Petra and Alfred at Sea

18 January 2020 | Bequia
11 January 2020 | Rodney Bay, St. Lucia
22 December 2019 | Saint Lucia, Rodney Bay Marina
20 December 2019 | Nordatlantik - 170 Seemeilen östlich vor St- Lucia
19 December 2019 | Nordatlantik - 250 Seemeilen östlich vor St- Lucia
17 December 2019 | Nordatlantik 17N 540W
16 December 2019 | Nordatlantik 17N 50W
14 December 2019 | Nordatlantik 17N 46W
12 December 2019 | Nordatlantik 20N/41W
10 December 2019 | Nordatlantik 21N/37W
09 December 2019 | Nordatlantik 22N/35W
08 December 2019 | Nordatlantik 23N/31W
06 December 2019 | Nordatlantik 24N/28W
05 December 2019 | Nordatlantik 25/25
04 December 2019 | Nordatlantik irgendwo zwische Kanaren und Kapverden
02 December 2019 | North Atlantic Ocean 76 NM SW Tenerife
29 November 2019 | Las Palmas
28 November 2019 | Las Palmas
22 November 2019 | Las Palmas

Paradise

18 January 2020 | Bequia
Alfred | Hot and Sunny
„How do you like St- Vincent?“ fragte uns unser Retter von Dream Yacht Charter abends in der Beach Bar der Blue Lagoon Marina auf St. Vincent, als wir uns mit einem Bier bei ihm bedankten. „It’s almost like paradise“, antwortete ich. „Almost?“ fragte er. Und da hatte er mich. Warum hatte ich dieses kleine Wörtchen „almost“ hinzugefügt? Es war eben noch nicht das, was ich mir unter der Karibik vorgestellt hatte. Es kam dem schon ziemlich nahe, Strände waren in der Nähe, die man von Fototapeten kennt, aber um dorthin zu gelangen, musste man an einer vielbefahrenen Straße ohne Fußweg entlanggehen.
Andere Strände hatten schwarzen Sand oder waren nur über wilde Pfade erreichbar, vorbei an kläffenden Hunden ohne Zaun, die einem schon Angst machen konnten. Tim, ein unerschrockener gleitschirmfliegender Engländer mit einem selbstgebauten Katamaran, schon acht Jahre in der blauen Lagune ansässig, zeigte uns den Weg. Völlig verrückt: mitten in der Pampa kamen wir an der kubanischen Botschaft vorbei. Der Strand, zu dem er uns führte, war mehr nach Osten zum Atlantik ausgerichtet, hatte Brandung und das Baden in dem 30° warmen Wasser war einfach nur toll. Trotzdem: noch nicht das, was ich mir unter Karibik vorgestellt hatte.
Der botanische Garten auf St- Vincent ist ein Erlebnis der besonderen Art. Ein englischer Gartenarchitekt hat vor ca. 15 Jahren begonnen, mitten im Regenwald einen wunderschönen Garten anzulegen. Ein riesiges Areal, so reich an farbenprächtigen Blüten und sattem Grün, dass man staunend in dieser Welt der Schönheit großes Glück empfindet. Die Grapefruit, die ich als Fallobst vom Boden aufsammelte, schmeckte köstlich. Ein Pampelmusenbaum? Nie vorher gesehen. Wir haben den Meister selbst kurz sprechen können. In seinen Augen war die Passion zu sehen. „The road is so bad, so difficult to get here, government is not supporting, I could do much better,“ war sein genereller Kommentar zur Situation.
Die echte paradiesische Karibik kam dann geballt auf Bequia. Mit frisch gelöstem Motorelektrik-Problem (ich berichtete darüber) und – man glaubt es nicht, einem weiteren von unserem Super-Techniker von Dream Yacht Charter in Blue Lagoon gelösten Problem mit der Gangschaltung des Motors fühlten wir uns sicher beim Ankern. Für den Fall unzureichender Energieversorgung konnten wir einfach den Motor ein wenig (ca. 30 min) laufen lassen, und das Bier, das Gemüse, die Butter und der Yoghurt blieben kalt. Einen Tag vor dem Ablegen in Blue Lagoon, stellte ich nämlich noch fest, dass sich der Leerlaufschalter nicht mehr einlegen ließ und deshalb die Batterien vor Anker mit dem Motor nicht geladen werden könnten. Egal, jetzt gelöst, super Job von Kimron (so heißt er), und gut, dass wir das rechtzeitig angegangen sind.
Warum paradiesisch? Turtle Sanctuary auf Bequia war das Ziel unseres Ausflugs. Ein nur 2 km weiter Fußmarsch, aber bei 30°C und Knallsonne durchaus anspruchsvoll. Hier hatte sich ein Mann die Aufgabe gestellt, Schildkröten vor dem Aussterben zu retten. Er sammelt sie als Babys oder Eier am Strand auf, zieht sie in Seewasserbecken groß, und setzt sie dann wieder in freier Natur aus. Auch hier durften wir dem Meister in die Augen schauen. Die gleiche Passion wie schon bei dem englischen Gartenbauarchtekt auf St. Vincent. Seit ca, 20 Jahren baut er diese Schildkrötenaufzucht auf. „Not enough money, no electricity provide by the government to drive pumps, hard work to change the bassins“, waren seine Hauptaussagen. Die Schildis sahen toll aus, die Dreijährigen waren schon ziemlich groß, so ca. 30 bis 40 cm lang. Petra hat einige gesehen in der blauen Lagune, wenn sie auftauchen, um nach Lust zu schnappen. Bis zu 1,5 h können sie übrigens tauchen. Und geschlechtsreif werden sie erst nch25 Jahren. Die Armen.
Zurück zum Paradies: das kam auf dem Weg bzw. für uns auf dem Rückweg von der Turtle Sanctuary. Sugar Reef Beach. Wohnzimmertapete mit Palme, Strand, blauem Wasser. Wir haben uns direkt am Strand einen erfrischenden Lime Squash (der hat keinen Alkohol!) und eine Salat gegönnt, und einfach nur gestaunt. Angekommen.
