Petra and Alfred at Sea

14 December 2019 | Nordatlantik 17N 46W
12 December 2019 | Nordatlantik 20N/41W
10 December 2019 | Nordatlantik 21N/37W
09 December 2019 | Nordatlantik 22N/35W
08 December 2019 | Nordatlantik 23N/31W
06 December 2019 | Nordatlantik 24N/28W
05 December 2019 | Nordatlantik 25/25
04 December 2019 | Nordatlantik irgendwo zwische Kanaren und Kapverden
02 December 2019 | North Atlantic Ocean 76 NM SW Tenerife
29 November 2019 | Las Palmas
28 November 2019 | Las Palmas
22 November 2019 | Las Palmas
16 November 2019 | Las Palmas, Gran Canaria
03 November 2019 | Las Palmas
30 October 2019 | Teneriffa
30 October 2019 | Las Palmas
21 October 2019 | Las Palmas
17 October 2019 | Las Palmas
04 October 2019 | Rubicon Marina

No Problem

14 December 2019 | Nordatlantik 17N 46W
Alfred and Petra
Es ist immer noch sehr schön. Der Wind ist moderat, die Temperaturen heiß, aber angenehm heiß, tagsüber scheint die Sonne, nachts funkeln die Sterne und der letzte echte Squall ist schon eine Weile her. Wir nehmen uns Zeit uns
auszuruhen und gut zu versorgen, morgens gibt's Omelette und abends leckere Nudelgerichte. Heute haben wir es uns besonders gut gehen lassen, Entrecote mit grünen Bohnen und Kartoffeln. Petra hat ein Bolognese-Gericht (mit
Hackfleisch) vorgekocht, denn nach allem, was die Wetterberichte so hergeben, geht's zum Schluss noch mal hoch her. Bis 5 m Welle, um genau zu sein, und Böen größer 30 Knoten. Da haben wir heute schnell wieder das 3. Reff ins
Groß gebunden, denn heute waren gute Bedingungen, nur Bft 5 und 2 m Welle. Es war allerdings gar nicht so einfach, da wir es unbedingt unter Segeln probieren wollten, und wir haben ja (noch!) kein Ein-Leinen-Reffsystem für das 3.
Reff. Warum ohne Motor? Nun, er kann ja mal ausfallen. Leider ist das auch der Fall. Ja, wir sind ohne Motor. Die EVC (Electronic Vessel Control) ein simples Steuergerät zum Starten und Abstellen des Motors, reagiert nicht mehr auf
die gewünschten Befehle. Mal sehen, ob uns unsere Technik in Großenbrode noch ein paar Tipps geben kann, das Ding wieder zum Laufen zu bringen, aber die Wahrscheinlichkeit ist gering. Solange die Energielieferanten nicht
auch noch ausfallen, sollte das kein Problem sein, zumal die Marina auf Saint Lucia (Rodney Bay) einen Tow Service (Schleppdienst) anbietet.
Seit gestern sind wir mit einem ESE-Wind Raumschots eher einen südlicheren Kurs gefahren, da der Wind heute Abend/Nacht aber auf NW drehen soll, haben wir schon mal gehalst. Wir hoffen dann mit Anlieger wieder Raumschots
recht zügig Richtung Ziel unterwegs zu sein. Zur Zeit weht der Wind aber noch aus Ost, wir fahren nur mit Groß (oder besser Klein, da ja dreifach gerefft, ich schätze es sind noch so ca. 20 Quadratmeter) fast reinen Vorwindkurs,
Raumschots hätten wir einfach ein zu schlechtes VMG, d.h. der Kurs wäre zu weit ab vom Ziel, und wir würden das auch nicht durch eine leicht höhere Geschwindigkeit der Genua ausgleichen.
Gestern haben wir versucht, mit ausgebaumter Genua und Groß im 2. Reff Schmetterling zu fahren (ein Segel nach Backbord, das andere nach Steuerbord). Leider schafften wir es bis kurz vor dem Dunkelwerden nicht, die Genua
ohne Killen einzustellen. Es sah aber beeindruckend aus. Die Spiere stand senkrecht vom Mast ab wie man es manchmal bei Fischerbooten sieht. Allein 5 Leinen waren an dem Baum angebracht: Toppnant, Niederholer, Schot,
„For-Guy�" und Aft-Guy�", die beiden letztgenannten, um den Baum immer in derselben Position zu halten, auch wenn das Segel weggerefft wird. So schlägt er nicht, und ist sofort wieder einsatzbereit, wenn der Squall vorbei ist. Schade,
haben wir (noch) nicht hinbekommen, dann hätten wir mit Groß und Genua einen direkteren Kurs fahren können. Wir sind Blauwasser-Anfänger und haben schon ein wenig gelernt, müssen aber noch viel mehr dazu lernen. Leider
habe ich (Alfred) mir mein Knie bei der Aktion ein wenig verrenkt, ich dachte schon, es ist ernst, war es dann aber doch nicht, heute beim Anbringen des dritten Reffs war ich schon wieder voll im Einsatz. Voll ist das Stichwort. Einmal
bin ich voll auf die Sprayhood gekracht, sie hat jetzt einen recht ordentlichen Riss, aber da der Wind eh von hinten kommt, macht das nichts, meint Petra. Uns geht's sonst aber weiter gut, heute haben wir den ersten Paradiesvogel
gesehen, ein Zeichen für die Nähe der Karibik. Und unsere Freunde aus der ARC-Flotte schreiben Mails und SMS an uns, dass sie bald da sein werden und sich freuen auf ein Wiedersehen und wünschen uns viel Glück für die
Weiterfahrt. Die kommenden rauheren Bedingungen sind denen der ersten Woche sehr ähnlich, so dass wir dem mit Gelassenheit entgegensehen. Wir sind gut vorbereitet und freuen uns auf den Tow-Service der Rodney Bay
Marina. No Problem.
P.S.: Bilder gibt's später dazu. Wir verwenden hier auf See Kurzwellenradio, da sind wir über jedes Byte froh, dass übertragen wird
P.P.S.: falls uns jemand verfolgen möchte, es gibt ne APP: YB Races.

