Petra and Alfred at Sea

22 May 2020 | St. Anne Anchorage, Martinique
07 May 2020
03 May 2020 | Le Marin, Martinique
14 April 2020 | Le Marin, Martinique
10 April 2020 | Le Marin, Martinique
04 April 2020 | Le Marin, Martinique
30 March 2020 | Martinique, Le Marin
27 March 2020 | Martinique, Le Marin
27 March 2020 | Martinique, Le Marin
20 March 2020 | Martinique, Le Marin
18 March 2020 | Le Marin, Martinique
10 March 2020 | Mustique
10 March 2020 | Clarkes Court Bay
02 March 2020 | Grenada - Clarkes Court Bay
24 January 2020 | Union Island
18 January 2020 | Bequia
11 January 2020 | Rodney Bay, St. Lucia

Yes!

22 May 2020 | St. Anne Anchorage, Martinique
Alfred | Sunny, fresh breeze
Jeder Segler weiß es, besonders die Karibiksegler. Wir haben es ignoriert, weil wir die Bequemlichkeit und auch Sicherheit suchten, die eine Marina noch dazu in Zeiten einer Pandemie bietet. Immer sind Strom und Wasser verfügbar, das Boot liegt sicher am Steg auch bei starken Winden, und Toiletten und Müllentsorgung geben ein gutes Ökologiegefühl. Entscheidend war aber auch die Nähe zu medizinischer Versorgung, wenn denn doch mal was passieren sollte. Martinique verfügt über gute Krankenhäuser, ein SARS-CoV-2-Test wäre leicht möglich.

Was wir aber seit gestern Mittag erleben, pulverisiert all das zu einem Nichts. Die Schönheit und Erlebnistiefe des Ankerns ist einfach unendlich beeindruckend nach einer fast zweimonatigen Abstinenz. Vor allem auch deshalb, weil wir unser Ankergeschirr verbessert haben. Ich hatte mich immer ein wenig unwohl gefühlt in den Böen mit mehr als 20 Knoten, denen wir in Bequia und auch in der Clarkes Court Bay auf Grenada immer wieder ausgesetzt waren. Die Haltekraft eines 16 kg Delta Ankers ist schon nicht überragend im Vergleich zu den Rocnas, Spades oder sogar Ultra Marines dieser Welt (das sind Ankertypen), und 16 kg ist eben auch nicht üppig für ein 10 Tonnen Schiff. Dazu kommt unsere Kette, 50 Meter mit 8 mm Durchmesser. Empfohlen wird eigentlich immer und überall mehr Länge, speziell dann, wenn viel Wind weht. Ich könnte jetzt hier tief eindringen in die wissenschaftliche Betrachtung dieses Themas, es gibt tolle Artikel zum Thema, auch bin ich seit neuestem Mitglied der X-Yachts Owners Association, dort wird ausführlich über solche Themen debattiert. Ich erspare den Lesern dieses Blogs das mal, nur kurz: wir haben uns einen wunderbaren "Spade"-Anker zugelegt, 20 kg schwer, dessen Haltekraft in allen Tests ausgezeichnet abschneidet, deutlich besser als die eines Delta Ankers mit 16 kg. Dazu eine 80 m lange Kette. Es war ein wenig wie Weihnachten, als wir die Kette mit dem Anker erfolgreich installiert hatten. Ich fühle mich so sicher jetzt beim Ankern, und das macht den Unterschied aus zwischen Genuss und Sorge.
Ein Sonnenuntergang, der weite Blick auf das glitzernde Meer, das langsame Aufleuchten der Lichter an Land. Das Leben ist schön. Hinzu kommt das schöne Gefühl, den Dengue-Moskitos davongefahren zu sein, denn in der Marina war schon die ein oder andere Mücke unterwegs, und der Süden Martiniques gilt als Hochrisikogebiet des Dengue-Fiebers. Deutlich mehr Denguefieber-als Covid-19-Fälle! Mücken gibt's hier draußen vor Anker nicht mehr, es weht auch ein beständiger Wind um die 20 Knoten, dagegen kommen sie wohl nicht an. (Das wäre schon eine Ironie des Schicksals gewesen, mit Fieber und Angst vor Corona zum Arzt zu gehen, und eine gute und eine schlechte Nachricht zu erhalten: Covid-19-Test negativ, aber Dengue-Fieber...).

Letzten Montag haben wir das erste Mal seit zwei Monaten, also seit dem Beginn der Maßnahmen gegen Covid-19 hier auf Martinique wieder auf der Escape zusammengesessen, nicht genau wissend, ob es vielleicht die Abschiedsfeier für Annemarie und Volker sein würde. Mit viel Distanz, aber eben auf dem Schiff, und nicht jeder in seinem Dinghi. Das war sehr schön und voller Wehmut haben wir den beiden alles erdenklich Gute gewünscht für Ihre Reise zur Chesapeake Bay, die ja eigentlich auch unser Ziel war. Ein wenig Neid kam da schon auf, aber auch Motivation, unsere Abfahrt anzugehen.

Auch Alan, der Einhandsegler mit seinem 26-Fuß Wave Rover machte sich auf den Weg nach Kanada, ein weites Stück, vor allem, wenn man quasi ohne Motor unterwegs ist und mit großer Wahrscheinlichkeit auf ausgedehnte Flautengebiete trifft. Auch das zeigte uns, es ist an der Zeit, das Lockdown-Verhalten zu ändern und wieder auf "Action" umzuschalten.

