clarkes Court Bay kannten wir ja schon von unserem ersten Besuch im Januar mit Ute und Uwe. Phare Bleu hatte uns damals sehr gut gefallen, eine kurze Dinghi-Fahrt entfernt, mit einem tollen Restaurant und einem kleinen Lebensmittelladen, bzw. einem Fleischerfachgeschäft. Am Dienstag war geschlossen, muss man nicht wissen, hätte man aber wissen können und machte auch nichts, wir entschädigten uns mit einem kleinen Spaziergang in die umliegenden Hügel. Am nächsten Tag fuhren wir dann nochmal hin, trafen uns mit unseren kanadischen Nachbarn aus der Quarantänezeit, mit denen wir Adressen ausgetauscht hatten. Und kauften Beef-Tournedos mit Speckmantel.
Apropos Kanada: wir haben jetzt einen schönen Air Canada Voucher und fliegen über Martinique nach Paris und Frankfurt. Ein Chaos. Aber darüber berichten wir vielleicht im nächsten Post.

Wieder frei (fast)

17 June 2020 | Grenada, Port Louis Marina
Alfred | Showers, Gusts
Nur kurz: Covid-19 Kurztest war erwartungsgemäß bei uns beiden negativ, wir sind sogar schon am Dienstag getestet worden. Vor dem Immigration Office war dann aber eine so lange Schlange, dass wir erst am Mittwoch (nach 13 Tagen) in Grenada einklariert haben. Beim "Anker-Auf"- Manöver haben wir dann den Ankerschaft total verbogen, die Kette ließ sich noch von dem diversen Steinen lösen, der Anker verklemmte sich bei dem Versuch des senkrechten Hochziehens aber immer besser an der Felskante (Foto siehe Galerie). Als Lösung bot sich seitliches Heraushebeln an, das führte dann zu dem starken Verbiegen des Schafts. Immerhin. Er hätte auch bei viel Wind gut gehalten. Wir haben schon eine Schweißwerkstatt gefunden, die ihn uns wieder richtet. Wir hätten den Schaden am einfachsten vermeiden können, wenn wir den Anker kurz vor dem Manöver tauchend aus der Kante herausgezogen hätten. Waren wir aber zu faul zu. Nächstes Mal.
Wir sind aufgrund der Wettervorhersage und des defekten Ankers (obwohl - unseren Serienanker schleppen wir auch noch mit, wir wären also ankerfähig. Wie wir jetzt erfahren haben, keine so schlechte Idee!) doch zuerst in die Edelmarina Port Louis gefahren. Es schauerte ordentlich, und die Marinieros haben geflucht.

Jetzt fühlen wir uns so frei und sicher. Fast so wie in Sæby oder Ballen. Irgendwie war die Quarantäne und das Ankern doch ein wenig belastend.

Quarantäne, Tag 11

15 June 2020 | Grenada, Anchorage St. George's
Alfred
Es gibt zwei Situationen, die liebe ich besonders: morgens, wenn ich aufstehe und in das Cockpit gehe, wundere ich mich über die Schönheit des Meeres und der Küste. Eine Form von Begeisterung vertreibt die Müdigkeit. Wo bin ich hier? Wie kann das sein, dass alles um mich herum so schön aussieht? Die Andere ist ein Schauspiel, das jeden Abend mit kleinen Variationen in Farbe und Form neu aufgeführt wird. Mal ist der ganze Himmel rosa und orange und die Sonne schon früh hinter Wolken verschwunden, ein anderes Mal versinkt die rote Sonne im Meer (wie auf Capri), dann wieder türmen sich gewaltige Wolken auf, die durch die Sonne eine tiefe lila Färbung erhalten.