Schön

12 December 2019 | Nordatlantik 20N/41W
Alfred and Petra
Sie ist da, die Barfußroute. So hatten wir uns das vorgestellt. Es ist warm, die Sonne scheint, die Wellenhöhe ist moderat, das Boot schaukelt sanft, der Wind weht stetig und treibt uns gut voran (15 bis 18 Knoten aus Ost). Wir können Raumschotskurs fahren und haben trotzdem fast einen
Anlieger auf Saint Lucia. Segeln ist wunderschön. Einziger Wermutstropfen ist noch, dass wir es heute nicht geschafft haben, unser drittes geliebtes Reff, das uns in den harten Böen so gute Dienste geleistet hat, auszubinden. Schlafen, waschen und kochen und faul sein ging heute mal
vor, zumal die Wellenhöhe und der Wind auch erst allmählich abnahmen. Und dunkel wird es um 18:00 Uhr, danach gehen wir nicht mehr aufs Vordeck. So sind wir jetzt wieder mal nur mit 6 Knoten unterwegs, obwohl wir sicherlich 7 oder mehr fahren würden, wenn wir unter Vollzeug oder
im ersten Reff des Groß fahren würden. Peinlich ist dann immer die tägliche Positionsmeldung des WCC, der alle Schiffe der ARC auflistet incl. u.a. Position, Entfernung nach St. Lucia und eben auch VMG16, also die mittlere Geschwindigkeit der letzten 16 Stunden auf das Ziel zu. Da wir
gestern keinen Anlieger hatten, und auch nicht sehr schnell waren, wurden wir nicht nur als Letzte gelistet, nein auch mit dem schlechtesten VMG16. Irgendwie schon ein bisschen peinlich.
Unser Ziel ist es immer noch 12:00 Uhr lokaler Zeit (16:00 Uhr UTC) am 20.12. über die Ziellinie zu fahren. Ist noch zu schaffen, es sind noch 1100 Seemeilen in den verbliebenen 8 Tagen zu bewältigen, was einem Etmal von 138 Seemeilen entspricht - wenn wir immer einen Anlieger
haben, also genau auf das Ziel zu fahren; was nicht immer der Fall sein wird. Aber wir sollten dann morgen das 3. Reff ausbinden. Was insofern nicht so gut ist, da für den 14.-17.12. schon wieder massiv Wind vorhergesagt ist, In Zukunft werden wir wohl auf das erste Reff verzichten und
nur das Zweite und Dritte als Ein-Leinen-Reff verwenden. Dann wäre es einfacher, in das die Reffs zu wechseln von ungerefft auf Zweites und Drittes.. So ist es eine größere Unternehmung das Driite einzubinden.
Alternativ kommen wir nach dem 20.12. an, vielleicht ja noch rechtzeitig zur Abschiedsparty der ARC am 22.12. Aber wenn ich mir gerade den Vollmond so anschaue, der das Heckwasser glitzern lässt und die wohlige Nachtwärme spüre, das sanfte Heben und Senken des Bootes, ist das
eigentlich auch nicht so wichtig. Die Partyfindet hier statt. Jetzt gerade.