Die letzten Tage vor der Ausfahrt zum Ankern haben wir also erstmal für einige Unternehmungen mit dem Mietwagen genutzt:
• eine Autotouristen-Tour zum Diamant, der Insel vor der Südküste Martiniques, mit immer wieder tollen Ausblicken auf den Diamanten, und dem ersten "losen" Eis seit zwei Monaten in einem italienisch anmutenden Eisgeschäft in Le Diamant, dem zugehörigen Küstenort.
• eine Wanderung entlang der Küste der Halbinsel La Caravelle, auch mit einem tollen Ausblick vom dortigen Leuchtturm, zu der wir ein wenig spät aufgebrochen und deshalb voll in die Hitze gekommen sind. Selten habe ich so geschwitzt.
• Deshalb sind wir, wie es uns auch von vielen empfohlen wurde, zum Montagne Pelée sehr früh aufgebrochen, 4 Uhr Aufstehen, fast zwei Stunden Autofahren, so dass wir um 7 Uhr am Beginn der Wanderung auf 800 m Höhe ankamen. Wir waren ein wenig überrascht nach der Hitzetour auf der Caravelle, dass es dort neblig war und frische 20°C. Und wir hatten nur T-Shirts dabei. Bis auf den Kraterrand in 1300 m Höhe war auch alles o.k., aber dort wehte es dann doch sehr, und wir entschlossen uns, an der Stelle umzukehren. 500 Höhenmeter sehr steil bergan und bergab war dann auch unserem Trainingszustand sehr angepasst. Und sehen konnte man da oben eh nichts. Erst als wir wieder unten waren, riss der Nebel manchmal auf und wir konnten den gesamten Berg hin und wieder gegen den blauen Himmel bewundern. Möglicherweise sind wir in diesem Falle ein wenig zu früh gestartet.
• So hatten wir noch ein wenig Zeit, uns die Habitacion St Clement, eine DER Rumsorten auf Martinique und vielleicht sogar in der Karibik anzuschauen, wo sich sogar George "W" Bush und Mitterand schon mal getroffen hatten. Schöne Gegend, nur war leider außer dem Geschäft zum Rumverkauf die gesamte Anlage mit den schönen Gebäuden und dem Park mit einem Skulpturengarten geschlossen. Schade.

Hinzu kamen die üblichen Basteleien am Boot: eine letzte Winsch überprüfen, das Handfunkgerät checken, die Schalter der Starterbatterie, die uns auf dem Atlantik den Motor ausgeschaltet hatten ersetzen, das Vorsegel wieder einziehen, Wasser auffüllen, bei der Marina abmelden, den MRCC über unsere Pläne unterrichten, in Grenada bei der zuständigen Organisation einen "time slot" anmelden, Trinkwasser bevorraten, Vorräte ergänzen. Wir haben nach 200 h Laufzeit den Motor mal wieder warten lassen. Was gut war: der Techniker des Volvo Penta Service vor Ort empfahl uns, ein Abgasrohr zu tauschen. Die Begutachtung nach Ausbau zeigte bereits starke Arteriosklerose, das wäre nicht mehr lange gut gegangen. Gute Leute hier! Und ein Taucher hat Milena Bonattis Bauch noch mal ordentlich geschrubbt, das mag sie. Und wir können die Logge verwenden und Saildrive und Propeller sind auch sauber.

Ach ja, und dann war da ja noch mein Geburtstag. Den haben wir sogar auf unserem Boot im Cockpit mit Philipp von der Artemis und Heike und Jürgen von der Valentin sehr nett gefeiert. Heike und Jürgen haben wir schon auf der Boot 2019 in Düsseldorf auf dem Blauwasserseminar kennengelernt. Als Heike dann als Mitglied in einer Whattsapp-Gruppe mit vollem Namen auftauchte, stellte ich fest, dass sie bereits in meinen Kontakten verzeichnet war. Manchmal sind die sozialen Medien eben doch zu was gut. Auch weil es schön ist, selbst über eine Whattsapp zu spüren, dass doch der/die eine oder andere aus der Heimat an einen denkt.

Jetzt freuen wir uns auf eine Woche vor Anker mit einem tollen Blick auf St. Anne und die Südküste von Martinique, sogar der Diamant ist im Dunst zu sehen. Und ab heute ist Segeln in den Hoheitsgewässern Martiniques (12 Seemeilen) tagsüber sogar wieder erlaubt, vielleicht schauen wir uns den Diamant mal von See an. Oder wir versuchen, Martinique noch einmal zu umrunden (siehe Blog-Post: "Ein phantastischer Törn").
Danach geht's noch mal kurz in die Marina, um die Seilführung der Steueranlage einzustellen, und dann segeln wir nach Grenada. Dort dürfen wir dann sogar 14 Tage ankern (Quarantäne an Bord). Schon merkwürdig, sich auf eine Quarantäne zu freuen. Yes!

Endlich bewegt sich was

09 May 2020
Petra | wonderful, 30 degrees celsius
Es gibt Neuigkeiten! Eben hat Alfred das "haul out und storage", also das Kranen und den Platz in der Werft in der Grenada Marine im Süden Grenadas gebucht! Nach ewigem Hin- und Her, dem Abwägen, wo wir das Boot am besten an Land stellen können, wo es am sichersten ist, wo wir einen Flug nach Deutschland bekommen, wo, wie und wann wir einreisen können, also welche Quarantänebedingungen es in Grenada, welche es in Curacao gibt, haben wir endlich eine Entscheidung getroffen. Es liegt mit daran, dass endlich eine Werft (von dreien auf Grenada) auf unsere Anfrage geantwortet hat. Das hat ungefähr zwei Wochen und vier E-Mails lang gedauert, wobei wir in den Betreff der letzten E-Mail den Begriff "Urgent" setzten, um Eindruck zu machen. Nach den neuesten Informationen von Grenada hieß es nämlich - nach dem Prinzip "Huhn oder Ei" - wir bräuchten zuerst eine Bestätigung einer Buchung für eine Marina oder eine Werft, bevor wir einklarieren könnten. Obwohl wir immer noch nicht genau wissen, ob und wann wir einen Flug von Grenada nach Deutschland bekommen, wollten wir eine Entscheidung, bevor wir möglicherweise den am 6.5. angebotenen Platz verlieren. Gerade habe ich gesehen, dass es heute zwei Flüge nach Trinidad, einen nach New York und einen nach Miami gab, der gestrichen wurde. Es gibt also Flüge. Wir hoffen und glauben jetzt einfach, dass es im Juli Möglichkeiten geben wird, nach Deutschland zu kommen, wenn auch über Umwege.