Zwischen diesen beiden Sensationen morgens und abends genießen wir das Leben, indem wir einen Mix aus Aktivität und Chillen abstimmen. Die Nahrungsaufnahme nimmt dabei einen nicht unerheblichen Teil der Zeit ein. Entweder es gibt ein Omelette mit einer Vielzahl von Zutaten, die natürlich zubereitet, sprich klein geschnitten werden wollen, oder eine Variation von Obst, was ebenfalls ein recht zeitaufwendiges Zubereiten bedeutet. Oder Beides. Danach wird das Boot klargemacht und auch Captain und Crew bereiten sich auf den Tag vor. Es gilt das Motto: bereit zum Ablegen bzw. in diesem Falle zum "Anker-auf" gehen muss innerhalb einer Stunde möglich sein. Sowieso: Ordnung, Disziplin und Seemannschaft werden hochgehalten , ist doch klar.
Deshalb hören wir auch jeden Morgen die Funkrunde, eine sehr gut organisierte Informationsveranstaltung in Eigenregie der Segler auf Grenada. Themen sind natürlich das Wetter, aber auch Kulturveranstaltungen, geschäftliche Aktivitäten, neue Mitglieder, ein kleiner Flohmarkt, auch jede Art von Frage darf gestellt werden. Man fühlt sich gut aufgehoben und nicht so allein.
Inzwischen ist es so heiß, dass ein Bad unumgänglich wird. Trotz Aufenthalt im Wasser für mindestens eine halbe, oft eine Stunde - Petra berichtete ja bereits über unseren kleinen Freund und die Ankertauchgänge, ich könnte noch die Bootsreinigungen ergänzen, mit denen wir es schaffen, mit Bürste und kurzen Schnorchel-Tauchgängen das Unterwasserschiff recht gut frei von Bewuchs zu halten; Und der ist heftig, schnell und intensiv hier; trotz Antifouling - ist der Abkühlungseffekt gering. Fast immer geht ein recht kräftiger Wind. Mit offenen Liken kühlt der ein wenig, und es ist für eine Zeit auszuhalten. Bis zum nächsten Bad.
In dieser Zeit erledigen wir entweder wichtige oder sogar notwendige administrativen Aktivitäten, wie Planung von Bootsreparaturen oder Optimierungen, Vorbereitungen unserer Deutschlandreise und des Aufenthaltes dort, oder auch Arbeiten am Boot, meist Wartungs- und Reinigungsarbeiten (rust never sleeps), aber auch kleinere Reparaturen (die Garderobenhalterung, der Ventilhebel). Gestern haben wir ca. drei Stunden damit zugebracht, unser Flüge zu buchen. Hoffentlich klappt's dann auch.
Chillen: Lesen, Musik machen und hören, Schlafen (ja, am Tage, es ist heiß, Siesta). Dann ist es meist auch schon 17:00 Uhr, Zeit für die Bordgymnastik, 7 Übungen, Liegestütz und Planking sind die Favourites. Dabei entwickelt sich der Sunset, siehe oben.
Abendessen: da wir so viel frisches Gemüse gekauft haben, müssen wir immer kochen. Und Schnippeln. Und Abwaschen. Wer da nicht ein kontemplativ-meditatives Verhältnis zu diesen Tätigkeiten entwickelt, ist verloren. Der Tag klingt typisch aus wie bei vielen Leuten in dieser Zeit: Spiele spielen, Musik machen oder einen Film gucken. Sonntags gibt's immer Tatort. Oder Polizeiruf 110. Die letzten Folgen waren alle ziemlich gut.
Und dann kommt auch schon wieder die nächste Funkrunde. Gibt's was Neues? Ja, am Mittwoch werden wir auf Corona getestet, erst ein Kurztest, er dauert nur 15 Minuten. Wenn negativ, dürfen wir einklarieren. Wenn positiv - was wir natürlich nicht hoffen, kommt ein PCR-Test, der bis zu 36 Stunden bis zur Ergebnis-Bekanntgabe benötigt. Falls negativ, Einreise nach Grenada. Falls positiv?