Und so ging es am nächsten Tag weiter. Princess Margarte Beach, Lower beach, direkt vis-a-vis zu unserem Ankerplatz. Echt karibisch paradiesisch, so wie ich mir das vorgestellt hatte. Einen weiteren Lime Squash bei Jack’s, einer hippen Bar und dann eine Lobster am Ende des Lower Beach bei – ja, es stimmt: „Petra’s“. Eine Empfehlung aus dem Segelführer-Buch. Unser erster Lobster. Es sollen ja noch mehr kommen, in den Tobago Cays soll es direkt auf dem Strand gegrillte Lobster geben. Und der Strand noch paradiesischer sein. Würde mich wundern, denn viel mehr geht für mich nicht. Und muss auch nicht sein.
P.S.: Bilder kann man übrigens hoffentlich demnächst in der Gallery her im Blog anschauen.

Dein Motor, das unbekannte Wesen - Von St. Lucia über Bequia nach St. Vincent - Abenteuer Blaue Lagune

12 January 2020 | Blue Lagoon Marina, St. Vincent
Alfred | Showers
Manchmal schlägt das Schicksal erbarmungslos zu. Und damit meine ich nicht, dass uns der Motor auf dem Atlantik im Stich gelassen hat. Auch nicht, dass er in Saint Lucia nach einer Landstrombehandlung wieder klaglos ansprang, um sich dann vor St. Vincent zu weigern, den Dienst wieder anzutreten. Nein, schicksalhaft ist, das ich (Alfred) vor langer, langer Zeit mal entschieden hatte, Maschinenbau zu studieren, weil die Alternative Elektrotechnik ein absolutes No-Go war. Mit Strom wollte ich bewusst nichts zu tun haben, abgesehen mal von Lampen anschließen oder Stecker in Steckdosen stecken. Das wurde nun brutal bestraft. Denn der Motor lief, was ihm fehlte, oder er nicht bereit war zu produzieren, war Strom.
Dass diese etwas kritische Einstellung durchaus seine Berechtigung hatte, zeigte sich das erste Mal, als ich mit Graham von der Lubilu über Batteriemanagement sinnierte, denn die Starter-Batterie stand, neben anderen Aggregaten unter Generalverdacht. Ich hatte zwar erst kurz vor Beginn der Reise alle Batterien erneuert, aber, so Graham, man steckt in diesen Dingern nicht drin, und ich solle mir in jedem Falle für jede einzelne Batterie einen Batteriemonitor einbauen, und eine Kalibrierung des Entladungsverhaltens durchführen. Auch für die Starterbatterie (für die Verbraucherbatterien ist so ein Ding an Bord). Jedenfalls forderte mich Graham nach einigen Diskussionen auf, einen Versuch zu machen, den Motor zu starten, die Starterbatterie sollte durch die inzwischen vielen Stunden Landstrom ja wieder voll geladen sein. Und - Magie - der Motor sprang an, als wäre nichts gewesen.
Was bedeutete das nun? Batterie defekt, Lichtmaschine defekt - sie lädt die Starterbatterie nicht - oder Anlasser defekt? Oder Kabel, bzw. Schaltungen auf dem Weg von der Batterie zum Anlasser? Besonders die sogenannte MDI-Box war ein weiteres schwer unter Verdacht stehendes Bauteil.
Natürlich habe ich ein Voltmeter-Messgerät an Bord. Natürlich kann ich Spannungen messen. Aber die Vielzahl der Fehlermöglichkeiten und meine immer noch kritische Einstellung zu allem, was mit Elektrik zu tun hat, ließen mich den örtlichen Volvo Penta Service kontaktieren. Shawn kam, und im Anschluss an meine Schilderung des bisher beobachteten Fehlverhaltens berichtete er über sehr schlechte Erfahrungen mit dem Starterbatterietyp, den ich an Bord hatte. Kurz bevor er die Batterie ausbauen wollte, wies ich ihn auf einen der beiden Batteriehauptschalter hin, die sowohl den Minus- als auch den Pluspol der Starterbatterie schalten. Nach kurzer Überprüfung stellte er fest, dass die Kabel am Minuspol-Schalter lose sind. "Dad's de problem, yeah, I am sure". Prima, machte Sinn, Problem gefunden, alles gut. Motor sprang auch mehrfach gut an. Ladestrom war auch o.k., beide Batterien hatten die übliche höhere Spannung, als der Motor lief. Es konnte also weitergehen. Nach unserem kurzen Intermezzo mit dem Leinengewirr im Propeller motorten wir bis in die Bucht zwischen den Pitons, den beiden charakteristischen Hügeln St. Lucias. Dort war es wunderschön und als wir weitersegeln wollten, gab es keine Startprobleme mit dem Motor. Das Problem war ja auch gelöst.
Die Segelei von den Pitons nach Bequia (gesprochen Backway) gehörte zu den schönsten meines bisherigen Seglerlebens. Halbwind mit richtig Speed ohne große Welle sausten wir bei Sonnenschein und Wärme dahin. An der Küste von St- Vincent entlang gab es tolle Ausblicke auf die recht bergige Insel, die Winde wechselten in Stärke und Richtung, wir mussten oft trimmen, das Wetter war so gut.
Uns fiel irgendwann auf, dass der Batteriemonitor eine ständig fallende Batteriespannung anzeigte, die sich immer mehr dem ersten Warnschwellwert von 12.2 Volt näherte. Was o.k. war, denn wir hatten nur den Windgenerator in Betrieb, um die Hauptverbraucher Kühlschränke und Navigationsinstrumente zu bedienen. Hydrogenerator und Solarpaneele wollten wir aus Faulheit auf der kurzen Strecke nicht aktivieren. Das reichte nicht, also machten ließen wir den Motor ein wenig mitlaufen, das passte in der Windabdeckung der höchten Berge St. Vincents auch ganz gut. Es passierte nichts! Kein Spannungsanstieg, immer noch negativer Strom. Ein klares Zeichen dafür, das die Lichtmaschine nichts einspeiste. Nun gut, ein Problem, wir würden uns in Bequia darum kümmern.