Als wir am 7.7.2019 von Großenbrode losgesegelt sind, hätten wir uns in unseren wildesten Träumen nicht vorstellen können, eines Tages eine Pandemie mitzuerleben, eines Tages nicht frei entscheiden zu können, in welches Land wir segeln, nicht frei entscheiden zu können, wo wir uns auf Martinique bewegen, wen wir treffen und wie lange. Wer hätte sich je gedacht, dass unsere Freiheit eines Tages so sehr eingeschränkt werden würde. Wenn ich unsere Situation mit etwas Distanz betrachte, also aus dem Alltag in der Ausgangssperre kurz austrete, dann denke ich manchmal, wir sind in einer Dystopie, in einem Science Fiction-Film. Die meiste Zeit jedoch haben wir uns nach und nach immer mehr an diese außergewöhnliche Situation gewöhnt, die dadurch normal wird und machen das Beste daraus. Wir lesen in der internationalen als auch der deutschen Presse von Protesten und versuchen die Menschen zu verstehen, die mehr unter den Veränderungen leiden als wir. Manchmal zweifeln auch wir an gewissen Maßnahmen, sehen uns aber nicht in der Lage, etwas zu verändern. Wir hoffen nur, durch unser Verhalten zu einer Verbesserung beitragen zu können.
Wie sieht unser Alltag in der Ausgangssperre aus?
Fast jeden Morgen machen wir unsere kleine Wanderung (ca. 1,5 Stunden) auf den Hügel, auf dessen Gipfel die Kapelle steht. Auf dem Rückweg freue ich mich schon auf den Bäcker. Wir holen dort ein frisches Baguette, manchmal ein Croissant Amandine und ein Stück Kuchen. Dann folgt das "ewige Frühstück", manchmal bis 10, 11 oder 12 Uhr. Schon ist der halbe Tag vorbei! Wir wundern uns manchmal, wie schnell die Tage vergehen und wie wenig Zeit dann noch übrig ist. In der Mittagshitze vermeiden wir große körperliche Anstrengungen und lesen, schreiben E-Mails oder Posts (wie jetzt), gehen einkaufen oder machen Wäsche im Waschsalon hier im Marina-Gebäudekomplex (ca. einmal pro Woche). In letzter Zeit hat Alfred vor allem viel organisiert, damit das Boot in Hurricanes versichert ist und wir einen Platz für das Boot bekommen, also E-Mails geschrieben und telefoniert. Ein bis zwei Mal pro Woche treffen wir unsere Freunde, Annemarie und Volker und Heike und Jürgen zu einer Dinghy-Party, d.h. die Paare sitzen in ihren Dinghys, die am Steg festgemacht sind, jeder bringt seine eigenen Getränke mit, wir halten unsere zwei Meter Abstand und unterhalten uns. Das ist immer schön. Manchmal gibt es besondere Anlässe, so wie einen Geburtstag oder eine Abfahrt, dann spielt Alfred Gitarre oder Ukulele, wir singen oder das Nebelhorn wird getrötet. Da fällt mir ein, Anfang nächster Woche werden Annemarie und Volker mit ihrer Escape in See stechen! Sie haben entschieden, doch - wie ursprünglich auch von uns geplant - in die USA zu reisen. Das finden wir einerseits schade, weil uns die beiden dann fehlen werden, andererseits gehört das zu unserer Lebensart dazu, wir Segler wollen alle irgendwann weiter. Hoffentlich treffen wir die beiden wieder, vielleicht auf dem Weg in den Pazifik. Zwei weitere Höhepunkte waren die Wanderungen zu den zwei Hügeln westlich und östlich der Bucht von Le Marin, einmal den Mont Gommiere (258 m) und den Piton Creve Coeur (ca. 207 m), von denen wir die wunderschönsten Aussichten über die ganze Bucht hatten! Abends machen wir auf dem Vordeck unser Gymanstikprogramm, bereiten im Cockpit das Essen vor, kochen und genießen unser Essen. Den Abend lassen wir dann mit Lesen, Reden, Film schauen oder einem Spiel ausklingen.
Jetzt jedoch, da wir eine ungefähre Abfahrtszeit haben, werden wir uns bald auf die Fahrt und die Quarantäne (14 Tage vor Anker) vor Grenada vorbereiten: Schraube und Wasserlinie von Algen befreien, Konservierung für den Wassermacher kaufen, Vorsegel, Rettungsringe, Strecktau wieder anbauen, Vorräte bunkern etc. - die Lethargie von zwei Monaten Ungewissheit schwindet und die Vorfreude darauf, endlich wieder segeln zu können, wächst. Außerdem dürfen wir uns ab Dienstag, 12.5., über die ganze Insel bewegen und uns zu zehnt treffen - das heißt, wir werden endlich Martinique (mit einem Mietwagen) besichtigen und mit mit den anderen eine Abschiedsparty feiern!