Bergfest

10 December 2019 | Nordatlantik 21N/37W
Alfred and Petra
So, die Hälfte ist geschafft. 1390 Seemeilen liegen sowohl hinter als auch vor uns. Es besteht immer noch Hoffnung, dass wir die Ziellinie vor Schließung am 2ß.12. erreichen, denn jetzt sind genau 10 Tage um. Es wird knapp, und kommt darauf an, wie die weiteren Wind- und
Wetterverhältnisse sind und ob wir uns trauen, mehr Segelfläche zu setzen. In den letzten Tagen hatten wir im Schnitt alle 3 Stunden einen Squall mit Böen > 30 Knoten, und die Wellen sind so um 4 Meter hoch, da ist es schon ein wenig sportlich, auf dem Vorschiff zu arbeiten uns
Spibäume zu stemmen. Kurz gesagt: wir lieben unser drittes Reff im Groß immer noch und setzen ab und an die Genua dazu, meist gerefft, da der Wind zwischen den Squalls auch immer glatt 5 weht. Tut er gerade. Kommt mir ein wenig wie eine Flaute vor. Deshalb kann ich auch
schreiben. Und wir singen jeden Tag ein Loblied auf unseren Autopiloten, der die Wellen einfach so wegsteuert. Ein Segen, und wenn dann die Decksfenster mal wieder vollständig überspült werden, weil das Boot von einer Welle zur Seite gedrückt wird, schafft es der Autopilot binnen
weniger Sekunden, wieder auf Kurs zu kommen. Dessen sind wir uns natürlich nie ganz sicher, das erzeugt eine gewisse Spannung. Per Hand zu steuern ist kein Problem, auch die Wellen lassen sich prima beherrschen, aber ncit 12 Stunden am Tag jeder von uns. Also Danke, Autopilot,
bleib uns gewogen. Wir behandeln dich auch gut, geben dir Fett und �-l und warten und pflegen Dich. Und dein Bruder steht zur Ablösung in der Backskiste bereit (wir haben ein komplettes Ersatzteil dabei).
Zur Zeit läuft eine Segelyacht parallel zu uns, Allegro, gerade mal 3 Meilen voneinander entfernt steuern wir denselben Kurs. Allegro ist etwas schneller, leider sagt das AIS-System nicht, wie lang das Boot ist. Schon merkwürdig: da sieht man eine Woche kein anderes Schiff, und dann trifft
man eine andere Yacht miiten auf dem Atlantik. Uns geht's gut, wir freuen uns auf den nächsten Tag, wenn die Sionne scheint und man die Sqalls kommen sieht.