Mittwoch ca. 10:00 Uhr wissen wir mehr.

Ein kleiner gelber Freund

09 June 2020 | Grenada, Anchorage St. George's
Petra | sunny, cloudy and rainy
Es ist inzwischen der 5. Tag unserer Quarantäne vor Anker. Gestern hatte ich ein ganz besonderes Erlebnis, als wir mal nach dem Anker geschnorchelt sind. Wir prüfen jeden Tag, wie die Ankerkette und der Anker liegen, weil wir hier sehr schlechten Ankergrund haben - steinig, hart, voller alter abgebrochener Korallen. Der Anker ist also nicht schön in weichem Sand eingegraben, sondern liegt auf einem harten Untergrund, etwa 2-3 cm der Spitze liegen hinter einer Stein- oder Korallenrestplatte. Dafür schlängelt sich die Ankerkette um verschiedene kleine und größere Steine, die uns Halt geben. Wenn der Wind das Boot wegdrückt, ist der Hauptwiederstand der Kette an diesen Steinen und kommt trotz starken Zugs bei einer Drehzahl von 2500 des Motors im Rückwärtsgang nicht beim Anker an. Kurz gesagt, die Ankerkette hält das Boot und der Anker bewegt sich kein bisschen. Wir können also beruhigt schlafen. Nach dieser Aktion schnorchele ich noch ein wenig herum, um mir die Fische anzusehen, die hier auf dem Meeresboden leben. Kurz vor dem Boot schwimmt plötzlich ein kleiner silber-gelber Fisch ganz nah bei mir - er ist ca. 4-5 cm lang und von einem knallgelben Streifen vom Scheitel bis zur Schwanzflosse umrahmt. Ständig schwimmt er um mich herum. Ich versuche mich ganz langsam zu bewegen. Fast kann ich ihn anfassen - so als würde er darauf warten, gestreichelt zu werden. Als ich ihn beinahe berühre, bewegt er wieder seine kleinen, zarten Flösschen, um gerade so weit fortzuschweben, dass der Sicherheitsabstand von 5-10 cm gewahrt wird. Er umrundet mich, schwimmt hinter mir - ich bewege meine Flossen und Arme ganz vorsichtig, um ihn wieder sehen zu können. Er bleibt bei mit, bestimmt 10 Minuten, begleitet mich schließlich bis zur Badeleiter, wo ich ihn schweren Herzens zurücklasse. Wieso macht er das? Ist er ein besonderes Tier, das sich einfach anders verhält als seine Artgenossen, die alle in der Sicherheit der Korallen und Steine auf dem Meeresgrund bleiben, weil es so neugierig und leidenschaftlich ist wie die Möwe Jonathan oder weil es nach seiner Familie sucht wie Nemo? Als ich auf die Badeplattforrm klettere, erzähle ich Alfred ganz begeistert davon. Er vermutet, dass es an meinen gelben Flossen liegen könnte. Schade, denke ich, jetzt ist er weg. Als Alfred und ich ein paar Stunden später noch einmal schnorcheln, ist er wieder da! Er schwimmt jetzt zwischen uns hin und her. Alfred traut seinen Augen kaum - es ist tatsächlich wahr! Wir haben einen neuen Freund - wie soll er heißen? Liebe Leserinnen und Leser, macht bitte Vorschläge, dann suchen wir einen Namen aus und taufen unseren kleinen Freund.