RSS

07 May 2020
Alfred+Petra Punke+Pavlisin
APP: Aggregator
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Was geht?

03 May 2020 | Le Marin, Martinique
Alfred | Hot
Bis heute morgen waren wir ziemlich entspannt. In der Funkrunde letzten Dienstag, die über UKW-Funk für alle Segler um Martinique speziell zum Thema Hurrikans stattfand, wurde deutlich gemacht, dass kein Zeitdruck herrscht, beginnt doch die Hurrikan Saison zwar im Juni, aber die Wahrscheinlichkeit, dass selbst bis Ende Juli einer über Martinique hinwegzieht, wurde von den erfahrenen „Locals“ als äußerst gering eingeschätzt. Es wurde darauf hingewiesen, dass im Falle eines Hurrikans bzw. eines tropischen Sturms, der sich über dem Nordatlantik bildet, genügend Zeit bleiben würde, ihm nach Süden auszuweichen. Und dies würde eh erst frühestens im August geschehen. Und bis dahin wollen wir längst in Grenada sein. Also keine Panik, alles unter Kontrolle.
Martinique wurde 2007 Ende August von Hurrikan Dean getroffen. Durchschnittlich findet solch ein Ereignis für Martinique alle 13 (Kategorie 1+2) bzw. 37 (Kategorie 3 bis 5) Jahre statt. Hm, schnell gerechnet: statistisch gesehen müsste also bald mal wieder einer kommen. Zumal die Meteorologen für dieses Jahr 2020 eine „abnormal high“ Hurrikan-Aktivität voraussagen, wegen der Wassertemperaturen und El Nino/La Nina.
Grenadas statistische Wahrscheinlichkeiten sehen etwas günstiger aus. Ivan verwüstete Grenada Anfang September 2004, durchschnittlich wird Grenada alle 30 bzw. 50 Jahre von einem Hurrikan getroffen. Es bleibt also - statistisch wohlgemerkt – noch ein wenig Zeit bis zum Nächsten. Deshalb wollen wir auch dorthin, wenn es ab August ernst wird. Wir wollen dort das Boot an Land stellen, um dann für die Hurrikane-Zeit in Deutschland zu bleiben. Ihr erinnert Euch? Der ursprüngliche Plan war es, an der US-Ostküste nach New York zu segeln, und so den Hurrikans auszuweichen.
Aus zwei Gründen mussten wir diesen Plan fallenlassen: erstens weil ich (Alfred) zu blöd bin, Einreisebedingungen zu verstehen. Dachte ich doch, dass ein ESTA-Visum für eine Einreise in die USA geeignet ist, egal, mit welchem Verkehrsmittel. Ein ESTA-Visum ist aber eine Vereinbarung der USA mit den großen Fluggesellschaften, nur wenn man mit denen einreist, ist ESTA gültig. In allen anderen Fällen benötigt man ein richtiges Visum, in meinem Falle ein Besuchervisum B2, welches nicht so superleicht zu beschaffen ist. Man muss zu einer Botschaft, sich interviewen lassen, und auch sonst noch so Einiges Andere erledigen und bezahlen. Ohne die Pandemie hätte ich das wahrscheinlich sogar noch hinbekommen. Die Botschaften auf den Bahamas/Nassau und Barbados, sowie vielleicht auf Grenada stellen ein B2-Visum auch für „Third Country Nationals“, also für Leute, die nicht aus dem Land der Botschaft kommen aus. Bei Grenada sind wir uns noch nicht ganz sicher, wird gerade geklärt. Wie dem auch sei, die Grenzen und natürlich auch alle Botschaften dieser Länder sind bis auf weiteres noch geschlossen, und wenn sie öffnen, muss erst ein Termin bei der Botschaft her. Das wird so schnell nicht laufen. Nicht schnell genug jedenfalls, um danach noch die knapp 2000 Seemeilen bis in die USA zu segeln. Und zweitens ist uns die USA zurzeit mit ihrem „Krieg gegen Corona“ nicht ganz geheuer.

Bis heute Morgen waren wir also entspannt, wie gesagt. Auch deshalb, weil die Admiral Marine Versicherung uns ein Angebot gemacht hat, unser Boot auf Grenada auch im Falle eines Hurrikans zu versichern. Allerdings nur, wenn wir für den Fall, dass das Boot im Wasser ist, an Bord bleiben und ggf. einem Hurrikan ausweichen (s.o.). Oder das Boot an Land stellen.
Meine derzeitige Hamburger Yachtversicherung (HYV) ist übrigens hart geblieben. Keine Deckung nördlich von 10° Nord, selbst Trinidad ist da nicht mit drin. Die Admiral Marine gibt Deckung für benannte Hurrikans bis 12°40‘, da sind ungefähr die Tobago Keys. Südlich davon dürfen wir also bleiben, die nördlicheren Inseln St. Lucia, St. Vincent und natürlich auch Martinique gehören nicht dazu. Freundlicherweise stundet mir die HYV die bereits bezahlte Prämie, und ich kann dann nächstes Jahr wieder zurück wechseln. Immerhin. Aber welch ein Aufwand. Und welch ein Glück, dass wir diese Versicherung gefunden haben, vielen Anderen ist das bisher nicht gelungen. Petra hatte den Versicherungsvertreter Robert 2017 bei der ARC kennengelernt, er hatte ihr Boot damals versichert. Und 2019 stand er dann in Las Palmas wieder vor unserem Boot und war glücklich, einen weiteren Besitzer einer X-Yachts Xc 38 gefunden zu haben, denn er hatte sich das gleiche Boot gekauft.