Petra Review

09 December 2019 | Nordatlantik 22N/35W
Alfred and Petra
3.12.201911:28
Salzkrusten auf unserem �-lzeug zeugen von der Spritztour, die wir unternehmen. Meistens weht es mit 14-22 Knoten, in Böen auch mal mehr. Es ist ein Hin- und Hergereffe - letzte Nacht hatte ich eine Böe von über 30
Knoten. Ich versuchte das Boot trotz des 2. Reffs im Großsegel stabil zu halten - nicht so einfach - der Luvgierigkeit entgegenzusteuern und gleichzeitig die Genua zu reffen. Vor Schreck und wegen meiner Unsicherheit,
was zu tun ist, wenn der Wind noch mehr zunehmen sollte, rufe ich Alfred. Er steht verschlafen im Niedergang - das hilft schon. Wir sind uns einig - wir binden nicht das 3. Reff ein, weil dazu einer im Dunkeln aufs Vordeck
muss und das vermeiden wir unter allen Umständen - es ist zu gefährlich, dabei könnte jemand über Bord gehen. Es lässt sich nichts anderes tun als das, was ich schon getan habe - und hoffen, dass es nicht mehr Wind
wird. Alfred geht wieder schlafen. Gegen Müdigkeitsanfälle spritzt etwas Gischt und Nieselregen über die Bordwand - ich lecke das Salz von meinen Lippen und mein Trost - die warme, trockene und kuschelige Vorkoje
nach meiner vierstündigen Wache von 1:00 - 5:00 morgens.
4.12.2019, 3:51 (UTC -1), Pos.: 25 59`N, 21 33`W
Nachtwache/Hundewache, 1:00-6:00 (wieso heißt sie eigentlich so - weil normalerweise Hunde die einzigen sind, die zu dieser Zeit wach sind?)
Es ist schon wieder erstaunlich, wie schnell man sich an Dinge gewöhnt, so auch an Windgeschwindigkeiten. Inzwischen sind 17-23 Knoten Standard. Ab und zu sind es mal bis zu 28 Knoten - dann horchen wir schon auf
und überlegen, ob gerefft werden muss. Meistens sind die Segel jedoch so eingestellt, dass wir beruhigt weiter segeln können. Das Boot saust dann mit 7-8 Knoten dahin, unserem Ziel immer näher. Es gibt kaum noch
Gischt oder Regen - es wird wärmer - eine Schicht Kleidung weniger, in die wir uns in der Nacht hineinquälen müssen - was für eine Erleichterung.
Vorhin, bei der Wachablösung komme ich den Niedergang hoch und sehe hinter uns zwei Lichter - kann das sein, ein Schiff? sage ich zu Alfred. Oh, sagt er, tatsächlich, das erwartet man schon gar nicht mehr. Weit und
breit, über Hunderte von Seemeilen ist kein Schiff unterwegs, die anderen ARC-Boote sind alle weit voraus. Deshalb kommt es schon vor, dass wir gar nicht mehr so genau hinsehen. Wir müssen aufpassen, um nicht
nachlässig zu werden. Das Schiff ist ein 280-Fuß langer Fischer - wie wir nachher in den AIS-Informationen auf dem Plotter nachlesen können - unglaublich. Der Atlantik ist so groß - und dieses Schiff ist zufällig so nah. In
meiner Wache fährt er in ca. 1 Seemeile an uns vorbei - es ist aufregend - ich gehe unter Deck, um das Fernglas zu holen und beobachte die weißen, roten und grünen Lichter des Schiffes mit dem Fernglas, bis es aus dem
Blickfeld in die Dunkelheit hinweggleitet.
8.12.2019, 2. Advent
Manchmal denke ich, warum mache ich das hier? Macht mir das wirklich so viel Spaß, dass ich weiter segeln will, gar ganz um die Welt? Will ich den mühsamen und nicht leichten Schlag bis nach New York noch? Wäre es
nicht bequemer, einfach in der Karibik zu bleiben? Solche Gedanken kommen schon eher mal auf, wenn die Bedingungen hart und unbequem sind. Andererseits ist es doch ganz schön besonders, in Zeiten der Business
Class back to the roots zu gehen und roughes �-kö-travelling nach Greta Thunberg-Art zu praktizieren - ist es nicht so etwas wie wild campen, Bergsteigen oder ein Marathon durch die Wüste? Nach dem Erfolg freut man
sich, es geschafft zu haben und nach Robert Frost (the path least taken) eben nicht den leichten Weg gewählt zu haben. So wie die Schwedin es trocken ausdrückte, die wir in Cuxhaven trafen, auf die Frage hin, wie es
war, zu zweit die ARC zu segeln - tough. Sie bat uns daraufhin, ihr ein Foto von uns beim Pizzaessen in Rodney Bay zu schicken, wenn wir auf St. Lucia angekommen sind. Ja, es ist eine Herausforderung, seglerisch als auch
für die eigene Physis und Psyche. Jeder kleine Schritt, jede kleine Bewegung bedeutet einen 2-3 Mal so großen Kraftaufwand wie an Land, vielleicht etwa so viel wie auf dem Mars. Ein kleiner Schritt für die Menschheit,
aber ein großer für uns (frei und leicht abgewandelt nach Neil Armstrong). Den Mars habe ich heute Morgen in meiner Hundewache bewundert - er funkelte hell, an den Rändern blitzte es kaum wahrnehmbar grün, blau
und rot. Ein kleiner Lichtblick zwischen den Wolken, die immer wieder die Sterne und den freundlichen mehr als halbvollen Mond bedecken. Ich finde die Wolken etwas bedrohlich, sie sind wie die Katze im Sack - bergen
meistens irgendwelche Böen in sich und Wasser in Form von Schauerböen. Im Dunkeln kann man jedoch noch schlechter erkennen, zu welcher Art sie gehören. Die Größe lässt sich auch schwer erkennen. Der Mond sieht
hier anders aus als bei uns in Deutschland - er füllt sich von oben, nicht seitlich, er liegt also eher, wie eine Obstschale auf einem Tisch steht und immer voller wird. Heute Morgen hatte er eine besonders schöne Form -
wie ein breites halb geöffnetes Auge, so wie vielleicht das des Panthers mit dem apathischen Blick in Rilkes Gedicht.