Seit wir hier sind, macht sich die Regenzeit bemerkbar - wie angenehm! Jeden Tag gibt es immer wieder viele Wolken und zwischendurch einen Schauer - wir freuen uns sowohl über die Abkühlung als auch über das Wasser, das wieder von der Bimini in unsere zwei Eimer tröpfelt. Am zweiten Tag regnete es so viel, dass beide 5-Liter Eimer voll waren und wir das Wasser zum Spülen des Geschirrs oder auch der Haare verwenden konnten. Alfred hat sich besonders darüber gefreut, dass durch den Regen das ganze Salz vom Boot gespült wurde, das sich auf der Fahrt hierher z.T. in Form von schönen Fleur de Sel-Kristallen angesammelt hatte. Da wir viel Energie brauchen, um den Wassermacher laufen zu lassen, versuchen wir sehr sparsam mit dem Wasser umzugehen. Unsere Stromlieferanten, Solarpaneele und Windgenerator erzeugen zur Zeit leider nicht genug Strom, um die Kühlschränke und den 12-Volt-Anschluss für das Laden der elektronischen Geräte wie Handies und Laptops 24 Stunden zu versorgen, Deshalb verwenden wir nur alle 1-2 Tage Süßwasser zum Duschen und trocknen das Salzwasser nach dem Schnorcheln oft einfach kurz ab.
Jeden Tag nehmen wir uns ein paar Projekte vor, schaffen aber meistens nicht alle. Heute hat Alfred z.B. dem deutschen Konsul von Grenada eine E-Mail geschrieben, um herauszufinden, welche Flüge es nach Deutschland gibt und wie wir uns in Deutschland verhalten müssen, wenn wir zurückkehren. Außerdem las er mir einige Infos vom Auswärtigen Amt vor. Wir bereiten also unseren Aufenhalt hier auf Grenada und unsere Reise nach Deutschland vor. Ich suche schon seit einigen Wochen nach Flügen, buche aber nichts, weil wir nicht wissen, ob die Flüge tatsächlich stattfinden. Unser Favorit ist zur Zeit ein Air Canada-Flug von Grenada über Toronto mit 20 Stunden Aufenthalt und einem Anschlussflug nach Frankurt. Eventuell übernachten wir in einem Hotel im Flughafen, wenn das in Transit möglich ist. Zwischendurch mache ich seit drei Tagen täglich 1-2 Stunden einen Online-Kurs im Online Teaching - für die Zeit in Deutschland. Vielleicht nutze ich diese ungewisse Zeit, in der wir noch nicht wissen, wie es weitergeht, um ein wenig Vertretungsunterricht zu machen und etwas Geld zu verdienen. Heute hat Alfred auch unseren Krantermin organisiert - den 8. Juli! Bis dahin haben wir nach der Quarantäne noch ca. 2 Wochen Zeit in den schönen Buchten im Süden der Insel zu ankern und eine Woche lang das Boot für den Landaufenthalt vorzubereiten. Nach dem Kranen wollen wir noch die Insel mit einem Mietwagen zu besichtigen.
Jetzt gibt es gleich Abendessen! Alfred hat das leckere Ratatouille aufgewärmt, das wir vorgestern gekocht haben, mit Reis und Hacksteaks - hmmmm!

Segeln!

05 June 2020 | Grenada, Grande Anse Bay
Alfred | Rainy Day!
Fast kommen ein wenig Zweifel auf. Wie manchmal nach der langen Winterpause. Können wir das überhaupt noch? Ich gebe Petra ein paar Anweisungen zum Setzen des Vorsegels: Klemme der Holeleine auf, jetzt an der Schot ziehen. Petra zweifelt an meinen Kommandos. Sie meint, es ist schon so lange her, ich wüsste das nicht mehr so richtig und sie macht es lieber so, wie sie meint. Wir albern weiter rum, sind beide in Hochstimmung. Endlich wieder segeln. So schön, wie der Passatwind uns aus der Bucht von Le Marin zieht, an unseren Schnorchel- und Dinghibadeplätzen vorbei, die umliegenden Berge können wir alle mit Namen benennen. Fast drei Monate waren wir jetzt hier.