Ein weiterer ziemlich schwerwiegender Knackpunkt unserer Situation ist ein fehlender Stellplatz an Land. Da wir diese Möglichkeit erst relativ spät in Erwägung gezogen hatten, haben wir auch erst relativ spät die drei in Frage kommenden Marinas an Grenadas Südküste angefragt, leider bisher ohne Antwort. Wir hoffen auf eine Klärung bis Ende nächster Woche, aber angesichts der vielen Segler, die noch irgendwo unterkommen wollen, habe ich nicht das allerbeste Gefühl bei der Sache.
Zurück zur Entspannung: es wäre wirklich schön gewesen, wenn die Nachrichten zu Grenzsperrungen, Visum- und Stellplatzsituation die einzig Schlechten geblieben wären. Aber heute Morgen kam die Meldung, dass Grenada seinen Flughafen bis mindestens (!) Ende Juli schließen würde und die Airport-Verwaltung schon 150 Mitarbeiter nach Hause geschickt hat. Also selbst wenn wir in Grenada demnächst einklarieren dürften, und auch einen Stellplatz an Land bekommen würden, wäre es äußerst unsicher, von dort wegzukommen!
Da fällt mir spontan Cuxhaven ein. Oder vielleicht erstmal die Azoren, dann die Kanaren oder vielleicht Lagos im Süden von Portugal. Doch zurück nach Europa?
Also, für den Fall, dass Grenada und USA keine Optionen bleiben, gibt es drei Weitere:
1. Curacao. Hurrikan Gefahr gleich null, KLM fliegt angeblich nach Europa, sogar nach Frankfurt, Bootsstellplätze an Land sind vorhanden, unsere Anfrage ist gestellt. Allerdings haben wir noch keine Bestätigung. Aber für den Fall, dass man uns aus dem Wasser krant und an Land stellt, und dann noch in das Land hineinlässt, wäre das eine echt gute Variante. Wir müssten lediglich schlappe 500 Seemeilen vor dem Wind ablaufen. Und endlich unsere Passatsegel einsetzen. Ein Ende des Lockdowns ist, wie in Frankreich, für den 11. Mai terminiert. Die Grenzen sind zurzeit zu, also müssen wir auch hier, wie in Grenada, auf eine Grenzöffnung hoffen.
2. Wir bleiben, wo wir sind, also in bzw. um Martinique. Wir weichen einem Hurrikan aus, so er denn kommt. Typischerweise wird 72 Stunden vor dem Eintreffen am eigenen Standort eine Zugbahnvorhersage des Wirbelsturms mit statistischer Abweichung angegeben, diese beträgt dann einen Kreis von 300 Seemeilen im Durchmesser für die eigene Position. Wir müssen also drei Tage vorher lossegeln und uns mindestens 150 Seemeilen in die richtige Richtung wegbewegen. Die Erfahrenen sagen, das ist für Martinique immer Kurs Süd. In 72 Stunden sollten wir sogar fast 400 Seemeilen nach Süden hinter uns bringen, denn unsere Etmale lagen bei der Atlantiküberquerung nie unter 130 Seemeilen wir befänden uns dann bereits deutlich südlich von Trinidad, dort war noch nie ein Hurrikan. Vorstellbar wäre es, einen Kurs anzulegen, der mit großem Abstand an Trinidad und vor allem Venezuela in südöstlicher Richtung vorbeiführt, denn an den Küsten dieser Länder gab es Vorfälle von Piraterie. Sobald der Hurrikan durchgezogen ist, drehen wir einfach um und segeln zurück dorthin, wo wir abhängig von der Pandemie-Situation ohne großen Aufwand wieder hereingelassen werden, möglicherweise also zurück ins europäische Martinique. Das würde aber bedeuten, dass wir nicht nach Deutschland reisen könnten, da wir ja permanent vor Ort mit einem Hurrikan rechnen müssten.
3. Die dritte Option steht uns bevor, wenn die Grenzen hier in der Karibik geschlossen bleiben, und wir unbedingt nach Deutschland müssen – was notwendig sein könnte z.B. meinen ablaufenden Reisepass zu verlängern oder aus medizinischer Sicht. Leider habe ich mir einen kleinen Leistenbruch zugezogen, der mich zwar nicht behindert, aber sicherheitshalber behandelt werden sollte. Das wäre ein Törn zurück nach Europa, mit Zwischenstopp auf den Azoren, wo man unter Quarantäne ankern und sich neu verproviantieren darf. Welches Ziel in Europa wir uns dann aussuchen würden? Darüber haben wir schon ein wenig spekuliert: idealerweise Portugal oder Spanien, also nach Lagos in der wunderschönen Algarve oder zu einer kanarischen Insel, zum Beispiel Gran Canaria. Las Palmas soll ja einen recht großen und günstigen Hafen haben, sagt man… Ob diese Länder uns einreisen lassen würden, bleibt abzuwarten. Falls nicht, bleibt wirklich nur Deutschland. Der erste Hafen wäre dann Cuxhaven, den kennen wir schon. Gar nicht schlecht da. Aber soweit ist es noch nicht. Erstmal bleiben wir noch brav hier in Le Marin in der Marina. Und wie wir hier unsere Zeit verbringen, ohne einen Lagerkoller zu bekommen, das wird Petra im nächsten Post beschreiben. Nur so viel. Es geht uns gut.