Guter Wind

08 December 2019 | Nordatlantik 23N/31W
Alfred and Petra
Wir haben Glück. Der ARC-Wetterbericht gibt aus:The highest winds and swell will be confined to the S'rn halves of Grids CC and DD on the 09th as the ridge near the Azores weaken due to a
cold front approaching from the west. Das gilt für den 8.12. und 9.12. Prima, so kommen wir schnell voran. Wir lieben unser drittes Reff im Groß, aber das hatte ich
glaube ich schon erwähnt? Nachts ist es immer ein wenig ungemütlich, oft Regenschauer mit viel Wind. Heute Nacht hatte Alfred auf seiner Wache den beeindruckendsten
Squall bisher. Die Windanzeige blieb für mehrere Minuten oberhalb 30 Knoten (Bft 7). Nur mit dem Groß im dritten Reff fühlte es sich gut an, immer so 2-3 Windstärken
geringer. Das Boot macht trotzdem noch gut Fahrt, oft über 8 Knoten in solch einer Situation. Dazu Schauer und eine amtliche Welle, Nachts allein im Cockpit. Das kann
schon Spaß machen.
Tatsächlich sind die Nächte schon recht hart, wir werden aber am Tage immer wieder mehr als entschädigt. Es scheint immer die Sonne, so gut wie keine Squalls, und es
ist sommerlich warm. Apropos warm. Bisher hatten wir nachts unter dem �-lzeug immer noch Pullover und wärmende Unterwäsche an, dicke Socken in den Stiefeln. Das scheint
jetzt nicht mehr nötig zu sein, auch nachts wird es spürbar wärmer. Wir nähern uns dem Süden, was auch durch das Sommerdreieck nachts angezeigt wird, es steht morgens
hoch am Firmament.
An Bord sind alle Systeme grün, einzig das Quietschen des Autopilots ist doch noch nicht ganz weg. Er sollte nicht ausfallen, das würde die Überfahrt unnötig erschweren.
Aber wir haben dreifache Redundanz, wüssten uns auch dann noch zu helfen. Und am letzten Tag in Las Palmas habe ich doch noch Steuerseile und Klemmverbinder für die
Ruderanlage gekauft Auch die Stimmung an Bord ist gut, wir sind ein gutes Team, jeder bekommt ausreichend Schlaf und wir kochen jeden Tag ein leckeres Gericht.Naja,
manchmal ist es dann ein Fertiggericht, und die ein- oder andere Stunde mehr Schlaf wäre auch nicht ganz schlecht. Heute haben wir 1000 Seemeilen hinter uns, genau in einer Woche, unser
20-Tage-Ziel ist also noch drin. Gerade gibt's auch ein neues Etmal: 150 sm. Geht doch.