Zum Schluss, St- Vincent hatten wir hinter uns gelassen, noch 10 Seemeilen herrlichstes Am-Wind-Segeln, dass uns die Sorgen um den Motor und die Energieversorgung vergessen ließ.
In Bequia lagen wir vor Anker. Inzwischen war das ruhige Wetter vorbei, und heftige Böen zerrten an ihm. Und an unseren Nerven. In der ersten Nacht hatten wir bei zwar nur 3 Meter Wassertiefe aufgrund der Enge durch viele ankernde Boote 20 Meter Kette draußen, der Ankergrund sah sandig aus, der Anker grub sich auch ganz ordentlich ein, was das Tauchen im Nachgang zeigte. Er hielt, wenngleich sich die Schleifspur des Ankers nach dem Einfahren noch einmal um zwei Meter verlängert hatte. Am nächsten Morgen waren die Boote um uns herum verschwunden, und schnell ließen wir weitere 25 Meter Kette auslaufen. Das tat gut. Was mir allerdings Sorgen machte, war die Energie, die wir für die Ankerwinsch zum Aufholen des Ankers zur Verfügung stellen mussten, und zwar regenerativ, ohne Motor! Denn der lud definitiv nichts mehr. Nach vielem Kopfzerbrechen und eigenen Messungen mit dem Voltmeter baten wir noch einmal einen Techniker vor Ort, sich unserer Sache anzunehmen. Er kam am nächsten Tag an Bord, hörte sich unsere Geschichte an nd fing an, selbst zu messen. Nach einiger Zeit kam er zu dem Schluss, dass irgendetwas mit der Lichtmaschine nicht stimmen könne. "It's the alternator, I am sure." Hm, das kannten wir ja schon, dass sich jemand ganz sicher ist, aber nachvollziehbar war es schon.
Die Segelfibel von Chris Doyle für das Gebiet verwies uns auf Verrol auf St. Vincent, der uns für Freitag eine Überholung unserer Lichtmaschine zusagte. Klasse, war die Südküste von St. Vincent, wo Errol seine Werkstatt hat, doch nur wenige Meilen (ca. 10) von Bequia entfernt. Und die "Blaue Lagune" war auch eine richtige Marina mit einigen Schwimmstegen, an denen es auch Landstrom gab, den wir so dringend benötigten. Spannend war allerdings, dass die blaue Lagune tatsächlich eine von Riffen umgebene Lagune war mit zwei Durchfahrten, eine 1,7 m und die andere 1,8 m tief. Wobei die 1,8 m-Einfahrt eigentlich ausscheidet, da die Durchfahrt so schmal und gewunden ist, dass man ohne Mike, den örtlichen Lotsen keine Chance hat. Und Mike muss man zur rechten Zeit erstmal erreichen. Die andere NW-Einfahrt mit 1,7 Meter ist die LAT-Angabe aus der Seekarte, also eine Minimum-Angabe, die Tidenhöhe darf man addieren, in dem Falle 20 cm bei Niedrigwasser und 50 cm bei Hochwasser, also zwischen 1,9 und 2,2 Meter. Hochwasser ist um 14:30 Uhr, wir beginnen also das Anker-Auf Manöver um 12:00 Uhr. Wir müssen zweimal wegen Squalls und heftigsten Böen verschieben, der Motor springt an und die Versorgerbatterien stellen die Energie für die Ankerwinsch zur Verfügung. Aufatmen, denn das Aufholen des Ankers bei 20 bis 30 Knoten Wind habe ich vorher auch noch nie gemacht. Und geankert bei Windstärke 6 bis 7 auch noch nicht ...
Die Überfahrt ist kurz, wir lassen das Groß unten. Zwischen den Inseln hat sich inzwischen eine enorme Atlantikdünung aufgebaut, sicherlich fünf Meter hoch. Aber es macht Spaß, und wir wissen, es ist ja nur für eine knappe Stunde so wild. Als wir noch 3 Seemeilen von der Marina entfernt sind befinden wir uns auf der Kreuz mit 2 Knoten Gegenstrom. Das würde länger dauern. Also Motor an. Er tut es nicht. Bleibt stumm. Verdammt. Wieder dasselbe Verhalten wie auf dem Atlantik. Die Starterbatterie hat nicht genug Spannung, das muss es sein, da sie ja nicht von den regenerativen Energiequellen gespeist wird, und jetzt mit der defekten Lichtmaschine auch nicht mehr vom Motor. Das es gerade mal eine Stunde her ist, dass der Motor ansprang, blendete ich wohl aus. Und auch die Messung von 12,77 Volt der Starterbatterie verwunderte mich zwar, aber ich konnte jetzt ja mal die Kabel einsetzen, die ich mir für einen Fremdstart in St. Lucia beschafft hatte. Einfachste Methode ist die Verbindung der Plus-Kabel am Isolator, was die Spannung der Versorgerbatterien auf die Starterbatterie bringt. Keine Reaktion. Gibt's doch nicht. Das hatte mir Kerry aus Bequia doch gerade als sicherste Methode erläutert, wenn die Starterbatterie streikt.
Petra kämpfte parallel mit dem Funkgerät und dem Telefon, um Hilfe aus der blauen Lagune zu bekommen. Wir fragten nach Schlepphilfe, die Marina schlug aber vor, einen Techniker bei uns an Bord zu bringen, der den Motor startet. Auch gut, ich wünschte ihm im Stillen schon mal viel Erfolg.