Ein phantastischer Törn - Mit Käpt'n Blaubär unterwegs

14 April 2020 | Le Marin, Martinique
Alfred+Petra Punke+Pavlisin | Hotter Than July
Diesen Bericht habe ich bereits am 1. April geschrieben.
Ein paar Tage vorher hatten wir nämlich auf unsere Anfrage überraschend die Erlaubnis von der Gendarmerie und der Capitanerie erhalten, einen Törn zu machen, und zwar Martinique Rund. Wie toll! Endlich mal wieder Segeln, und dann noch eine so attraktive Strecke. Es wurden uns allerdings mehrere Auflagen gemacht: wir dürften natürlich nirgendwo anlegen und wir müssten die Strecke in maximal 24 Stunden gegen den Uhrzeigersinn zurücklegen. Anderenfalls müssten wir mit einer empfindlichen Geldbuße rechnen.
Das ließen wir uns nicht zweimal sagen. Am nächsten Tag gleich nach dem Frühstück um 11:00 Uhr lösten wir uns von den Mooringleinen und ich legte ab. Was war das? Wieder dieses Schütteln des Motors wie beim Ablegen in Rodney Bay, St. Lucia! Und dann stoppte der Motor auch noch. Diesmal wussten wir sofort, was es war, und ich sprang kurzerhand mit einem Ikea-Messer bewaffnet ins Hafenbecken. Und tatsächlich, der Tauchgang zeigte mir, dass sich eine Mooringleine im Propeller verfangen und schon recht dick um den Propeller gewickelt hatte. Diesmal sparen wir uns die 150 Dollar für den Taucher. Ich holte tief Luft, wickelte und begann, die dicke Leine vom Propeller abzuschneiden. Nach vier Tauchgängen war es geschafft, und Petra setzte das unterbrochene Ablegemanöver augenblicklich fort, denn wir trieben ja noch in der Boxengasse, und drohten, gegen ein anderes Boot zu driften. Ich schaffte es gerade noch rechtzeitig, mich an der Badeleiter festzuklammern und an Bord zu klettern. Gut gemacht, Petra und Alfred.
Kaum waren wir im breiten Fahrwasser der Bucht eingefahren, machte der Motor ein akustisches Warnsignal und zeigte Elektrikproblem im Display. Ich machte sofort den Motor aus. Petra begann, das Groß zu setzen, Gottseidank kam der Wind einigermaßen aus der richtigen Richtung. Ich schnappte mir das Multimeter, und konnte sofort sauber messen, dass jetzt auch der zweite Schalter des Plus-Kreises der Motorbatterie defekt war. Der Motor sprang auch nicht mehr an. Macht nichts, die Marinieros der Le Marin Marina werden uns schon sauber einschleppen, das ging ja auch auf St. Lucia gut. Davon wollten wir uns unseren Törn nicht kaputt machen lassen. Jetzt galt es nur, mit der Energie sauber zu haushalten, denn ein einfaches und schnelles Nachladen via Motor war nicht mehr möglich. Also schnell den Wind- und Hydrogenerator ausgebracht bzw. angeschaltet, und den kleinen Getränke-"Luxus"-Kühlschrank ausgeschaltet. Zusätzlich legten wir noch die Solarpaneele aus, so waren wir gut gerüstet und konnten uns sogar den Luxus erlauben, unter Autopilot zu fahren. Inzwischen waren wir die 3 Seemeilen aus der Bucht herausgesegelt und erreichten nach leicht südöstlichem (157°) Kurs die Südspitze der Insel. Die Windvorhersage war schon heftig, auch die Wellenhöhe war ein wenig furcherregend angegeben, aber wir waren ja inzwischen Einiges gewöhnt und Bange machen gilt nicht. Aber was uns hinter der Ilets Cabrits erwartete, damit hatten wir nicht gerechnet. Voll gegenan kämpften wir uns hoch am Wind um die mit Schiffswracks bestückte Landspitze. Namen wie Table de Diable sagten schon alles. Um durch die haushohen Wellen durchzukommen, mussten wir Segelfläche stehen lassen, das dritte Reff, das wir gern eingebunden hätten - wir haben dafür ja jetzt ein aus dem Cockpit zu bedienendes Ein-Leinen-System - brachte nicht genug Vortrieb, und auch die Genua durften wir nur wenig einrollen, um in den Wellentälern nicht stehenzubleiben und schnell wieder Fahrt aufnehmen zu können, wenn wir wieder höher kamen und der Wind uns erreichte. Nur so schafften wir es über die nächste Wellenkuppe. Aber welche Krängung gab es dann oben, wenn wir nicht sauber steuerten, also etwas höher segelten! Nach ca. 6 Seemeilen zog sich der Küstenverlauf etwas nach Norden zurück, und wir konnten abfallen, dem Ostwind nicht mehr direkt ins Auge blicken. Jetzt konnte auch der Autopilot wieder eingesetzt werden. Durch die extrem hohen Wellen musste er richtig hart arbeiten, und machte wieder die so nervtötenden Quietschgeräusche. Aber das sind ja die Steuerseile, die trotz viel Fett immer noch schleifen und entsprechende Geräusche machen. Und der Stromverbrauch war entsprechend hoch, hoffentlich fällt jetzt nicht auch noch der Hydrogenerator aus. Kaum hatte ich das gesagt, kam er fast aus dem Wasser. Die Leine war mal wieder gerissen. Wir holten ihn ganz hoch, und beruhigten uns mit dem Windgenerator und den Solarpanels, die allerdings nicht immer die volle Sonneneinstrahlung erhielten. Und der Windgenerator lief zwar noch schnell, aber nachts ohne Sonne und auf der Leeseite der Insel könnte es knapp werden mit der Energie. Wir entschieden uns, die gesamte Strecke selbst zu steuern, was ja für die 100 Seemeilen auch machbar ist. Die 20 Seemeilen bis zum Caravelle-Felsen erforderte feinfühliges und geschicktes Steuern. Immer wieder musste der Rudergänger die seitlich angreifende Wellenwand steil hochfahren, dann auf dem Wellenkamm leicht abfallen, um nicht plötzlich auf der anderen Seite zu steil herunterzufahren. Es war furchteinflößend, spannend und machte nach einer Phase der Gewöhnung dann auch einen Riesenspaß. Wir juchzten immer wieder vor Freude, wenn uns die Gischt in's Gesicht peitschte.
Wir konnten weiter abfallen und mit Raumschotskurs unsere Passatsegel einsetzen, die wir jetzt auf dem Furler fuhren, der ursprünglich für den Gennaker vorgesehen war. So könnten wir die beiden Passatsegel einfach ausrollen, wir hatten den Furler schon in der Marina gesetzt. Vorher noch schnell einmal in den Wind geschossen und das Groß geborgen, zack war ich vorne auf Deck und setzte die beiden Spibäume mit den erforderlichen Leinen (Schoten, Toppnanten, Niederholer, Fore- und Aft-Guy), und schon rauschten wir vor dem Wind dahin. Manchmal zeigte die Logge etwas Zweistelliges vor dem Komma an, aber eine Null war immer dabei. Jetzt mussten wir fast schon aufpassen, dass wir nicht zu schnell wurden, sonst würden wir noch in der Nacht wieder zurück in Le Marin sein, und wir waren ja auf die Marinieros angewiesen. Aber der Wind würde auf der Leeseite der Insel schwächer sein, so dass ein wenig Zeitreserve nicht schaden könnte.