Konnte den Post heute am Tage (2. Advent) nicht senden, die Ausbreitungsbedingungen der Radiowellen sind dann wohl ungünstig. Deshalb hier diese kleine Ergänzung. Heute haben wir es uns so richtig gut gehen lassen. Statt mit Genua vor dem Wind zu kreuzen, haben wir heute die Genua weggerollt, konnten aber den Kurs zum Ziel nahezu anlegen. Waren dadurch natürlich langsam, nur so um 5 Knoten, bei 18 bis 23 Knoten Wind. Aber alles fühlte sich mal entspannt an, trotz der 4 Meter hohen Wellen, die jetzt genau von hinten kamen. Die Sonne schien, die ersten flegenden Fische landeten auf unserem Deck, wir kochten zwei warme Mahlzeiten (Omelette und Ratatouille) und hörten sogar mal wieder Musik im Cockpit. Wir brauchten das wohl nach der harten Nacht mit ca. 10 Squalls. (Petra hatte auf ihrer Überfahrt 2017 4 Squalls insgesamt!). Wir hätten die Genua ausgebaumt als Schmetterling fahren können, aber wir hatten einfach nicht die Energie. Sorry an diejenigen, die glauben, dass wir nicht Letzter werden. Es ist auch für uns schon ein wenig frustrierend, die Positionsmeldungen jeden Tag zu lesen, und Milena Bonatti an letzter Stelle zu finden. Heute waren dann zu allem Überfluss auch noch unsere 5 Knoten gelistet. Warum haben sie nicht unsere Nachtfahrt genommen, da stand oft eine 9 an erster Stelle...

Für die nächsten Tage wollen wir mit Genua und 3. Reff im Groß vor dem Wind kreuzen. So sind wir schnell unterwegs und können schnell auf Windzunahmen reagieren. Es sind für unser Gebiet immer noch im Vergleich die stärksten Winde und höchsten Wellen vorausgesagt. Es gibt also einen Zickzackkurs. Nachts mit Kurs eher nach Norden, am Tag nach Süden. Mal sehen, ob das die schnellere Variante ist.