Inzwischen trieben wir mit der Strömung immer weiter von der Marina weg, die Distanz betrug bereits fünf Seemeilen. Wir blieben einigermaßen panikfrei, da wir als Plan B ja immer noch eine kleine Nachtfahrt zurück zu unserer wohlbekannten Rodney Bay Marina einlegen könnten. Das Schleppmanöver dort kennen wir ja bereits. Etwas ungelegen kam uns die Tatsache, dass der Wind in der Nacht fies zulegen sollte, und auch der Seegang zwischen St. Vincent und St. Lucia sollte übel hoch sein. Naja, soweit war es ja noch nicht.
Petra erfuhr, dass der Rettungstrupp zwar losgefahren sei, uns aber nicht gefunden hätte und deshalb umgekehrt sei. Irgendein guter Geist in der Marine (hinterher erfuhren wir, das es Zilla, die Hafenmeisterin war) brachte das Rettungsteam dazu, nochmal Kurs auf uns zu nehmen. Für uns war es an der Zeit, das Groß zu setzen, um auf der Kreuz etwas schneller zu werden, der Strömung etwas entgegenzusetzen und mehr Höhe zu bekommen. Wir probierten unser neues 3. Reff mit Ein-Leinen- kamen System aus. Als Petra später in einer 30-Knoten Bö wieder mal die Salonfenster wusch (die oberen!), dachten wir, dass das keine so schlechte Entscheidung war.
Und sie kamen. Mit ihrem RIB (Festrumpfschlauchboot) kamen sie längsseits, und Kimron kam an Bord. Kimron ist der Chief Engineer von Dream Yachtcharter in Blue Lagoon, und er hatte ein feines kleines Gerätchen dabei, eine Fremdstartbatterie, die er direkt auf den Anlasser legte. Nicht sofort natürlich, er probierte vorher einige andere Methoden aus (auch die, die ich schon auf dem Atlantik und gerade davor versucht hatte), aber die Methode funktionierte. Der Motor sprang an, dänisch kreuzend fuhren wir zusammen mit Kimron und dem Schlauchboot Richtung blaue Lagune. Als wir hörten, dass Mike das Schlauchboot fuhr, kam das erste Mal sowas wie Spannungsabfall (bei uns, nicht schon wieder an der Batterie) auf. Die einsetzende Dunkelheit machte diese allerdings bei mir wieder zunichte. Wie will er bei Dunkelheit durch die gewundene einigermaßen tiefe Einfahrt kommen? Und die Tide geht stark Richtung Niedrigwasser, das reicht doch nie für die NW-Einfahrt (wir haben mindestens 2,0 Meter Tiefgang, bei der Beladung zur Zeit wahrscheinlich eher 2,10 m).
"He knows what to do, he was grown up here, and he will come on board and take over the helm", meinte Kimrod. O.k., hört sich ganz gut an. Mike kam an Bord und meinte, wir sollten mal die NW-Zufahrt versuchen (..."give it a try..."). Er meinte auch noch, die Tide sei hoch, was ich merkwürdig fand, sich hinterher aber als halbwegs richtig erwies, die Tide hatte um 19:00 Uhr immer noch 40 cm. Die Kurven verlaufen hier offensichtlich anders. Und als er mich informierte, dass der Untergrund in der Einfahrt nur Sand sei, war ich einigermaßen beruhigt. Wir setzten dann dreimal auf, ich konnte aber durch erhöhten Schub immer recht gut über die Huckel des Grundes drüberkommen. Die Flachstelle der Durchfahrt ist kurz, und nach einer knappen Minute wurde es wieder tiefer, wir waren durch. Wir genehmigten uns das beste Restaurant der Marina an dem Abend.
Die Story ist noch nicht ganz zu Ende, aber man kann es kurz machen. Kimron und ichhatten einen neuen Verdacht, die MDI-Box musste es sein. Wir wollten am nächsten Tag zuerst diese austauschen (Dream Yachts hatte eine da, klasse) bevor wir die Lichtmaschine in Angriff nehmen wollten. Zuerst überprüfte KImron allerdings die Batterie mit einem Belastungstester. Batterie I.o. Bevor er anfing, die MDI-Box abzubauen, zeigte ich im noch kurz den wackeligen Schalter der Minuskabel der Starterbatterie. Denselben, an dem Shawn in St- Lucia die Kabel festgezogen hatte. Er prüfte den Schalter mit dem Spannungsmessgerät. "This switch is not working!, war sein lapidarer Kommentar.
Er ist nicht wirklich notwendig, da die Plus-Leitungen ebenfalls mit einem Schalter unterbrochen werden können, und das ausreicht, damit im Falle eines Falles kein Strom fließt.
Alle Minuskabel wurden zusammen auf eine Klemme des Schalters gelegt, und damit der Schalter außer Funktion genommen. Der Motor sprang an, die Lichtmaschine lud die Batterien. Elektrotechnik kann so einfach sein.