Soweit war es aber noch nicht, im Gegenteil. Petra steuerte mit den Passatsegeln sehr konzentriert, und ich beobachtete fasziniert, wie die riesigen Wellen von hinten anrollten. Mit Schrecken sah ich dabei, wie sich eine graue Wolkenwand von hinten unserem Standort näherte. Ein Squall! Wir hätten die Passatsegel gern schon jetzt gerefft, aber dann schaukelte das Boot stark und wir konnten die Wellen nicht mehr sauber aussteuern. So kam es, dass der Wind dann doch sehr schnell zunahm, und wir die Passatsegel noch nicht eingerollt hatten. Der Bug wurde danach in eine Welle hineingedrückt, und der Bug tauchte mal so richtig tief ein. Wir hatten schon die Befürchtung, dass er nicht mehr hochkommt, als sich der Bug wieder zu heben begann. Eine Menge Wasser ergoss sich über das Vordeck und strömte weiter ins Cockpit. Dank unserer Sicherheitsleinen konnten wir unsere Stellung im Cockpit halten. Dann refften wir die Passatsegel erstmal. Das ging recht einfach, dank der speziellen Furler-Rollanlage.
Als wir Grand Riviere querab hatten, fing es an zu dämmern und wir luvten wieder stetig an. Auf Höhe des Precheur-Leuchtfeuers mit seinen roten Blitzen alle 5 Sekunden mussten wir die Passatsegel bergen. Wir rollten Sie einfach ein und bargen noch schnell die Bäume. In der Dunkelheit mit der Stirnlampe kein leichtes Geschäft, aber bei Petra sah es aus, als ob sie das jeden Tag mehrmals macht. Mit traumwandlerischer Sicherheit, immer angeleint, verstaute sie die Bäume und zusammen holten wir die Leinen alle wieder ein. Ich zog das Groß hoch, beziehungsweise wollte es hoch ziehen, aber es passierte nichts. Irgendwie muss sich der Schäkel des Großfalls geöffnet haben, jedenfalls pendelte das Großfall unkontrolliert übers Deck. Ich wollte es wieder einfangen, und kletterte dabei auf einen Sitz des Heckkorbs. Tatsächlich bekam ich es dort auch zu fassen. Allerdings auch der Windgenerator, der durch die Leinenberührung ein übles Schabegeräusch von sich gab, kurzfristig stoppte, um dann seinen Dienst wieder aufzunehmen - allerdings jetzt mit Vibrationen, die das ganze Boot zum Zittern brachten. Keine Chance, wir mussten den Windgenerator außer Betrieb nehmen. Jetzt hatten wir nur noch unsere Brennstoffzelle, die aber gegen die Verbraucher nicht ankommen würde. Wir machten den Hauptschalter aus, um die Batterien nicht vollständig zu zerstören und waren damit vollständig ohne Elektrik. Auch ohne Licht. Von den Taschenlampen mal abgesehen.
Jedenfalls konnten wir das Groß jetzt setzen, wieder ins zweite Reff, auch die Genua wurde wieder rausgezogen. Die See wurde sehr ruhig, und auch der Wind war moderat, so dass wir kurze Zeit später ausrefften. Unter Vollzeug segelten wir wunderschön durch die Nacht. Petra legte sich ein wenig hin, und so konnte ich mal wieder meinen geliebten Sternenhimmel bestaunen und jetzt ohne Navigationsinstrumente auch danach navigieren. Hatten wir ja auf dem Seminar der ARC gelernt, also kein Problem. Die Venus war immer noch da, und alle anderen Sternbilder auch. Prima. Kurz nach Mitternacht waren die Lichter von Fort-de-France Backbord querab gut auszumachen. Der Wind schwächelte jetzt, so dass wir nur noch drei Knoten liefen. Perfekt, denn so würden wir erst frühestens morgens um sechs Uhr vor der Bucht von Le Marin sein. Bei einem der vielen Rundumblicke blieb mir fast das Herz stehen. Ein riesiger grauer Schatten tauchte neben uns auf. Ein Kriegsschiff, ebenfalls ohne Licht wie wir, gesellte sich offenbar zu uns, und, froh über den gefundenen Leidensgenossen, schickte eine weiße Rakete gen Himmel, die die Umgebung taghell erleuchtete. Petra kam ganz verdattert aus ihrer Koje. Mit dem hellen Schein der Rakete konnten wir erstmal alles überblicken, zumindest für einige Minuten, bis die Rakete, offensichtlich am Fallschirm schwebend, verloschen war. Doch da schoss schon die nächste gen Himmel. Möglicherweise war es die französische Marine, die überprüfen sollte, ob wir die 24-Stunden Vorgabe für unseren Martinique-Rund Törn auch einhalten würden? Jetzt schlief der Wind völlig ein, und wir trieben mit einem halben Knoten vor uns hin. So würden wir niemals in 24 Stunden wieder zurück sein.
Mir fiel unsere UKW-Handfunke ein, die ja akkubetrieben ist. Channel 16: "French Warship, French Warship, this is sailing yacht Milena Bonatti, can you read me?" "Loud and clear, please switch to Channel 6", war die schnelle Antwort. Channel 6: "Milena Bonatti, this is French Warship. We saw you on Radar, but we can't see any navigation lights, do you need any help?" "French Warship, this is Milena Bonatti. Yes, we need to get back to Le Marin by 11 a.m., but there is no wind and we do not have an engine. We need towing assistance." "O.k., we will organize that. Over."
Na, das hörte sich doch mal gut an. Sie drehten ab und wir waren gespannt, wie sie uns denn helfen würden. Wir warteten erstmal auf Wind, der aber einfach nicht mehr wehen wollte. Plötzlich zeigten sich überall um uns herum Leuchtspuren im Wasser, ähnlich denen, die man im Heckwasser sieht. Delphine, meinte Petra. Sie ist Delphinflüstererin, hat schon an Lehrgängen teilgenommen und oft mit den schlauen Delphinen kommuniziert. Ihr Pfeifen scheint die Delphine anzuziehen und dazu zu animieren, unserem Boot zu folgen. In dieser Nacht sprangen sie aber noch aufgeregter um uns herum, und machten sogar Geräusche, wie man sie aus den Flipperfilmen kennt. Sie wollen uns ziehen, meinte Petra und knotete drei Schlaufen in eine unserer Festmacherleinen. Sie befestigte die Leine an der Steuerbord-Bugklampe und warf das Ende mit den Schlaufen über Bord. Für die Backbordseite wiederholte sie den Vorgang. Mehrere Delphine schwammen um die Leinen herum und, jetzt geschah das Unglaubliche, streiften sich die Delphine die Schlaufen über den Kopf und begannen, unser Boot zu ziehen! Das war also die Schlepphilfe, um die sich die französische Marine kümmern wollte. Es waren offensichtlich dressierte Delphine der französischen Marine. Sie zogen uns genau auf unserem Zielkurs Richtung Le Marin, und wir machten wieder unsere 3 Knoten Fahrt. Als die Sonne aufging, befanden wir uns vor der Einfahrt der Bucht. Wohin würden uns die Delfine jetzt ziehen? Und, also ob sie es wüssten, bogen sie ab in Richtung der Marin Bucht. Sie zogen uns weiter, und vermieden sogar die Untiefen, hielten sich an das Fahrwasser. Bei der roten Tonne 5 schlüpften sie aus den Schlaufen und nach einem erneuten Flipperruf verschwanden sie in Richtung offenes Meer. Wir riefen die Marinieros der Marina über Funk. Es war 10:30 Uhr. Um 11:00 Uhr waren wir wieder fest am Steg und an der Mooring. Ein phantastischer Törn.