Nikolaus arbeitet

06 December 2019 | Nordatlantik 24N/28W
Alfred and Petra
Wir haben die Wachezeiten in der Nacht mal geändert, das hatte sich im Laufe des gestrigen Tages so ergeben. Petra war also von 20:00 Uhr bis ca. Mitternacht dran, dann 4 Stunden Alfred und am Morgen von ca. 05:00 bis
09:00 Uhr dann wieder Petra. Ich (Alfred) konnte in dieser Nacht nicht so gut schlafen, zumindest nicht, als ich wachfrei hatte. Einmal deshalb, weil alles anders war, aber auch, weil ich so richtigen und fast schon
gefährlichen Bockmist gebaut habe. Unser Wassermacher hat nämlich eine Spülfunktion, mit der das Salz am Ende des Wassermachens mit Süßwasser aus der Membran ins Meer gespült wird. Das Spülen lässt man 5
Minuten laufen, es verbraucht einen kleinen Teil des gerade frisch produzierten Wassers wieder, also hält man diesen Vorgang kurz. Dann schaltet man den Wassermacher ab und macht das Spülventil zu. Tut man das
nicht, pumpt die normale Trinkwasserpumpe weiter eifrig Wasser aus den großen Wassertanks ins Meer, gerade so, als ob man einen Wasserhahn laufen lässt. Der gewiefte Leser ahnt schon, worauf diese Schilderung
hinausläuft. Alfred hat das Ventil nicht zugemacht, und der Wassermacher hat begierig den gesamten Backbord-Trinkwassertank leergesaugt (es gibt noch einen an Steuerbord, ebenfalls 200 Liter). Dummer
Wassermacher!
In solchen Momenten wünsche ich mir den alten Alfred zurück, der mit seiner Penibilität seinen Mitsegler-innen/n ganz schön auf die Nerven gegangen ist. Detailverliebt und hochkonzentriert.
Jedenfalls war die Nacht nicht so gut, obwohl Petra versucht hat meine Selbstzweifel in bewundernswerter Form zu zerstreuen. Hinzu kam noch, dass der elektrische Autopilot anfing zu jiepeln und quietschen, was in der
Wache den Fünfminutenschlaf auch schwierig machte.
So kam es, dass der Nikolaustag ein Arbeitstag wurde. Zuerst sollte der Wassermacher 10 Stunden laufen, um die 200 Liter wieder in den Tank zu bekommen. Das ging erst ganz gut, doch dann stellte sich uns ein neues
Problem in den Weg. Das neu hergestellte Wasser läuft erst in einen 30-Liter Tagestank, und wird dann über ein Ventil in den großen Tank weitergeleitet. Dieser Tagestank leerte sich nicht mehr, die Entlüftung war
irgendwie dicht und der Tank bildete ein Vakuum. Verzweiflung kroch in uns hoch. Dann schnitten wir den Entlüftungsschlauch am Tagestank durch, und der Tank konnte wieder atmen, das Wasser lief in den großen Tank.
Wir haben die 200 Liter wieder aufgefüllt.
Danach bzw. während der Wassermacher lief, wollten wir dem Quitschen des Autopilots ein Ende bereiten. Es schien an zu losen Steuerseilen der Ruderanlage zu liegen. Die Spanner sind äußerst schwer zu erreichen, und
man muss zwei Backskisten leer räumen. Aber es klappte, und das Quietschen ist nicht mehr zu hören. Vielleicht auch, weil ich WD40 und Silikonspray überall hin gesprüht habe, wo es mir sinnvoll erschien.
Nebenbei entwickelte sich die See. Herrliche Wellen umspielten unsere Milena Bonatti, es war beeindruckend anzuschauen, und der Autopilot kam gut mit ihnen zurecht. Gischtkämme waren sehr selten und nicht allzu
groß und trafen uns nur ein- oder zwei Mal. Dann ist alles nass im Cockpit, und wenn es trocken ist, alles salzig. Wir lieben weiterhin unser drittes Reff im Groß, was bei Böen von bis zu 30 KNoten vielleicht verständlich ist.
Morgen wollen wir weniger arbeiten, das nehmen wir uns allerdings jeden Tag vor. Der Hydrogenerator zeigt schon wieder merkwürdiges Verhalten, mal sehen, was das bringt. Aber langsam wird der Bordalltag zur
Routine, wir gewöhnen uns daran, dass alles immer schwankt und schaukelt, und deshalb viel länger dauert. Und auch mehr Energie kostet.
Vessel Name: Milena Bonatti
Vessel Make/Model: X-Yachts, Xc 38
Hailing Port: Großenbrode, Germany
Crew: Petra Pavlisin, Alfred Punke
About: Petra has been sailing high seas for a few years now. Alfred has been sailing the Baltic and the North Sea since 2000.
Extra: We are planning a circumnavigation of the globe, crossing the Atlantic with ARC 2019, heading to New York 2020 and westward after
Milena Bonatti's Photos - Main
Some Impressions from that Event
7 Photos
Created 3 November 2019
Ascent of Guajara i(2718 m) n Tenerife
5 Photos
Created 1 November 2019
Foto selection out of a sailing trip from Gran Canaria to Tenerife with Passat Sails and a tour over the island of tenerife
18 Photos
Created 26 October 2019
Bretagne
5 Photos
Created 16 August 2019
7 Photos
Created 8 August 2019
2 Photos
Created 1 July 2019
May 5: Ansegeln mit dem Yachtclub Großenbrode - frisch und sonnig 😎
6 Photos
Created 8 May 2019