Weihnachten und Silvester auf Saint Lucia

11 January 2020 | Rodney Bay, St. Lucia
Alfred | Immer sehr warm, frischer Wind, manchmal Schauer
Völlige Entspannung. Die Rodney Bay Marina auf Saint Lucia ist einfach nur angenehm. Nichts was nervt, nichts, was stört, alles ist schön. Bei Elena, einer echten Italienerin gibt's eine Pizza, die uns schon in Cuxhaven empfohlen wurde sowie, was für Alfred immer ein absolutes Highlight darstellt, echtes italienisches Eis. Die umliegende sogar hügelige Landschaft ist grandios, tolle Strände, alles ist grün, da es recht oft kurz schauerartig regnet, was einen die Hitze leichter ertragen lässt. Und es weht immer eine mehr oder weniger starke Brise, die auch ein wenig kühlt. Wir ließen es langsam angehen. Wir brauchten Erholung. Unser Bötchen wollte gepflegt werden, seine Wunden lecken. Sprayhood und Groß waren lädiert, und der Motor sprang nicht an. Das Boot war voller Salz, trotz des Regens, und viele Chromteile zeigten Roststellen. Von anderen Seglern lernten wir, wie wir diese Schwächen abstellen konnten. Segelmacher, Bootsservice, Motorservice, waren die Tipps. Genau das Richtige, um beide Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, Boot in Ordnung bringen und trotzdem ausruhen, faul sein. Groß und Sprayhood mussten an- und abgebaut werden, kleinere Optimierungen standen ebenfalls an, wie Ankerkette markieren, Dinghi mit Außenborder aufbauen, 3. Reff als Ein-Leinensystem einziehen. Das Motto war: alle zwei Tage ein Projekt am Boot. Denn Weihnachten und Silvester stand vor der Tür und das wollte ja auch gebührend gefeiert werden. Ein glücklicher und origineller Zufall wollte es, dass wir zusammen mit den drei anderen Booten die zuletzt ins Ziel gekommen sind, an einem Steg lagen: der Lubilu III aus England - die auch schon in Las Palmas neben uns gelegen hatte; der Karhamel IV aus Frankreich und der Kia Ora aus Deutschland. Die vier Loser bildeten sozusagen eine Schicksalsgemeinschaft. Und was für eine! Einen Tag vor Heiligabend lud Graham von der Lubilu zum Buffet, und Heiligabend trafen wir uns zum Dessert erst auf der Milena Bonatti zum Obstsalat, dann auf der Karhamel zum Far Breton. Tagsüber immer wieder Gespräche über die Überfahrt, Graham hatte Spaß, seine Erfahrungen zum unvorhersehbaren Verhalten von Versorger- und Starterbatterien zum Besten zu geben, da unsere Motor-Startschwierikeiten ja offensichtlich auch mit der Batterie zu tun hatten. (Wer sich für die technischen Details unserer Motorprobleme interessiert, den möchten wir auf den Bericht "Dein Motor, das unbekannte Wesen" in einem separaten Post verweisen.)
Am 1. Weihnachtstag wurden wir zu einem Pot Luck (jeder bringt was mit, wie beim Sommerfest des YCG) der lokalen Langzeit-Segler der Rodney Bay Marina eingeladen. Ein Schicksalsfest. Lernten wir dort doch Norman und Anne kennen, ein Seglerpaar aus Florida. Alfred und Norman tauschten ein wenig ihr Leben aus, und entdeckten, dass sie neben dem Segeln und dem Business-Life auch noch das Gitarrespielen und das Bergsteigen gemeinsam hatten. Ziemlich bald wurden Pläne geschmiedet, die beiden Pitons (zwei sehr exponierte und steile 700 Meter hohe Berge auf St. Lucia) gemeinsam zu besteigen. Es gesellte sich noch Julia hinzu, die auf der Kia Ora über den Atlantik gesegelt war. Der Abschied der Kia Ora war großes Kino, mit vielen Leuten auf dem Steg, Winken, Hoch-Rufen und Tröten. Mit Julia machten wir am nächsten Tag einen Spaziergang zur Pigeon Island, von deren Hügeln man einen hübschen Ausblick auf die Rodney Bay hat. Abends ging es dann noch zum Gros Islet Jump-up, so was wie ein Straßenfest, das gegen Mitternacht zu einer wilden Disco auf der Straße ausarten soll, so haben wir gehört. Denn nach einem Fisch vom Grill waren wir um 10 Uhr wieder in der Marina, und Norman und Anne, die beide auch gerade ihr Rentendasein begonnen hatten, waren dankbar dafür.
Am nächsten Tag dann wieder Projekt. Großsegel und Reffs neu einziehen. Und Planung für eine St- Lucia-Inseltour. Die Pitons wollten wir ja mit dem Boot erkunden, aber die Gegend um Soufriere mit den Sulfur Springs, Wasserfällen und einem botanischen Garten wollten wir von Land aus mit dem Taxi erkunden. Norman als ehemaliger Sales Man handelte einen vernünftigen Preis aus, und wir verbrachten einen typisch touristischen Tag.
Graham von der Lubilu III verließ uns noch vor Silvester. Ein so lustiger und herzlicher Mensch, der uns ohne zu zögern bei unserer Ankunft seinen Stecker-Adapter für Landstrom überlassen hatte. Von der Kia Ora war nur Julia noch da, dafür waren Norman und Anne dazugekommen, die uns Silvester auf Ihren Katamaran einluden. Die Franzosen von der Karhammel waren auch dabei. Und das Feuerwerk am Strand der Rodney Bay durfte natürlich nicht fehlen, dass wir mit dem Wassertaxi ansteuerten So manches Gespräch bis tief in die Nacht wurde geführt, Iren, Amerikaner, Franzosen, Deutsche, alle waren zusammen glücklich. Überhaupt, die internationalen Freundschaften, die wir in Saint Lucia immer wieder unter den Blauwasserseglern fanden, das ist tatsächlich beeindruckend und auch sehr schön.
Wir wollten dann aber auch mal los. Das Dinghi und der Motor mussten noch klargemacht werden, das klappte gut, und die Abfahrt wurde dann auf den späten Nachmittag des 2. Januar gelegt, um zuerst einmal in der Rodney Bay zu ankern. Wie das geht, hatten uns nämlich Ute und Uwe gezeigt, die uns mit ihrem Dinghi auf ihren Katamaran eingeladen, uns viele tolle Empfehlungen gegeben hatten und mit uns ins fast 30° warme Wasser gesprungen sind. Man friert hier nie, selbst im Wasser nicht. Eine besondere und für uns Nordeuropäer elementare Erfahrung.
Direkt nach dem Anlassen des Motors vibrierte alles um den Motor herum sehr stark; die Tür der Nasszelle und der Achterkoje, ja sogar die Niedergangstreppe. Rückwärtsfahrt vom Steg weg, war kaum möglich. Wir fuhren mit geringer Drehzahl noch ein Stück in der Boxengasse, trieben dann aber auf andere Boote zu, ohne ausreichend abbremsen zu können. Wir störten dann die Crews von zwei deutschen Segelbooten beim Abendessen, die aber super-verständnisvoll reagierten, und uns mit Dinghi halfen, wieder zurück zu unserem ursprünglichen Liegeplatz zu kommen. Danke.