So schön wie es trotz der Coronamaßnahmen auch war, besonders die letzte Zeit vor Anker in St. Anne, ohne Segeln ist alles nichts. Jetzt geht's wieder los, wir haben uns ganz schön was vorgenommen für den Anfang, immerhin 160 Seemeilen, eine Nacht auf See inclusive. Die Wettervorhersage ist perfekt, stetiger Passatwind aus Ost, also Halbwind, Milena Bonatti mag den am liebsten.
In den letzten Tagen hatten wir sogar mal wieder ein wenig Stress, der sich ja immer dann zeigt, wenn es Termine gibt. Und Grenada forderte einen Slot für die Einreise, wir hatten den vom 3. bis 5. Juni gewählt, mit einem ETA für den 4. Juni zwischen 11:00 und 16:00 Uhr. Bei fünf bis sechs Knoten Speed müssten wir also am 3. Juni um 10:00 Uhr ablegen. Stress auch deshalb, weil wir eine komplizierte Optimierung unserer Steuerseilführung an der Ruderanlage unbedingt in Martinique durchführen lassen wollten, da Caraibe Marin, die dortige Reparaturwerkstatt gleichzeitig eine Jefa-Vertretung war (Jefa ist der Hersteller unserer Ruderanlage). Diese Optimierung zu beschreiben, ist eine sehr technische Story für sich, und wir wollen ja über das Segeln berichten. Nur soviel: ich kam mir zeitweise vor wie "auf Arbeit", mit Skizzen am Whiteboard und endlosen Diskussionen anhand von Zeichnungen mit dem zuständigen Service-Ingenieur. Es musste eine Führungsrolle neu gedreht werden, erst passte der Innendurchmesser nicht, dann der - na? - Außendurchmesser, schließlich musste entschieden werden, das Lager der bestehenden Rolle zu verwenden oder eine Kunststoff-Lagerung zu verwenden. Immer wieder Änderungen, Backskiste ausräumen, einräumen, vom Ankerplatz zum Reparaturdock und wieder zurück, Dinghi hoch und runter. Hinzu kam natürlich parallel die Vorbereitung auf die 14-tägige Quarantäne, der wir uns vor Grenada unterziehen müssen, mit Wäsche waschen, tanken, (Wasser, Diesel und Benzin), Verproviantieren und alle elektrischen Geräte aufladen. Alles Verstauen und seefest machen. Jedenfalls sagte Gaetan, so heißt der Service-Ingenieur, am Mittwochmorgen, unserem Abreisetag zu mir, er müsse das Teil noch einmal neu drehen lassen, um 9 Uhr sei alles fertig, dann nur noch kurz einbauen, und wir könnten um 10:00 Uhr los. Wir sind dann tatsächlich um 13:00 Uhr losgekommen, womit wir eigentlich nicht mehr gerechnet hatten. Die Optimierung der Steuerseilführung war einen guten Schritt vorangekommen.
Wir segelten noch ein paar Meilen nur unter Vorsegel weiter, der Passat blies so schön mit guten 5 Beaufort von hinten, bis wir den Kurs Richtung Süd ändern mussten. Da wir uns ja auf dem Atlantik daran gewöhnt hatten, alle Segelmanöver ohne Motor durchzuführen, kamen wir auf Idee, das Groß auch ohne Motor zu setzen. Einfach 60° an den Wind gehen, Großschot etwas auf, so dass der Baum genau in Windrichtung steht, und hoch das Groß. Wie leicht und einfach das geht, vor allem, wenn man zum Schluss noch eine frisch gewartete Elektrowinsch zur Verfügung hat.