Karfreitagwanderung

10 April 2020 | Le Marin, Martinique
Petra | Sunny and warm
Zu der Atlantiküberquerung gibt es jetzt ein Video, das Alfred aus einigen unserer Handyvideos zusammengestellt hat. Es befindet sich über dem Post "Crossing" und auf YouTube unter https://www.youtube.com/watch?v=7uTs6FZD5fA. Viel Freude beim Schauen!
Um die Hoffnung, doch noch in die USA zu kommen, nicht ganz aufzugeben, beschäftigt sich Alfred auch mit seinem Visum für die USA. Er hat herausgefunden, dass er als Einreisender mit Segelboot statt eines ESTA-Visums ein B2-Visum braucht.
Bei unserem gestrigen Treffen mit Annemarie und Volker - die beiden saßen wieder in ihrem Tretboot, wir in unserem Dinghy - ging es jetzt mal weniger um die Möglichkeiten, einen sicheren Platz für die Boote zur Hurricane-Zeit zu finden (z.B. Costa Rica) als mehr um Hilfsprojekte und den Glauben - das waren sehr spannende Themen, die mal nicht vom Segeln handelten. Und nun zu der Beschreibung unserer heutigen Wanderung.
Heute Morgen um 6:30 hat Alfred spontan überlegt, mich bei der heutigen Wanderung wieder ein Stück zu begleiten. Die letzten Tage hat er pausiert, um sein Knie etwas zu schonen, das ihn etwas schmerzte, v.a. beim Bergabgehen. Wir gingen am Anfang den weiteren, aber ebenen Weg um die Stadt herum, der eine ganze Weile am Ufer der Bucht verläuft, um die Steigungen in der Stadt von Le Marin, das auf einem Hügel liegt, zu vermeiden. Weiter ging es bis zur Kreuzung am Baumarkt, wo sich die erste Steigung befindet. Es ist eine relativ breite Straße, die sich durch einen dschungelartigen Wald windet. Wir hören dort immer alle möglichen Vogelgesänge, Gezwitscher und Geraschel. In unserer Fantasie malen wir uns aus, welche Vögel und sonstigen Tiere darin leben. Gestern sah ich kurz nach dem Sonnenaufgang im Schatten großer Bäume ein marderartiges Tier gebückt aus dem hohen Gras am Straßenrand über die Straße in das Gebüsch auf der anderen Seite huschen. Es sah aus wie ein Marder mit langem, dickem Schwanz und einem in einer Linie mit dem Rücken verlaufenden langgezogenen Hals mit Kopf, mit leicht grau-grünlichem Fell. Wer weiß, was sich noch so in dem Dschungel verbirgt? Weiter ging es bis zu einer steilen kurzen Treppe, die durch die Häuser der letzten Siedlung führt, bis wir endlich die letzte steile Straße verlassen und auf einem Weg weiter wandern, der mich an landwirtschaftliche Wege erinnert, wie ich sie bei Wanderungen im Mühlviertel in Österreich, im Salzkammergut oder in Südtirol gesehen habe. Der Weg ist steinig, verwurzelt und uneben. Er führt uns an einer Wiese vorbei, auf der manchmal ein großer weißer Bulle steht, der aussieht wie eine indische Kuh, mit einem Höcker hinter seinen Schulterblättern. Von dort haben wir einen wunderbaren weiten Blick in das Tal, das sich in nördliche Richtung erstreckt, also in die entgegengesetzte Richtung der Bucht von Le Marin, die in Richtung St. Lucia bzw. Südwest verläuft. Im Tal zieht sich von einer Straße abzweigend eine relativ lange Palmenallee bis zu einer großen Farm. Auf den umliegenden Wiesen sehen wir manchmal viele kleine weiße und verstreute schwarze Punkte - eine große Herde von grasenden weißen Kühen und in schwarze Plastikfolie gewickelte Heuballen. Inzwischen sind wir schon auf der vorletzten Anhöhe angelangt - mit dem umwerfenden Blick auf die Bucht von Le Marin, in der das Wasser in den verschiedensten Blautönen schimmert und Hunderte von Segelbooten vor Anker liegen. Die Farben der Bucht verändern sich, wenn eine Böe darüber hinwegweht oder Wolken ihre Schatten darauf werfen. Bei Sonnenschein sieht man sehr genau, wo sich die Riffe und Untiefen befinden. Ich schlug Alfred mal zum Spaß vor, ihn telefonisch von hier oben anzuleiten, den optimalen Ankerplatz zu finden. Heute beschließen wir, nicht den letzten steilen Wanderweg bis zur Kapelle hochzugehen, weil aufgrund des Feiertags, Karfreitag schon einige Pilgerer auf dem Kreuzweg unterwegs sind. Stattdessen unterhalten wir uns noch ein wenig mit Michel, einem sehr aufgeschlossenen und mitteilungsfreudigen Mann, der hier oben in einer kleinen Hütte lebt, die auf einem wunderschönen, leicht abfallenden Grundstück liegt, von dem man diesen einmaligen Blick hat. In seinem Garten wachsen Mangobäume und Bananen. Seine 20 Katzen sollen Mäuse und Ratten fern halten - auch in der gesamten Nachbarschaft! Alfred hat die ganze Wanderung geschafft - ohne Schmerzen! Das freut mich und macht uns Hoffnung, dass es auch mit dem Knie wieder bergauf geht. Zufrieden machen wir uns auf den Rückweg, um nach der schweißtreibenden Wanderung unser "ewiges Frühstück" zu genießen.
Sonst hat sich nichts Neues getan.
Vessel Name: Milena Bonatti
Vessel Make/Model: X-Yachts, Xc 38
Hailing Port: Großenbrode, Germany
Crew: Petra Pavlisin, Alfred Punke
About: Petra has been sailing high seas for a few years now. Alfred has been sailing the Baltic and the North Sea since 2000.
Extra: We are planning a circumnavigation of the globe, crossing the Atlantic with ARC 2019, heading to New York 2020 and westward after
Milena Bonatti's Photos - Main
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