Am nächsten Tag baten wir dann einen Taucher, mal nachzuschauen, was denn den Propeller daran gehindert hat, uns anzutreiben. War natürlich ein Fest für ihn, da er uns Tage vorher seine Dienste genau zu diesem Zweck angeboten und wir abgelehnt hatten. "Was soll da schon dran sein, auf dem nächsten Ankerplatz schauen wir uns das selbst mal an." Es war ein Tampenknäuel. Glück gehabt, dass wir bei dem Geschüttel des Motors nichts kaputt gemacht haben. Und Pech, dass wir uns das Ding eingefangen haben. Seit dem Motorstartproblem auf dem Atlantik vor nun immerhin fast 5 Wochen hatte sich der Propeller nicht mehr gedreht, da wir alle Tests immer im Leerlauf durchgeführt hatten. Wer weiß, wann und wo wir uns das Knäuel eingefangen haben.
Mit Verspätung machten wir uns dann am nächsten Tag ohne das um den Propeller gewickelte Seil auf zu den Pitons. Ein sensationeller Ankerplatz. Die Wiedersehensfreude mit Norman, Anne und Julia war groß, auch wenn Alfred auf die Gros Pitons zusammen mit Norman verzichten musste.
Der Plan war nun, in Soufriere auszuklarieren, und dann an St. Vincent vorbei bis zur Bucht von Port Elizabeth auf Bequia (gesprochen: Backway) zu segeln, einem Highlight des Gebietes "St. Vincent and the Grenadines).
Die Zeit auf Saint Lucia nach der Überfahrt war so anders, als unsere bisherigen Erlebnisse. Geprägt durch das Zusammensein mit anderen Menschen, besonderen Menschen (wie jeder von uns), und wir sind dankbar für diese Zeit.


Finishing Line

22 December 2019 | Saint Lucia, Rodney Bay Marina
Alfred+Petra Punke+Pavlisin | Sunny, windy, 30°C
Paradiesvögel. Lichter vor uns, das sind keine andren Schiffe, keine Sterne. Es muss Saint Lucia sein, und Martinique. Zum Greifen nahe, Distanz Großenbrode - Gedser (Alfred wandelt immer alle Distanzen in Ostsee-Törndistanzen um ...). Was für ein überwältigendes Gefühl, Alfred kommen fast schon jetzt die Tränen. Petra will sich noch einmal für ein Stündchen ausruhen. Auf Legerwall Richtung St- Lucia Ostküste, wir schaffen es nicht ganz, mit unserem Kurs durch die Lücke zwischen St. Lucia und Martinique durchzukommen. Ich (Alfred) brauche Petra für das Umbauen/Abbauen des Bullenstanders. Sieben Seemeilen vor der Küste halte ich es nicht mehr aus, es sieht viel dichter aus. Petra baut ihn ab, und wir setzen keinen Neuen, nur fünf Meilen bis zum nächsten Shiften in die Rodney Bucht hinein, das muss mal so gehen. Wir gehen etwas höher ran als nötig, zur Sicherheit. Nur nicht zu guter Letzt noch Mist bauen. Von Weitem sehen wir die Bucht, ein Club Med Viermaster liegt dort vor Anker. Plötzlich über Funk: "Meilinä Bunätti, Meilinä Bunätti, this is Arc Finish Line. Welcome to Saint Lucia Rodney Bay!" Und dann kommen Informationen zum Schleppboat, und wo wir es treffen. Jetzt sind wir wirklich aufgeregt. Überall Boote und Ankerlieger. Petra weiß von früheren Zielankünften, dass ein Fotograf da sein wird, der aus seinem Rib heraus Bilder von uns schießt (wir werden Einige in die Gallery stellen). Sie möchte gerne Groß und Genua auf dem Foto haben. Wir donnern bereits mit 7 Knoten nur mit Groß im ersten Reff dahin. Trotzdem ziehen wir noch die Genua ein Stückchen heraus. Plötzlich tauchen Ute und Uwe mit ihrem Rib näher. Wir erkennen Sie von Weitem noch nicht, aber sie halten eindeutig auf uns zu. Ein ersten Begrüßungskommitee, wir sind überwältigt und johlen.
Wir sollen auf einen kleinen Dreimaster zuhalten, dort soll die imaginäre Ziellinie sein. Backbord oder Steuerbord lassen? Ich hatte die offizielle Ziellinie auf dem Plotter mit einer data line markiert, aber irgendwie sind wir so im Stress (wir fahren inzwischen 8 Knoten), dass wir den Dreimaster Steuerbord lassen, obwohl sich die Zielline auf der anderen Seite befindet. Jetzt sehen wir auch das andere ARC-Zielboot, sie haben die Ziellinie für uns aufgestellt! Petra besteht darauf, die amtliche Ziellinie zu überfahren. Also Q-Wende und zurück. Es ertönt sogar ein Ziellinien-Ton. Wir drehen wieder ab, fahren zum zweiten Mal an dem wartenden Wasser-Schlepptaxi vorbei, sie rufen uns etwas zu, wir ihnen auch, aber keiner versteht etwas. Im Nu sind wir wieder mehrer hundert meter von Ihnen entfernt. jetzt aber schnell das Groß runter, und mit der stark eingeroltten Genua zurück zum Schlepper. Ich will schon die bereitgelegte Schleppleine vorne mit Hahnepot um die beiden Bugklampen befestigen, da kommen die Rasta-Crew längsseits. „Just one fender, we have a tow line. Tell us, when you are ready to take in the sail.” Alles läuft total entspannt ab! No stress, Petra steuert ein wenig mit, wir geben den Beiden unsere Hupe und als wir in die Einfahrt der Marina fahren, fängt der eine Rasta Man an, die Hupe zu betätigen. Sie ist laut, es ist 09:30 morgens, schätze, der ein oder andere empfindet es sie Wecker. „Only for you, it’s your arrival!“ Überall stehen Menschen auf den Stegen, hupen zurück und winken. Ein überwältigendes Gefühl, gut das ich (Alfred) meine Sonnenbrille aufhabe… Auch Petra konnte jeder ansehen, als ob ihr diese Ankunft sehr, sehr nahe ging. Ein ganz besonderes Gefühl dann noch, als wir Graham von der Lubilu III am Steg sehen, und Anja und Ralf von der Lamitye, Uta und Michael von der Daphne und dann die Yellow Shirts von der WCC, insbesondere Clare, die uns mit ihrem „don’t worry about“ so viel Mut gemacht hat, als wir ihr in Las Palmas berichteten dass wir möglicherweise eine Woche später starten könnten. Das Anlegemanöver wurde von den Rasta Men, perfekt organisiert, das entspannteste Anlegemanöver der ganzen Reise. Dann Rumpunsch, eiskalt, Fotos, Umarmungen, Glückwünsche, 50 Leute am Steg, selbst der Chef der WCC, Andrew Bishop schüttelte uns die Hand.