Wir kamen super voran. Meist über 7 Knoten Fahrt, so würden wir den verspäteten Start wieder gut aufholen. Zumal Petra auch sehr dafür plädiert hatte, mindestens 15 am liebsten sogar 20 Seemeilen Abstand zu den bergigen Inseln St. Lucia und St. Vincent zu halten. Das würde einen kleinen Umweg bedeuten, aber den Windschatten der Berge vermeiden, der uns wahrscheinlich stark bremsen und vielleicht sogar zu Motorfahrt zwingen würde. Das galt es natürlich zu vermeiden. 12 Seemeilen wollte auch ich in jedem Falle von den Inseln wegbleiben, um nicht in deren Hoheitsgewässer einzudringen, wir hatten da schon Geschichten gehört von Seglern, die Kontakt zur Küstenwache bekommen hatten. Aber 20 Seemeilen erschien mir dann doch übertrieben. Wir hielten dann 16 Seemeilen Abstand. Kompromisse helfen.
Petra hatte weitestgehend die Verproviantierung erledigt (ich musste ja technisch rumdiskutieren) und meinte, für das Abendessen hätte sie eine Überraschung. Der Seegang war nicht so dramatisch, vielleicht zwei Meter Welle, aber das Boot schaukelte doch ganz ordentlich. Was Petra nicht davon abhielt, alle möglichen kartoffelartigen Gemüse im Cockpit aufzuschichten und klein zu schneiden. Dann verschwand sie damit in der Kombüse, nach einer Weile stieg mir ein wundervoller Duft in die Nase, fast so, als würde ich an einem Thüringer Bratwurststand vorbeigehen. Es gab Kartoffelgemüse mit Bratwurst a la Marin, die tatsächlich geschmacklich mit einer der großartigsten Bratwürste der Welt, der "Thüringer Rostbratwurst" eine gewisse Ähnlichkeit hatte. So gesättigt, schlief ich erstmal ein Stündchen, um für die Nachtwache fit zu werden. Um 22:00 Uhr ging's für mich los, Petra sollte dann von 03:00 Uhr bis 07:00 Uhr übernehmen. So der Plan. Dummerweise nahm der Wind nochmal ein wenig zu, und zwei Ausrüstungsgegenstände verhielten sich nicht so, wie wir uns das gedacht hatten. Eine flexibles Solarpanneel, das wir auf der Sprayhood befestigt hatten, schlug wild hin und her, und unsere neue Dinghi-Persenning, die wir extra beschafft hatten, damit das Dinghi nicht zu schnell von den UV-Strahlen zerstört wird, flatterte bedenklich. Es ist feste Regel bei uns, dass keiner allein das Cockpit verlässt. Schweren Herzens weckte ich Petra um kurz nach Mitternacht, und wir stellten das Schlagen und Flattern ab. Petra legte sich noch einmal für eine Weile hin, mir machte es nicht allzuviel aus, ich war ja fit wegen des Vorschlafens. Sowieso lief alles sehr routiniert und harmonisch ab. Zumindest zwischen uns Menschen. Denn der Wind drehte dann noch mal auf, als wir an der Nordspitze von St. Vincent vorbeifuhren. Kapeffekt? Glatt 6 mit Böen auch darüber. Trotzdem blieb ich im 2. Reff, drehte nur das Vorsegel stark, zeitweise sogar ganz ein. Dann wurden wir doch langsamer, erst dachte ich, es liegt an der Windabdeckung der St. Vincent-Berge, aber wir waren ja 16 Seemeilen weg. Der Wind war auch nach wie vor stark. Die Logge drehte fast 2 Knoten höher als der GPS-Speed! Strömung gegenan, und das mitten auf der karibischen See. Hoffentlich ändert sich das wieder, sonst können wir keinen guten Schnitt erzielen, und wir kommen zu spät in Grenada an. Ein Segelboot lief mit uns, bei St. Lucia sahen wir es zum ersten Mal Backbord querab dicht vor der Küste. Die Pole Pole, ein 40 Fuß Boot, also vergleichbar in der Größe. Aber was war das? Das AIS-Signal zeigte 9,1 Knoten für die Pole Pole, wie machen die das denn? Und es war schön, wie man aus der Entfernung die Pitons durch den Dunst erkennen konnte. Wir hatten eine schöne Zeit dort damals im Januar mit Normann, Anne und Julia.
Petra löste mich dann gegen 03:00 Uhr ab, wie fast immer, ohne dass ich sie wecken musste. Schon erstaunlich, mit welcher Energie sie auf dem Boot unterwegs ist. Ich schlief ausgezeichnet, obwohl Petra mir hinterher berichtete, dass der Baum manchmal geschlagen hatte, da Wind und Geschwindigkeit auf Höhe St. Vincent dann doch noch mal stark abnahmen, so dass wir eine zeitlang nur noch um 4 Knoten liefen. Wir nahmen uns vor, bei Vorwindkursen nachts doch immer den Bullenstander zu setzen, auch wenn wir ihn mal nicht benötigen sollten.
Am nächsten Morgen wurde es schnell warm, und wir bereiteten uns nur ein kleines Müsli mit ein wenig frischem Obst zu, wir hatten beide keine Freude daran, bei der Hitze im Salon das eigentlich obligatorische Omelette zuzubereiten. Dafür genossen wir das Segeln umso mehr. Der Wind war jetzt genau richtig, um die 20 Knoten von "leicht schräg hinten" (sorry an alle Segler). Oft gingen wir "freiwillig" Ruder, weil es einfach einen Riesenspaß machte, mit Wind und Wellen zu spielen. Und dann die Tölpel. Drei von Ihnen jagten stundenlang fliegende Fische um unser Boot herum. Offensichtlich scheuchten wir die fliegenden Fische auf, so dass sie besser Beute machen konnten. Manchmal hatte ich sogar Bedenken, dass sie unseren Windgenerator streifen könnten, so dicht zischten sie vorbei. Erst als ich die gute Spiegelreflexkamera hochholte, um ihre Jagdkünste zu filmen, flogen sie satt und erschöpft davon. Schade, ein Schauspiel, wie sie sich immer wieder nahezu unermüdlich senkrecht ins Wasser stürzen, ein paar Kreise um das Boot drehen und wieder pfeilschnell ins Wasser tauchen. Bis man die Kamera holt.
Ach ja, Petra hat auch noch den Watt&Sea-Hydrogenerator optimiert. Die Leine scheuerte ja immer an der Watt&Sea-eigenen Curryklemme durch. Im ersten Optimierungsschritt hat sie die Klemme mal ausgebaut, und wir verwenden jetzt nur noch unsere Klemme, die außerhalb der Maschine direkt hinter einem Flaschenzug sitzt. Funktioniert! Kein Durchscheuern mehr. Unsere Curryklemme hält auch besser, so dass die Spannleine nicht durchrutscht. Super. Der Hydrogenerator macht so dermaßen viel Strom (weil wir so schnell sind) dass die Batterie sehr bald voll geladen ist und den vielen Strom nicht mehr abnehmen kann. Auch deshalb, weil Windgenerator und Solarpaneele auch ganz gut Strom produzieren. Wenn ihm keiner mehr den Strom abnehmen kann, brummt der Hydrogenerator. Es erinnert ein wenig an eine Kuh, die gemolken werden will. Ob die Leute von Watt&Sea eine eigene Akustikabteilung haben?
Bald ist der Wegepunkt vor der Einfahrt von Grenada nur noch 35 Seemeilen entfernt. Großenbrode - Gedser, denke ich. Es ist 09:00 Uhr. Die Logge zeigt hin und wieder über acht Knoten an. Petra und ich fahren Regatta, denn die Pole Pole ist jetzt 3,5 Seemeilen hinter uns, und auf dem AIS steht schon wieder was mit 9. Böen kommen von den Bergen Grenadas heruntergefegt. Kurz das Vorsegel reffen, nur kein Bruch mehr jetzt (wir haben in Martinique einen recht großen Riss in der Genua nähen lassen, es geht also). Dann wieder alles raus, Pole Pole darf uns nicht einholen!