Den Rest des Tages erlebten wir wie in Trance. Völlig übermüdet erledigten wir die Behördengänge,redeten mit den Leuten, die wir kannten und denen wir begegneten. Wir hörten, dass wir die Ankunft mit der größten Aufmerksamkeit bekommen hatten. Jeder wusste, ein Schiff kommt noch und alle waren auf Ihren Booten und winkten. Dann noch Geld ziehen, am dritten Automaten in Rodney Bay waren wir endlich erfolgreich, Pizza essen, duschen, und schon ging’s los mit dem Taxi zum Veranstaltungsort der Prize Giving Party. Beim Schlangestehen konnte ich (Alfred) nicht mehr sprechen, mir ist im wahrsten Sinne des Wortes die Spucke weggeblieben, so heiß war es und so viel Nachholbedürfnis hatte ich.
Ja, wir mussten/durften auf die Bühne. Sogar zweimal. Das erste Mal als eins von acht double-handed Crews (von ca. 200 Booten!) und das zweite Mal als „Last Ship In“. Das war ein wenig lustig. Musste ich (Alfred) doch erst an der ARC teilnehmen, um in meinem Leben das erste Mal Letzter zu werden. Kein schlechtes Gefühl im übrigen. Eine tolle Gemeinschaft, diese ARC, Wundervolle Menschen, auch die WCC-Organisatoren, herzlich und gleichzeitig 100% professionell.
Wir sind sehr, sehr glücklich. Es schaukelt nicht mehr. Der Kampf ist vorbei. Siegreich. Abwaschen im Hafen wird zum Kinderspiel. Doch dazu mehr im nächsten Post, in dem wir unsere Reise Revue passieren lassen werden.
Fröhliche Weihnachten.

Barfußroute - sie ist da!

20 December 2019 | Nordatlantik - 170 Seemeilen östlich vor St- Lucia
Alfred and Petra
Ich (Alfred) habe es schon ein paarmal zu Petra gesagt: „so habe ich es mit immer vorgestellt, auf der Barfußroute über den Atlantik zu segeln�". Bisher war das nie von großer Dauer gewesen, die nächsten Squalls kamen
spätestens am Abend. Diesmal scheint es aber wirklich anders zu sein. Mit moderaten 15 bis 20 Knoten Wind von achtern segeln wir unter Genua dahin, lassen uns sanft wiegen von der recht langen und nicht allzu hohen
(ca. 2 m) Atlantikdünung, die hier mit einer Periode von 6 bis 7 Sekunden angegeben wird. Nur gab es ein Problem, die Genua allein machte uns zu langsam. Zu langsam zumindest, um wie geplant am Samstag im Laufe
des Tages anzukomen. Nachdem alle Nachtwachhabenden ausgeschlafen hatten und Frühstück und Mittagessen durch waren, - das war so um 14:00 Uhr - fassten wir einen Entschluss. Wir brauchen mehr Segel, das Groß
muss wieder her. Nun war es ja so, dass wir ein Riss um Vorliek hatten, ein Rutscher ausgerissen war und der Mantel der Leine des zweiten Reff an der Achterliek-Kausch durchgescheuert war. Petra meinet zwar, so kann
man noch wochenlang fahren, aber es sah irgendwie für mich nicht gut aus. Hinzu kam, dass im 3. Reff noch alle Leinen eingebunden waren. Jedenfalls benötigten wir für die ganze Aktion drei Stunden, allerdings inclusive
Abkleben des Risses bei angeschlagenem Segel. Wir sahen dann noch, das die oberste Segellatte abgebrochen war, wir nahmen sie raus, sie ist ja nur recht kurz und wird und vorm Wind nicht allzu sehr fehlen. Im 2. Reff
machten wir auch noch nicht so richtig Fahrt, konnten aber etwas tiefer fahren, mit besserem Kurs Richtung Ziel. Wir probierten das erste Reff im Groß. Das ist dann schon ein wenig mehr Segel, falls Squalls oder Böen
größer 25 Knoten kommen würden, ginge es noch, aber man fühlt sich schon ein wenig unwohl. Vor allem mit einem Segel, das schon einige Macken aufweist. Also kleines Risiko, aber vertretbar.
Damit ging's dann flott voran, wir kamen wieder über 6 Knoten. Ach ja, hinzu kommt noch, dass wir unsere Energieversorgung nur sicherstellen können, wenn wir ein wenig Fahrt machen, sprich über 6 Knoten, sonst
bringt der Hydrogenerator zu wenig. Um 17:00 Uhr waren wir dann mit allem fertig. Zur Entschuldigung sei vielleicht gesagt, dass wir ja ohne Motor sind, also alle Aktionen mit dem Groß über Am-Wind-Kurse ablaufen
müssen. Dann muss man manchmal an die Baumnock, also alles zurück, so vergeht die Zeit.