Schließlich kommt uns die Ansteuertonne des Fahrwassers von St. Georges entgegen, wieder Böen, gar nicht so einfach, den richtigen Moment zum Segelbergen zu finden. Über Funk hören wir, dass sich andere Segler in der Port Louis Marina anmelden und auch gleich eine Antwort bekommen. Mein Funkspruch dagegen läuft ins Leere. Mehrfach. Ich liebe es. Ist das Handset doch defekt? Ich versuche es über die Handfunke. Zumindest höre ich meinen Funkspruch auf dem jeweils anderen Gerät. Trotzdem keine Antwort. Petra meint, wir sollten einfach reinfahren in die Marina. Davor wurde eindringlich gewarnt, aber was bleibt uns anderes übrig. Erst als wir die Einfahrt der Marina sehen, bekommen wir Antwort über Funk, verstehen nicht viel, nur etwas von "Quarantene-Dock" und "first dock right side", also fahren wir erstmal durch die Einfahrt, und werden dort eingewiesen. Bekommen Mecker, weil wir weder die Grenada-Flagge noch darunter die gelbe Q-Flagge gehisst haben. Schön, dass der sonst so überperfekte deutsche Alfred mal wegen Schlampigkeit auffällt. Geht doch. Das weitere Prozedere ist aber sehr freundlich und korrekt, alle mit Maske, wir auch. Wir bekommen die notwendigen Anweisungen und Papiere, und dürfen zur Quarantene Anchorage weiterfahren. Mit 26 Stunden Fahrzeit und einem Schnitt von knapp über 6 Knoten waren war sogar noch zur verabredeten Zeit in der Port Louis Marina eingetroffen.
Bei der Ausfahrt aus dem Hafen kommt uns die Pole Pole entgegen. Ein Katamaran. Das erklärt die 9 Knoten Werte. Sie winken ziemlich freudig. Haben uns wohl auch auf dem AIS verfolgt. Ganz gut, mit einem Kat mitgehalten zu haben. Vielleicht war auch Petras Taktik gut. Wahrscheinlich sogar. Spaß gemacht hat es in jedem Falle.
Das Quarantäne-Ankerfeld war dann ganz schön voll. Erst ziemlich am Ende fanden wir einen halbwegs freien Platz in halbwegs annehmbarer Wassertiefe. Trotzdem zeigte uns ein freundlicher Eigner auf seinem Boot in der Nähe, wo es noch besser sei. Wie so oft, ließen wir uns dadurch ein wenig beeinflussen, kamen dadurch zu dicht an einem anderen Boot zu liegen. Das amerikanische Paar auf diesem Boot kam gerade mit dem Dinghi angefahren, als wir überlegten, ob der Platz o.k. sei. Sie waren nett, hatten nichts gegen unsere Position, aber es war einfach zu dicht. Anker auf, und wieder zurück, tief und mitten hinein in das Ankerfeld. Und, siehe da, wir fanden eine ausreichend freie Wasserfläche ziemlich dicht am Ufer, erst ruckelte der Anker noch ein wenig beim Einfahren, dann hielt er. Anlegerbier? Geht ja nicht, da wir nirgendwo angelegt hatten. Ankerbier, gibt's das? Ja, und es schmeckte und krönte einen perfekten Törn.
Vessel Name: Milena Bonatti
Vessel Make/Model: X-Yachts, Xc 38
Hailing Port: Großenbrode, Germany
Crew: Petra Pavlisin, Alfred Punke
About: Petra has been sailing high seas for a few years now. Alfred has been sailing the Baltic and the North Sea since 2000.
Extra: We are planning a circumnavigation of the globe, crossing the Atlantic with ARC 2019, heading to New York 2020 and westward after
Milena Bonatti's Photos - Main
Haul-out in St. David's Bay Some tours over the island Final days in the boatyard
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Milena Bonatti at anchor in True Blue Bay and walk to Prickley Bay and Mt. Hartman Bay
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