Schade, dass wir die Passatsegel nicht nutzen können. Die wären jetzt genau richtig. Aber die Genua runterzuholen, und zwei je 40m2 große Passatsegel bei Bft 5 auf See einzuziehen, das ist dann doch was für die ganz
Harten, aber nicht für uns.
Da wir mit der Genua relativ weit nach Süden abgedriftet waren, gingen wir mit dem Groß auf Bb-Bug. Der Wind drehte aber immer mehr nach ESE und nötigte uns mitzudrehen, so dass wir uns um Mitternacht schon
wieder weit nördlich der ursprünglichen Route befanden. Würden wir so weiter fahren, wäre ein Ankommen am Samstag auch in Frage gestellt. Also wichen wir von unserer Regel ab und shifteten das Groß. Dazu muss
man auf's Vordeck, um den Bullenstander von der einen auf die andere Seite zu wechseln. Petra hat da ein sehr gutes System erarbeitet und war auch bereit, in der Nacht den Wechsel zu machen. „Das können wir doch im
Schlaf�", meinte sie. Nun, mit der Deck Flush Light�", einem Strahler oben am Mast war das Vorschiff fast taghell erleuchtet, so dass die Aktion vertretbar war. Petra erledigte den Wechsel sicher (immer gesichert mit zwei-
Leinen Sicherungsgurt) schnell. Noch kurz gehalst, und der neue Kurs lag an, fast ein Anlieger auf das Ziel. Noch 170 sm und 30 Stunden. Wir schaffen es.
Dann gab's noch ein First Class Menü a la Milena Bonatti: Entrecote mit grünen Bohnen und Basmati-Reis. Die Sonne ging gerade unter, als wir aßen, oder dinierten, sollte man sagen. Schön.
Clare von der WCC/ARC Organisation hat uns eine sehr ermutigende, ja fast rührend liebe Mail gesendet als Antwort auf unsere Fragen, wie das mit dem Schleppen so vor sich geht in Rodney Bay. Hört sich alles sehr gut
an, die WCC kümmert sich rührend um uns. Vielleicht wid's ja noch was mit der Preisverleihungsparty am Samstagabend.

Alles versucht

19 December 2019 | Nordatlantik - 250 Seemeilen östlich vor St- Lucia
Alfred and Petra
Über Satellitentelephon erhielten wir genaue Anweisung zur Fehlerdiagnose des Mtors und zum weiteren Vorgehen. Der Motor selbst, die Batterie oder der Anlasser sind die Hauptverdächtigen. Der Motor ließ sich
durchdrehen, scheidet also aus. Die Batterie ist neu, die Pole sitzen fest und sie zeigt 12,5 Volt, ist also auch eher unwahrscheinlich. Alle Relais und Schaltungen wurden überbrückt direkt am Anlasser, an die Klemmen war
nicht leicht ranzukommen, aber trotzdem hätte das schon funktionieren müssen. Zur Sicherheit wurde noch die Relaisbox abgebaut, und die Batterieklemme mit der Startklemme verbunden. In beiden Fällen gab's beim
ersten Kontakt ein kurzes Klack, danach nichts mehr. Alles deutet auf den Anlasser hin. Trotzdem werden wir in St. Lucia den Motor zuerst mal mit externer Batterie und Fremdstartkabel versuchen zu starten, um
sicherzustellen, dass es doch nicht die Batterie ist. Danach muss dann der Anlasser getauscht werden. Danke an Iridium (Wahnsinn, man kann auf dem Atlantik genauso telefonieren wie zu Hause; kostet allerdings 1,30 € /
min) und Yachttechnik Fehmarn/Yachtwerft Klemens, die hier so sehr hilfsbereit unterstützt haben. Schweißgebadet - es sind immer so 29 C im Bootsinneren gaben wir auf. Reinschleppen lassen in St. Lucia und fertig.
Die ARC-Organisation wird uns helfen, ein Schlepp-Taxi zu bekommen und auch im Hafen werden Marinieros mit Schlauchbooten unser Anlegen begleiten. Sollte klappen.
Danach konnten wir dann das Segeln so richtig genießen. Es ist jetzt sehr beeindruckend, zu erleben, wie das Boot mit den - ja, manchmal - fünf Meter hohen Wellen klarkommt. Wenn dann wieder mal so ein Tal mit einer
Wasserwand hinter einem auftaucht, das ist schon außergewöhnlich erlebnisreich. Und da es jetzt schon 1000 mal geklappt hat, sind auch alle Befürchtungen und Ängste fort und wir freuen uns einfach nur, dem
Schauspiel beiwohnen zu dürfen.
Die Vorfreude auf den Landfall wird größer, wir empfinden sowohl eine Entspannung vor dem Hintergrund der weniger als 250 Seemeilen kurzen Distanz die es noch zu überwinden gilt. Das hilft eben auch beim
genießen, s.o. Aber auf der anderen Seite ist auch eine Erregung spürbar. Wie wird es sein, nach drei Wochen in einer völlig fremden Umgebung auf festem Boden zu stehen? Müde und kaputt direkt zur
Preisverleihungsparty, mit Rumpunsch im Bauch?
Vessel Name: Milena Bonatti
Vessel Make/Model: X-Yachts, Xc 38
Hailing Port: Großenbrode, Germany
Crew: Petra Pavlisin, Alfred Punke
About: Petra has been sailing high seas for a few years now. Alfred has been sailing the Baltic and the North Sea since 2000.
Extra: We are planning a circumnavigation of the globe, crossing the Atlantic with ARC 2019, heading to New York 2020 and westward after
Milena Bonatti's Photos - Main
Admiralty Bay Sugar Reef Beach Turtle Sanctuary
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